Unbeschadet davongekommen

Vorarlberg / 23.11.2022 • 16:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dominik Birchler wurde 93 Jahre alt.Hafner
Dominik Birchler wurde 93 Jahre alt.Hafner

Schokoladenfabrik überlebte Ersten Weltkrieg. Produktion lief neu an.

Bludenz Um 1910 wäre die Schokoladenproduktion beinahe aus Bludenz abgezogen und nach Bratislava oder Budapest verlegt worden, aber Dominik Birchler, inzwischen 22 Jahre Direktor in Bludenz, hatte mit Hinweis auf die in Bludenz aufgebaute Kompetenz und Erfahrung die Genehmigung zum Ausbau in Bludenz bekommen.

Mit Ende des Ersten Weltkriegs war die Fabrik unbeschädigt, aber eigentlich zu groß für das auf nur noch sechs Millionen Einwohner geschrumpfte Restösterreich. Direktor Birchler musste sich gegen Lörrach durchsetzen, wo man meinte, Österreich einfach mit beliefern zu können. Aber dank seiner guten Beziehung zum Stammhaus in Neuchâtel erhielt er einen Franken-Kredit und so konnte Suchard Bludenz als erstes Süßwarenunternehmen Österreichs schon 1919 wieder Schokolade und Kakao anbieten.

Man setzte weiter auf die Milka, bot diese aber jetzt auch in kleineren Einheiten an wie zum Beispiel Riegel zu 13 Gramm, für die der Konsument zehn Groschen zahlte. Neben Milka wurden jetzt auch einfachere Milchschokoladen erzeugt, die „Vollmilch“ oder „Kalmi“ hießen. „Alpha-Stangen“ waren Schoko-Riegel mit Cremefüllung.

Ende 1927 ist Dominik Birchler nach 40 Jahren in Bludenz in den Ruhestand getreten. 1925 hat er Armin Hechenberger als Büroangestellten eingestellt, der ab 1945 die Fabrik leitete.

Anlässlich seiner Pensionierung schenkte Dominik Birchler der evangelischen Kirchengemeinde das Grundstück am Ende der Suchardstraße, auf dem heute die evangelische Kirche steht. Formal schenkte die Firma Suchard, so sparte man sich die Grunderwerbssteuer. Leider blieb dadurch der wirklich Schenkende der Nachwelt verborgen.

Dominik Birchler hatte sein Leben lang die Berge geliebt. In Bludenz war er ab 1890 Vorstandsmitglied im Alpenverein. Er wurde 93 Jahre alt und ist am 6. Jänner 1954 in Bludenz verstorben. Er wurde auf dem evangelischen Friedhof beerdigt.

Eine Werbepostkarte aus dem Jahr 1925 von der Suchard Schokoladenfabrik.Landesarchiv vorarlberg
Eine Werbepostkarte aus dem Jahr 1925 von der Suchard Schokoladenfabrik.Landesarchiv vorarlberg

Mehr zum Thema Schokoladenstadt Bludenz im Buch von Franz Schütte „Schokolade aus Bludenz, Geschichte einer Fabrik und ihrer Menschen“, erschienen 2021.

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