Elf Jahre Haft für Drogendealer

Vorarlberg / 17.11.2022 • 22:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 52-jährige Angeklagte bestritt die Vorwürfe, konnte aber keine überzeugenden Erklärungen liefern.eckert
Der 52-jährige Angeklagte bestritt die Vorwürfe, konnte aber keine überzeugenden Erklärungen liefern.eckert

Montenegriner organisierte im Hintergrund Drogenhandel.

Feldkirch Drei Vorstrafen hat der 52-Jährige bereits, nun kam eine vierte dazu. In Deutschland wurde er auch schon einmal zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Magdalena Rafolt kam zu dem Schluss, dass die Version des Mannes, der offiziell in seiner Heimat einen Import-Export-Handel betrieb, nicht der Wahrheit entspricht. Der Angeklagte selbst behauptet von der Anklage dasselbe: „Alles eine Lüge, auch das deutsche Urteil, alles Lügen!“ Offenbar wurde der Suchtgifthändler von der Tatsache, dass bereits seit Längerem internationale Ermittler bei seinen Telefonaten mithörten, überrascht. Überzeugende Erklärungen, um die gesammelten Beweise zu entkräften, konnte er nicht liefern.

Enorme Mengen

Insgesamt 28 Kilo Kokain, 14 Kilo Amphetamine, 60 Kilo Marihuana und ein Kilo Haschisch, das ist das Handelsvolumen, bei dem der Mann die Finger im Spiel hatte. Dass das Kryptohandy, also das vermeintlich abhörsichere Gerät, einiges preisgab, wurde dem Händler zum Verhängnis. Er selbst kaufte oder verkaufte zwar nicht persönlich, doch er streckte seine Fühler aus, hörte sich um und brachte Käufer und Verkäufer zusammen. Für die Vermittlungstätigkeiten und Anbahnungsgeschäfte erhielt er eine Provision.

Die Anklage spricht von 100 Euro pro Kilo bei den leichteren Drogen, von 1000 Euro bei der Vermittlung eines Kokaindeals. Das Gericht nahm zugunsten des Angeklagten eine generelle Hunderteuroprovision an. Was die Ausführungen des Mannes betrifft, schüttelt Staatsanwalt Markus Fußenegger nur den Kopf.

Märchenstunde

„… Märchen wie aus 1001 Nacht“, so der Staatsanwalt zu der Version, das Kryptohandy sei dem Beschuldigten gebraucht verkauft worden und in der Schweiz habe er ständig so komische Nachrichten erhalten. Er habe sich gar nicht ausgekannt. Gefunden wurde zum Beispiel eine Nachricht, in der es heißt: „In Schweden gibt es Speed, wenn das jemand haben will …“ Damit Dealer sichergehen können, dass jemand nicht nur blufft, wird häufig ein Foto des Vermittlers in dessen Wohnung verlangt.

Der Abschlussbericht umfasst 1600 Seiten, internationale Behörden waren involviert, unter anderem das FBI. Die Verteidigung führt an, dass der Angeklagte bescheiden lebte: „Wenn er schuldig wäre, hätte er einen ganz anderen Lebensstil gepflegt.“ „Wenn man vom AMS Geld bezieht, kann man schlecht mit einem Rolls Royce vorfahren“, kontert die Staatsanwaltschaft. Die elf Jahre Gefängnis wegen Suchtgifthandels im Rahmen einer kriminellen Vereinigung sind nicht rechtskräftig. EC

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