Pinkelpause an der falschen Stelle

Vorarlberg / 25.11.2022 • 22:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die drei Angeklagten hatten bei der Verhandlung nur eines gemeinsam: Keiner von ihnen wollte irgendeine Schuld eingestehen. vn/Sohm
Die drei Angeklagten hatten bei der Verhandlung nur eines gemeinsam: Keiner von ihnen wollte irgendeine Schuld eingestehen. vn/Sohm

Brüderpaar provozierte Fußballverein auf recht unsportliche Weise. Das hatte schlagkräftige Folgen.

Feldkirch Ein paar Biere und Schnäpse waren bereits in die Kehlen der beiden Brüder geflossen. Zur Krönung des feuchtfröhlichen Abends begab sich das Duo noch zu einem Fußballverein. Dort wurde nach einem Match noch ausgeschenkt.

Fußballer nicht entzückt

Vorher „begossen“ die Brüder allerdings noch das Fußballfeld, indem sie auf den Rasen urinierten. Sehr zum Missfallen mehrere Mitglieder des Vereins, deren Augen diese respektlose Art der Erleichterung nicht entging. Es kam zum Eklat. Ein „wildes Durcheinander und großes Getümmel“, wie ein Zeuge das folgende Szenario später bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch in Worte kleiden wird.

Bei dem Prozess sind drei Männer angeklagt. Unter ihnen die beiden Brüder im Alter von 31 und 24 Jahren und ein 35-jähriges Mitglied des Fußballvereins. Dem Älteren der Brüder wird vorgeworfen, bei der damals entstandenen Keilerei seinem jüngeren Familienmitglied geholfen und dabei einem der Beteiligten einen Faustschlag ins Gesicht verpasst zu haben. Das Opfer erlitt unter anderem eine offene Unterkieferfraktur.

Zwei tote Zähne

Auf die Frage von Richter Christoph Stadler, wie lange er denn Schmerzen gehabt habe, antwortet der 43-jährige Zeuge: „Ich spüre noch heute ein Ziehen. Damals war ich sechs Wochen im Krankenstand, zwei Zähne im Unterkiefer sind tot.“

Aber auch die Gegenseite der Brüder ging bei der Keilerei nicht zimperlich um. Ein 35-jähriges Mitglied des Vereins trat dem 24-jährigen Beschuldigten mit dem Fuß gegen die Schläfe. Ein Zeuge schildert die Tat des Drittangeklagten mit drastischen Worten: „Er lief vorbei und tschuttete ihm brutal mit dem Fuß gegen den Kopf. Es war wie bei einem Elfmeter . . .“

Sämtliche der drei Angeklagten haben eines gemeinsam: Unschuldig zu sein wie ein Lamm. Keiner habe geschlagen, ein jeder will nur Opfer gewesen sein, behaupten sie felsenfest.

Anwalt Niklas Stieger, Anwalt der Brüder, springt in diesem Sinne für seine Mandanten ein: „Einer meiner Mandanten wurde damals schwer verprügelt. Und die Fußballer sagen nur aus, gesehen zu haben, was meine Mandanten schädigt. Das ist eine Frechheit!“ Anwältin Andrea Concin, die den „Kopfkicker“ vertritt, will hingegen diesen schützen: „Auf uns zur Verfügung stehenden Fotos ist nichts zu erkennen, was den angeblichen Tritt meines Mandanten rechtfertigen könnte.“

Hohe Geldstrafen

Richter Stadler aber ist überzeugt, sich durch die Einvernahme der Zeugen ein schlüssiges Bild gemacht zu haben. Er spricht zwei der drei Angeklagten schuldig.

Der Ältere der Brüder wird wegen des Verbrechens der schweren Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 7140 Euro (340 Tagessätze zu je 21 Euro) verurteilt. Die Hälfte davon bedingt. Den besserverdienenden „Kopfkicker“ verdonnert der Richter wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu 12.000 Euro Geldstrafe, die Hälfte davon ebenfalls auf Bewährung. Seine Anwältin Concin verzichtet auf Rechtsmittel, ersucht jedoch um Ratenzahlung. Anwalt Stieger, Verteidiger der Brüder, erbittet hingegen drei Tage Bedenkzeit.

„Und die Fußballer sagen nur aus, gesehen zu haben, was meine Mandanten schädigt. “

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