In dieser Gemeinde soll ein Großquartier für Flüchtlinge eingerichtet werden

Vorarlberg / 22.11.2022 • 05:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Thomas Schierle vor der künftigen Halle.<span class="copyright"> VN/GER</span>
Thomas Schierle vor der künftigen Halle. VN/GER

In einer in Bau befindlichen Halle sollen rund 150 Menschen untergebracht werden. Bürgermeister ist sauer: “Wir wurden nicht informiert.”

Schwarzach Die Zeit drängt. Die Anzahl der Asylwerber befindet sich auf einem Rekordhoch. Der Bund droht, die Flüchtlinge in Zelten unterzubringen. Das Land will das verhindern und ist händeringend auf der Suche nach Großquartieren. „Wir sind diesbezüglich in Gesprächen“, erläuterte Sicherheitslandesrat Christian Gantner am Sonntag gegenüber den VN. Was er nicht sagte: Zumindest ein Mietvertrag wurde bereits unterschrieben.

Wie nun bekannt wurde, soll in Schwarzach ein Quartier für rund 150 Flüchtlinge eingerichtet werden. Bürgermeister Thomas Schierle bestätigte am Montag entsprechende VN-Informationen und verhehlte dabei nicht, dass er damit alles andere als glücklich ist.

In Dornbirn wurden Zelte hinter dem Bezirksgericht eingelagert. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
In Dornbirn wurden Zelte hinter dem Bezirksgericht eingelagert. VN/Rauch

Schierle ist in erster Linie sauer auf das Land, das die Gemeinde vor vollendete Tatsachen gestellt habe. “Mit uns hat im Vorfeld niemand geredet. Wir sind letzte Woche lediglich darüber informiert worden, dass das Land in einen Pachtvertrag eingestiegen ist und eine in Bau befindliche Industrie- und Gewerbehalle zweckentfremdet, um eine Großunterkunft für Flüchtlinge einzurichten”, ärgert sich der Gemeindechef. Landesrat Christian Gantner habe in dem Gespräch im Landhaus außerdem betont: “Wir fragen nicht, wir informieren.” Gantner relativiert. Er habe gesagt, er sei einfach nicht mehr in der Situation, fragen zu können. Die Gemeinden würden aber frühzeitig informiert, versichert er.

Der zuständige Landesrat Christian Gantner.
Der zuständige Landesrat Christian Gantner.

“Nicht zielführend”

Die rund 1800 Quadratmeter große Halle wird von i+R im Gewerbegebiet zwischen der Offsetdruckerei und Bischofberger Transporte auf einem bislang ungenutzten Grundstück errichtet. Die Vorverträge mit zwei künftigen Mietern wurden unlängst aufgelöst. Wenn es nach dem Land geht, sollen im Frühjahr vornehmlich junge, allein reisende Syrer und Afghanen in die Halle einziehen. Der Pachtvertrag wurde auf zehn Jahre abgeschlossen.

Auf dem Gelände der Polizeischule in Feldkirch stehen seit Ende Oktober drei Zelte. Bis heute sind sie ungenutzt. <span class="copyright">VN/Rhomberg</span><p class="caption">
Auf dem Gelände der Polizeischule in Feldkirch stehen seit Ende Oktober drei Zelte. Bis heute sind sie ungenutzt. VN/Rhomberg

Bürgermeister Schierle sieht das Vorhaben kritisch. “Wir glauben nicht, dass eine Unterbringung in der Halle zielführend ist”, unterstreicht er. Die Gemeinde sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. “Wir sind auch überzeugt, dass wir noch heuer 20 und bis im Frühjahr noch einmal 20 Plätze finden können. Aber das geht nur, wenn die Halle nicht kommt”, hält der Schwarzacher Bürgermeister fest.

Mehrere Standorte

Dem Land sei es wichtig, gemeinsam mit den Gemeinden individuelle Lösungen zu finden, bekräftigt Gantner. Man habe mehrere Hallenstandorte angeboten bekommen. “Es gibt natürlich einen Zeitpunkt, an dem man es der Gemeinde sagt.” Bislang sei erst der Vertrag in Schwarzach unterschrieben worden. “Es ist für niemanden eine einfache Situation, aber wir werden bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen”, beteuert der Landesrat. 

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.