Gerold Riedmann

Kommentar

Gerold Riedmann

Verkehrte Welt

Vorarlberg / 17.11.2022 • 22:33 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Karl-Heinz Rüdisser musste die Scherben des Wirtschaftsbundes aufräumen – und mit der Übermittlung des Strafzettels über knapp 800.000 Euro nähert sich der undankbare Frondienst einem Ende. Der ÖVP-Bund als Steuersünder.

Die Vorarlberger Volkspartei muss nun an mehreren Stellen Schlüsselpersonal in Stellung bringen. Die Personaldecke ist dünn wie nie.

Man sieht das an den ÖVP-Bürgermeistern der Städte. Hohenems und Bregenz wurden verloren, in Bludenz klappte die Verteidigung nur haarscharf. Bregenz und Feldkirch brauchen demnächst erfrischende Kandidaten.

Währenddessen brodelt es in der Partei. Nicht nur wegen der üppigen Selbstbedienung am Wirtschaftsbund-Buffet. Mit Schrecken wird das ernüchternde Bürgermeisterwahlergebnis aus Höchst diskutiert. Beim kommunalen Wahl-Waterloo geht es ausgerechnet um Höchst, Heimat großer ÖVP-Söhne: Alt-LH Herbert Sausgruber und Finanzminister Magnus Brunner.

Auch wenn im Wirtschaftsbund Bundesrätin Christine Schwarz-Fuchs eine Aufgabe findet und Landesrat Marco Tittler mit der zusätzlichen Funktion mehr Schwung bekommen soll, muss die ÖVP die Wirtschaftskammer perspektivisch neu aufstellen.

Die unausgesprochenen Fragen in jener Partei, die Vorarlberg seit 80 Jahren ununterbrochen regiert, lauten: „Wer tut sich das noch an?“ Und auch: „Wie stark sind wir noch?“

Gute Fragen in einer Partei, die ein Jahr braucht, um auszusprechen, dass ein Thomas Schmid ausgeschlossen werden soll. Die Vorarlberger VP dagegen hat gar keinen Ethikrat, der ihr Ähnliches für Ex-Wirtschaftsbund-Capo Jürgen Kessler vorschlagen könnte. Noch einen Unterschied zwischen Schmid und Schmidl gibt es: Kessler hat nicht ausgepackt, hat kein Zeichen von Reue durchblicken lassen. Er hat die Chuzpe, zusätzliches Geld zu fordern.

Verkehrte Welt.

Gerold Riedmann

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Gerold Riedmann, VN-Chefredakteur

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