Dem tatsächlichen Ärztebedarf auf der Spur

Vorarlberg / 21.11.2022 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Demonstrieren in Sache Ärztemangel Einigkeit: Manfred Brunner (ÖGK), Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Ärztekammerpräsident Burkhard Walla (v.l.). <span class="copyright">VLK/Serra</span>
Demonstrieren in Sache Ärztemangel Einigkeit: Manfred Brunner (ÖGK), Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Ärztekammerpräsident Burkhard Walla (v.l.). VLK/Serra

Ärztekammer, ÖGK und Land geben gemeinsam Studie in Auftrag.

dornbirn Wie viele Ärzte braucht das Land? Diese Fragen wollen Ärztekammer, ÖGK und Land endlich schlüssig geklärt haben. Die erforderlichen Daten soll eine Studie liefern, die neben Zahlen auch Antworten von jenen beinhalten soll, an deren Adresse sie gerichtet ist, nämlich an junge Medizinerinnen und Mediziner.

Drei Bewerber ritterten um den Auftrag, schließlich erhielt ihn die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG). Pikanterie am Rande: Erst unlängst hat die Arbeiterkammer eine von der GÖG erstellte Pflegebedarfsstudie auseinandergenommen und als “Schönwetterstudie” bezeichnet (die VN berichteten). Das schreckt jedoch niemanden. Das Institut verfüge über bestes Zahlenmaterial aus Vorarlberg, hieß es bei der Präsentation des Vorhabens. Die GÖG erhob bereits 2015 im Auftrag des Landes die ärztlichen Kapazitäten im niedergelassenen und stationären Bereich. Jetzt arbeiten die drei großen Systempartner im Gesundheitswesen zusammen.

Veränderte Lebenswelten

Der Ärztemangel bzw. die Diskussionen darum lassen immer wieder einmal die Wogen hochgehen. Die Gründe: Große Kassenordinationen für Allgemeinmedizin haben pensionsbedingt zugesperrt, weitere Pensionierungen stehen an, junge Mediziner sind unsicher, ob sie in die Niederlassung sollen oder doch lieber im Spital bleiben. Dazu kommt, dass sich die Lebenswelt der Ärzte gewandelt hat. Arbeiteten Ärzte in den Krankenhäusern früher meist bis zu 120 Prozent, sind heute nicht einmal mehr 100-Prozent-Anstellungen gefragt. “Die Freizeit wird sehr konsequent konsumiert. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen und reagieren”, verdeutlichte Ärztekammerpräsident Burkhard Walla. Gleichzeitig erschwere das eine gut Planung. Es werde immer Flexibilität brauchen.

Der ÖGK-Landesstellenvorsitzende Manfred Brunner verwies auf die schon zahlreich gesetzten Maßnahmen und angepassten Arbeitsmodelle zur Sicherung der ärztlichen Versorgung. In den vergangenen fünf Jahren seien 96 Kassenstellen mit 112 Ärzten besetzt worden. In den kommenden fünf Jahren braucht es 70 zusätzliche Mediziner. Brunner geht von einer Entspannung ab 2025 aus. “Das wird auch die Studie bestätigen”, gab er sich überzeugt, aber: “Bis dahin haben wir Nachbesetzungsbedarf.” So etwa bei Allgemeinmedizinern, wo aktuell sieben Vertragsstellen offen sind. Was ihn in diesem Zusammenhang stört sind die Schwierigkeiten, offene Stellen ohne Unterbrechung zu schließen. Manfred Brunner hofft, dass die Studie weitere Möglichkeiten offenbart, um das System noch treffsicherer zu machen.

Mittels Fragebögen sowie in vertiefenden persönlichen Interviews und Fokusgruppen werden unter anderem die Motive der angehenden Ärzte für die Wahl ihrer Fächer und Arbeitsstellen erhoben, ebenso ihre Vorstellungen von Gehalt, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Freizeit. “Dieser individuelle Zugang gibt uns Aufschlüsse und Handlungsanleitungen, um rasch gegenzusteuern. Vor allem im Bereich Allgemeinmedizin erwarten wir uns wertvolle Informationen”, sagte Walla und: “Erst wenn wir alle Gründe für den Ärztemangel kennen, können wir ableiten, was es wirklich braucht.”

Ergebnisse bis April

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher redete auch strukturellen Veränderungen sowie einer klaren Patientenlenkung das Wort. Zudem müssten Kooperationsmodelle zwischen den Systempartnern einen noch höheren Stellenwert erhalten. Gesamthaft gesehen möchte sie Vorarlberg zum attraktivsten Arbeitsplatz für Ärztinnen und Ärzte machen. Die Erhebungen für die Studie beginnen noch im November, die Ergebnisse sollen im April 2023 vorliegen.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.