Kinderkram brachte Familien vor Gericht

Vorarlberg / 20.11.2022 • 22:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Er habe nie gedroht, beteuerte der Angeklagte vor Gericht. EC
Er habe nie gedroht, beteuerte der Angeklagte vor Gericht. EC

Weil sich Kinder in der Klasse beleidigten, gerieten zwei türkischstämmige Familien aneinander.

Feldkirch Im April klingelt ein Familienvater (48) in Dornbirn an der Tür einer anderen Familie. Es ist kurz vor 22 Uhr. Es scheint etwas Wichtiges zu geben, das unbedingt geklärt werden muss. Der 38-Jährige kommt runter, ist aufgebracht, was es zu so später Stunde noch zu besprechen gibt. Dass der Besuch bei dem Dornbirner Wohnblock eine Vorgeschichte hat, weiß der Mann. Sein Sohn, elf Jahre alt, stritt mit einem anderen Buben aus seiner Klasse. Persönlich und via Handy, wie es bei Jugendlichen üblich ist. Auf dem Parkplatz vor der Moschee ging der Streit weiter. Offenbar fielen auch hier ein paar unschöne Worte.

„Er hat meinem Mann gedroht, wir sollen weg gehen, sonst schlägt er ihn“, sagt die Ehefrau, die samt ihrem Ehegatten und ihren zwei Söhnen vor dem Wohnblock auftauchte. Dann soll der Angeklagte wiederum von Umbringen gesprochen haben, dann wieder von „fertig machen“. So ganz klar geht das nicht hervor. Jedenfalls sind alle mehr als auskunftsfreudig, schildern jede Kleinigkeit, egal ob sie nun etwas zur Sache tut oder nicht. Und laut der Schilderungen der Streitgegner war einer vernünftiger als der andere. „Schauen Sie, Herr Richter, wir sind doch Vorbilder für unsere Kinder. Wenn es einen Konflikt gibt, muss man doch das Gespräch suchen“, erklärt der 48-Jährige mit überzeugender Stimme. Doch nach Aussage des Angeklagten soll er damals im April ganz anders als besonnen aufgetreten sein. Wütend habe er gefordert, der andere soll sofort seinen Sohn aus der Wohnung herunterholen.

Freispruch

Der Angeklagte bleibt dabei, er habe nie gedroht, sondern nur gesagt, dass er die Polizei holen werde, wenn die Familie nicht abzieht. Schlussendlich war es jedoch der ungebetene Besucher, der zur Polizei ging und den anderen wegen gefährlicher Drohung anzeigte. „Der Herr hat mich dermaßen beleidigt. Wie stehe ich denn als Mann vor meiner Familie da? Ich war ganz klein und er hat meine Ehre tief getroffen“, schildert der angeblich Bedrohte nochmals voller Emotionen.

Das Verfahren dauert lange, bis alle erzählt haben, was ihnen alles auf der Seele brennt. Am Schluss wird der Angeklagte freigesprochen und die Justiz hofft, sich wieder wichtigeren Fällen widmen zu können. EC

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