“Früher wurde ich noch belächelt”

Vorarlberg / 20.11.2022 • 18:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Vorjahr betrug Walter Donas (hier vor dem Pufferspeicher) Strom­produktion 14.300 kWh. Der Verbrauch lag mit 11.000 kWh darunter.
Im Vorjahr betrug Walter Donas (hier vor dem Pufferspeicher) Strom­produktion 14.300 kWh. Der Verbrauch lag mit 11.000 kWh darunter.

Walter Dona aus Schlins ist seit einigen Jahren dank PV-Anlagen und Speicherbatterie energieautonom unterwegs.

Schlins Die Auswirkungen des Ukrainekrieges und die Inflation sind schon seit einigen Monaten auch in Vorarlberg spürbar. Die Preise für Öl, Kohle, Gas und Strom sind in die Höhe geschnellt, Heizkosten erreichen neue Rekordwerte. Nicht so bei Familie Dona aus Schlins. „Im gesamten Jahr 2021 haben wir für einen Drei-Personen-Haushalt 450 Euro für Energie gezahlt“, sagt Walter Dona nicht ganz ohne Stolz. Damit betrieb er nicht nur das Einfamilienhaus, sondern auch den dazugehörigen Betrieb für Raumausstattung sowie das Elektroauto.

Mit den Themen Energie und Nachhaltigkeit beschäftigt sich der 64-Jährige schon länger. Angefangen habe es mit der Übernahme des elterlichen Hauses 1984, als das Thema Nachhaltigkeit noch gar nicht so präsent war. „Seither ist unser Haus zu 90 Prozent mit umweltfreundlicher Zellulose, hergestellt aus altem Zeitungspapier und Borsalz, gedämmt.“ Denn jede eingesparte Kilowattstunde ist mindestens so viel wert wie eine produzierte, ist der Schlinser überzeugt.

Stromüberschuss

Je eingehender sich Walter Dona mit der Materie befasste, desto stärker prägte sich seine ökologische Orientierung mit den Jahren weiter aus. 2004 errichtete er eine erste, 12 Quadratmeter große Brauchwasser-Solaranlage. Zwei Jahre später folgte die Installation einer Wärmepumpe. 2012 errichtete er die nach Osten und Westen ausgerichtete Photovoltaikanlage. 2020 folgte eine Speicherbatterie mit 14,6 kWh. „Meine Frau Sonja und ich haben die Anlagen sogar selbst montiert. Lediglich der Anschluss muss vom Fachmann gemacht werden“, erzählt Walter Dona. Selbst bei Vollmond produziere die PV-Anlage noch ein wenig Strom. Im Dezember und Jänner reicht der Ertrag bei den Donas nicht für die Selbstversorgung und die Unterdeckung muss mit Strom aus dem Netz ausgeglichen werden. Anfangs sei er von Bekannten für sein Vorhaben belächelt worden. „Viele meinten damals, dass sich das nie amortisieren würde“, erklärt der 64-Jährige, der in den Reparaturcafés Göfis und Klaus mitarbeitet.

Heute ist das Haus der Donas energieautark. „Das ist ein irrsinnig gutes Gefühl”, strahlt der Unternehmer über das ganze Gesicht, wenn er von seiner Unabhängigkeit spricht. Rein rechnerisch bräuchte das Haus sowie der dazugehörige Betrieb keinen Strom mehr aus der Steckdose. Im Vorjahr betrug der Stromverbrauch 11.000 kWh, während die eigene Stromproduktion 14.300 kWh ausgemacht hat. Für das überschüssige Stromkontingent, das er einspeist, erhält er von der Ökostromabwicklungsstelle OeMAG 51 Cent pro kWh. Mittlerweile fragen ihn Bekannte und Freunde nach Rat. Andere mit seinem Konzept zu ermutigen, den Weg in die Unabhängigkeit zu gehen, das ist Walter Donas Ziel.

Förderungen

Der Wunsch nach Energieautarkie ist in Vorarlberg bereits vor dem Krieg gestiegen. „Die Nachfrage nach PV-Beratungen und unseren Vorträgen ist so hoch wie nie zuvor“, sagt Dieter Bischof, PV-Experte im Energieinstitut Vorarlberg. 2021 wurden laut Energieinstitut rund 1400 PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 30.000 kWp installiert – so viele wie nie zuvor. Die Errichtung einer PV-Anlage auf einem Einfamilienhaus wird vom Bund mit etwa 285 Euro je kWp gefördert, informiert das Energieinstitut, das auch Vorort-Beratungen anbietet. Je nach Technik und Größe variiert die Förderung. VN-MIH

Dieses Gerät verwaltet Walter Donas Installationen. Es bietet etwa Live-Informationen zum aktuellen Stromverbrauch und zur Energiegewinnung. 
Dieses Gerät verwaltet Walter Donas Installationen. Es bietet etwa Live-Informationen zum aktuellen Stromverbrauch und zur Energiegewinnung. 
Seit 2016 ist der Schlinser auch mit dem Auto rein elektrisch unterwegs. Der Strom für den Betrieb kommt von seinem Dach.Fotos: VN/Paulitsch
Seit 2016 ist der Schlinser auch mit dem Auto rein elektrisch unterwegs. Der Strom für den Betrieb kommt von seinem Dach.Fotos: VN/Paulitsch
Die Photovoltaik- bzw. Solaranlagen auf dem Haus, dem angrenzenden Betrieb sowie auf dem Carport (l.) bringen den Donas einen Energieüberschuss.
Die Photovoltaik- bzw. Solaranlagen auf dem Haus, dem angrenzenden Betrieb sowie auf dem Carport (l.) bringen den Donas einen Energieüberschuss.

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