Zahlreiche Migranten entschwinden über die Vorarlberger Grenze

Vorarlberg / 23.11.2022 • 22:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Nachtzug aus Wien war bereits im vergangenen Herbst ein Fixum im Tagesplan der Grenzwache. VN/PAULITSCH
Der Nachtzug aus Wien war bereits im vergangenen Herbst ein Fixum im Tagesplan der Grenzwache. VN/PAULITSCH

Migrationsstrom durch Vorarlberg reißt nicht ab.

BERN, ST. GALLEN Im Dezember 2021 griffen die Schweizer Grenzer an der Grenze zu Vorarlberg 1314 Menschen auf, die illegal in die Eidgenossenschaft einreisten, bevorzugt per Zug mit gültigem Ticket und meist mit gültigen Aufenthaltspapieren für Österreich oder ein anderes EU-Land.

Inzwischen hat sich die Zahl der Einreisen vervielfacht. Denn inzwischen greifen die Grenzschützer an der Ostgrenze der Eidgenossenschaft bis zu 1100 Personen auf – pro Woche. Anfang des Jahres waren es noch um die 30 pro Tag und damit um die 200 pro Woche. “Bis Mitte Oktober erfasste das Staatssekretariat für Migration (SEM) 38.000 irreguläre Migranten”, bestätigt der Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen Florian Schneider den VN. 21.418 reisten laut SEM über die Ostschweiz ein, wobei Graubünden auch an Italien grenzt.

Vor allem Afghanen und Menschen aus dem Maghreb (Algerien, Marokko, Tunesien) reisen über den Balkan und Österreich in die Schweiz ein. Ihr Ziel ist jedoch Westeuropa, die Schweiz ist für sie wie Österreich ein reines Transitland. Dies spiegelt sich auch in der österreichischen Asylstatistik wider: Über 20.000 Personen aus Afghanistan haben um Asyl angesucht, in der Grundversorgung sind Anfang November jedoch nur knapp 5400 Afghanen. Und jedes vierte Verfahren wurde ruhend gestellt, entweder weil eine Entscheidung einer anderen Behörde aussteht oder sich der Asylwerber dem Verfahren durch Weiterreise entzog. Neben der Bahnverbindung aus Wien mehren sich auch die Einreisen über Italien.

Afghanen wollen nach Frankreich

Die Hauptursachen für die Migrationsdruck auf die Eidgenossenschaft sieht man beim SEM in zwei Faktoren: Einerseits ist nach der Pandemie das Reisen nun wieder einfacher geworden. Andererseits wurden die Volkswirtschaften traditioneller Herkunfts- und Transitländer durch die Pandemie und die steigenden Preise geschwächt. „Damit stieg der Abwanderungsdruck in diesen Ländern, sowohl bei Staatsangehörgen wie auch bei Migrantinnen und Migranten, die sich dort teilweise seit längerem aufhalten“, erklärt Samuel Wyss vom SEM. So verlassen nun auch Afghanen, die im Iran oder der Türkei Schutz fanden, ihre Zufluchtsländer in Richtung Westen. Von der Türkei aus dominieren inzwischen zwei Wege in die EU: Etwa 14.680 Menschen gelangten laut UNHCR heuer von der Türkei nach Griechenland. Mit 10.930 sind aber kaum weniger aus der Türkei über den Seeweg nach Italien eingereist. Hinzu kommt die Visapolitik Serbien ins Spiel.

Die Eidgenossen reagierten vor einem Jahr mit Bearbeitungszentren und hoher Kontrolldichte auf die Migrationsbewegungen. Außerdem gibt es seit September einen gemeinsamen Aktionsplan der österreichischen und eidgenössischen Behörden. Eine Rückführung der aufgegriffenen Migranten nach Österreich scheitert jedoch bislang meistens. Zwar können die Schweizer Grenzschützer deren Personalien aufnehmen, jedoch die Migranten nicht festhalten und damit die Weiterreise verhindern. Beinahe alle reisen daher noch am selben Tag in Richtung Frankreich weiter und entgehen damit dem Dublin-Verfahren und der Rückweisung nach Österreich. VN-RAU

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