Caritas spürt den Druck

Vorarlberg / 23.11.2022 • 20:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Caritas betreut in Vorarlberg das Gros der Flüchtlinge. Der Bedarf an Unterkünften steigt und steigt.  APA/Steinmaurer
Die Caritas betreut in Vorarlberg das Gros der Flüchtlinge. Der Bedarf an Unterkünften steigt und steigt.  APA/Steinmaurer

Bei der Caritas sieht man die Notwendigkeit für Großquartiere, wenn auch nur zeitweise.

FELDKIRCH Das Großquartier Schwarzach ist abgesagt, kaum dass es bekannt wurde. Gegenwind gab es am Montag vom Grundeigentümer, auch die Gemeinde war über die Schaffung eines Großquartiers nicht begeistert. „Uns ist eine Umsetzung im breiten Miteinander zwischen Eigentümer, Gemeinde und Bevölkerung wichtig“, erklärt Landesrat Christian Gantner zum Ende der Pläne. Es wird jedoch weitere Hallen brauchen, betont er zuvor in Vorarlberg LIVE.

Überbrückung

Vorarlberg müsse derzeit etwa 900 Personen mehr aufnehmen, um die Quote zu erfüllen. So sind derzeit 3100 Flüchtlinge in Vorarlberg, es müssten nach dem Verteilungsschlüssel jedoch 4000 sein, erklärt Gantner am Dienstag.

Dass es daher Hallen als Großquartiere zumindest als Überbrückungslösung und erstes Auffangbecken braucht, ist man sich auch bei der Caritas bewusst. Die Sozialorganisation der Diözese Feldkirch übernimmt über weite Teile die Flüchtlingsbetreuung im Land. „Irgendwann müssen alle geflüchteten Menschen in Wohnungen oder Unterkünften mit besseren Wohnbedingungen übernommen werden“, betont Fachbereichsleiter Bernd Klisch. Mit der Schaffung von Hallen gewinne man zumindest Zeit, um solche langfristigeren Formen des Wohnens zu schaffen.

Doch auch hier stößt die Caritas auf vielfältige Herausforderungen. Sowohl leer stehende und verfügbare Wohnungen wie auch geeignetes Betreuungspersonal sind Mangelware.

„Wir haben Wochen erlebt, in denen es an schnell verfügbaren Unterkünften fehlte und dann wieder Wochen, in denen wir in manchen Regionen und Bereichen
Mitarbeiter nicht rechtzeitig einstellen konnten“, räumt Klisch ein. Und der Bedarf steigt mit jeder Woche. Derzeit rechnet das Land mit 40 Übernahmen pro Woche aus der Bundes- in die Landesbetreuung.

Adaptionsbedarf

Und die Wohnungen, die der Caritas zur Verfügung gestellt werden, müssen oft noch adaptiert werden, bevor sie bezogen werden. „Bei den Unterkünften kommt hinzu, dass bei sehr vielen gemeldeten Wohnungen ein Sanierungsbedarf besteht und es äußerst schwierig ist, Handwerker zu bekommen“, sieht Klisch hier ebenfalls eine Ursache für Verzögerungen.

Großquartiere würden hier für die notwendigen Puffer sorgen, im Flüchtlingsjahr 2015 gab es acht Quartiere in Vorarlberg mit 100 oder mehr Betten. Derzeit sind es drei, aufgrund des Angriffskriegs gegen die Ukraine sind 2022 aber mehr Personen in Grundversorgung als vor sieben Jahren.

Als Chance verstehen

Heuer wurden bislang drei Großquartiere in Vorarlberg geschaffen, was jedoch nicht ausreichen dürfte. Gleichzeitig bemüht sich das Land um eine gleichmäßige Verteilung der Asylsuchenden und Kriegsvertriebenen auf die 96 Gemeinden des Landes ohne Konzentration der Großquartiere auf einzelne Gemeinden.

„Aus dem Jahr 2015 haben wir gelernt, dass die aktuellen Herausforderungen am besten durch einen Schulterschluss aller Beteiligten – also Land, Gemeinden, Hilfsorganisationen und Freiwillige – zu bewältigen sind“, erklärt auch der Fachbereichsleiter. Es würde auch helfen, wenn Vorarlberg die Aufnahme von Flüchtlingen auch als Chance begreifen würde.

„Der Slogan ‚Hand in Hand für Flüchtlinge in Vorarlberg‘ ist auch aktuell wichtig.“

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