Der „Jedermann“ schwelgte in der Ära des Barock

Vorarlberg / 17.11.2022 • 16:46 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Tobias Moretti als glanzvoller Shakespeare-Interpret in Götzis.

Götzis Ist bei Kulturgesprächen die Rede von Tobias Moretti, dem derzeit wohl populärsten österreichischen Theater- und Filmschauspieler, so wird gewiss bald sein singulärer „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen vor ein paar Jahren rühmend erwähnt. Doch Moretti ist noch viel mehr – von Grillparzer bis Sartre; im Film trefflich als Luis Trenker, Erzherzog Johann oder ein elementarer Andreas Hofer (kein Wunder beim Tiroler Moretti). Fernab von dieser aktuellen Theaterwelt begab sich der Genussmensch Jedermann kürzlich in die Sphären des Barock, um als Hohepriester des gesprochenen Wortes eindrucksvoll Texte von Shakespeare in den ausverkauften, total stillen Saal Ambach zu schmettern.

Eine Stimme mit Nachklang

Sechs hochrangige Barockmusiker mit einer Dame (Julia Moretti, Barockoboe) umringten Tobias Moretti auf der Vorbühne. Abwechselnd mit den Wortgaben Morettis erklangen Barockvioline, Barockviola, Barockfagott, Theorbe, Barockgitarre, Perkussion. Diese Spezialisten für Alte Musik spielten Werke von Purcell mit bestechender Klarheit, aber auch höfischem Charme. Tobias Moretti begann seine Lesung mit der ersten Zeile des 147. Sonetts, „My Love is a Fever“, es ist der Titel des ganzen Abends, der auch schon in Wien und Salzburg bejubelt wurde, und auf den Großmeistern Henry Purcell und William Shakespeare gründete. Die berühmte sonore Stimme Morettis, welche Vokale funkeln lässt und Konsonanten zischen und stechen, behält man noch lange im Ohr. Der dramatisch ernste Tobias mutierte am Schluss sogar noch zum fröhlichen Musicalstar mit „Schlag nach bei Shakespeare“! SCH

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