Wahldebakel für ÖVP in einstiger Hochburg

Vorarlberg / 27.11.2022 • 19:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die unterlegene Schuster-Burda gratulierte ihrem Konkurrenten. Bisher kamen alle Höchster Bürgermeister aus den Reihen der ÖVP. VN/Stiplovsek
Die unterlegene Schuster-Burda gratulierte ihrem Konkurrenten. Bisher kamen alle Höchster Bürgermeister aus den Reihen der ÖVP. VN/Stiplovsek

Neuer grüner Bürgermeister in Höchst: Übelhör gewinnt Stichwahl.

höchst Die Entscheidung ist gefallen. Für die ÖVP setzte es bei der Bürgermeister-Stichwahl am Sonntag eine herbe Enttäuschung. Jubelnde Gesichter gab es hingegen bei den Grünen. Ihr Kandidat Stefan Übelhör (42) setzte sich mit 53,58 Prozent der Stimmen gegen Vizebürgermeisterin Heidi-Schuster-Burda (ÖVP) durch. „Ich bin gerade sehr überwältigt“, erklärt der neue Bürgermeister in der Höchster Mittelschule, kurz nachdem das Wahlergebnis bekanntgegeben wurde. Schuster-Burda, die auf 46,42 Prozent kam, gratulierte ihrem Konkurrenten. Sie sei natürlich enttäuscht, räumte die 55-Jährige ein. „Doch ich wünsche ihm alles Gute und Freude.“ So sei das eben in der Politik.

Knapper erster Wahlgang

Die Wahlbeteiligung lag bei 53,42 Prozent. Insgesamt waren 6151 Wahlberechtigte dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Stichwahl war notwendig geworden, nachdem im ersten Durchgang vor etwa zwei Wochen keiner der insgesamt vier Kandidaten eine absolute Mehrheit erringen konnte. Die erstplatzierte Schuster-Burda und der zweitplatzierte Übelhör lagen knapp auseinander; sie kamen auf 36,75 beziehungsweise 34,57 Prozent.

Nun triumphierte Übelhör, von der Liste „Höchste Zeit und die Grünen“, bei der Stichwahl doch recht deutlich. Er wird nach Frank Matt in Lochau der zweite grüne Bürgermeister in Vorarlberg. „Ich werde mich behutsam, aber mit aller Kraft an das Amt heranwagen“, versprach der 42-Jährige im Beisein von jubelnden Parteikollegen, darunter Landesrat Daniel Zadra und die Klubchefin im Landtag, Eva Hammerer. Er wolle Brücken bauen, damit in der Gemeinde wieder alle an einem Strang ziehen. Die unterlegene Schuster-Burda sagte zu den VN, dass sie nun vorerst Vizebürgermeisterin bleibe. „Aber wir werden nun intern besprechen, wie es weitergeht.“

Die Gemeindevertretung in Höchst besteht aus 27 Mitgliedern. Nach der Wahl 2020 kam die ÖVP auf 15 Mandate und damit die absolute Mehrheit. „Höchste Zeit und die Grünen“ erzielten sieben, die FPÖ vier und die Neos eines. Einfach dürfte es für den neuen grünen Gemeindechef also nicht werden.

Der langjährige Bürgermeister Herbert Sparr (ÖVP) hatte seinen Rücktritt noch vor der Hälfte der Legislaturperiode bekanntgegeben. Deshalb war eine Wahl nötig geworden. Ende September legte Sparr sein Amt und alle politischen Funktionen nieder. Schuster-Burda übernahm das Bürgermeisteramt interimistisch. Wie auf einem VN-Stammtisch vor dem ersten Wahlgang noch einmal deutlich wurde, brodelte es in der Gemeindepolitik. Insbesondere ärgerten sich die übrigen Parteien über die mangelhafte Kommunikation der ÖVP. Nun stehen die Zeichen auf Veränderung in der Bodenseegemeinde mit ihren rund 8000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Übelhör versprach: „Wir haben Großes vor.“ VN-PEM, RAM

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