Bahnstreik in Vorarlberg: Lange Schulwege und Elterntaxis

Vorarlberg / 28.11.2022 • 14:45 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bahnstreik in Vorarlberg: Lange Schulwege und Elterntaxis
In Dornbirn hielt sich der Ärger in Grenzen. VN/RAUch

Schüler und Eltern arrangierten sich mit dem Bahnstreik am Montag.

Bludenz, Dornbirn Gegen 12.30 Uhr strömen die ersten Schüler aus dem BORG Schoren in Dornbirn. Lange müssen sie nicht auf den Bus warten, der Fahrplan ist eng verzahnt. Auf dem Viehmarkt gegenüber warten einige Eltern mit dem Auto auf den Nachwuchs.

Die ÖBB machte keinen Hehl daraus, warum am Montag kein Zug fuhr. Für die Schüler der HTL Dornbirn und des BORG Schoren fiel die Bahn für den Schulweg flach. <span class="copyright">VN/RAUch</span>
Die ÖBB machte keinen Hehl daraus, warum am Montag kein Zug fuhr. Für die Schüler der HTL Dornbirn und des BORG Schoren fiel die Bahn für den Schulweg flach. VN/RAUch

Unter ihnen Janine Schwörer aus Hohenems. Ihr Sohn (11) kommt gerade mit einem Klassenkollegen im Schlepptau über die Straße. „Ihr müsst mich nicht nach Hause tun, ich kann von euch aus laufen“, bemüht sich dieser nicht zur Last zu fallen. Die 33-Jährige hat die beiden am Morgen bereits zur Schule gebracht. „Es war organisierbar. Ich bin Tagesmutter, da bin ich recht flexibel“, nimmt es Schwörer locker. Zwei Autos weiter wartet eine Mutter aus Meiningen auf die Tochter. Sie muss gleich weiter. „Der Sohn kommt auch gleich nach Hause“, will sie aus Angst vor dem Mittagsverkehr keine Zeit verlieren.

Bahnstreik in Vorarlberg: Lange Schulwege und Elterntaxis
Janine Schwörer konnte sich den Tag organisieren und holte ihren Sohn von der Schule ab. VN/RAUch

Für viele Schüler im Land war der Schulweg am Montag eine Herausforderung. Wer keine Chance sah, rechtzeitig in die Schule zu kommen, galt als gerechtfertigt abwesend und entschuldigt. In der HLW Marienberg habe immerhin eine Mutter angerufen, um ihre Tochter für Montag abzumelden, erklärt man den VN. In der HLW Rankweil stellte man am Montag direkt auf Distance Learning um, blieb damit aber eher die Ausnahme. Andere Schüler klärten direkt mit dem Klassenlehrer, wer kommt und wer zu Hause bleibt.

Auswärts schlafen statt Heimweg

Bahnstreik in Vorarlberg: Lange Schulwege und Elterntaxis
Die Tourismusschülerin Asli Sürmeneli entschied sich, wegen der Bahnstreik in Bludenz zu bleiben. Sürmeneli

„Wir diskutierten am Sonntag in der Klassengruppe, wer alles kommt“, bestätigt Asli Sürmeneli aus Götzis. In der Familie der 19-Jährigen fährt niemand Auto, sie hätte keine Möglichkeit gehabt, in die Tourismusschule nach Bludenz zu kommen. Sie fand eine Mitfahrgelegenheit beim Vater einer ebenfalls in Götzis lebenden Kollegin. Sie bleibt nun für den Montag in Bludenz und schläft bei einer Kollegin. „Es ist kein Weltuntergang, wenn ein Tag lang kein Zug fährt“, nimmt die Götznerin es locker.

45 Minuten Schulweg

Jonas Ströhle und Chadi Abubakarova haben sich mit dem Bahnstreik arrangiert. <span class="copyright">VN/RAUch</span>
Jonas Ströhle und Chadi Abubakarova haben sich mit dem Bahnstreik arrangiert. VN/RAUch

Weniger angenehm hat Jonas Ströhle (16) seinen Schulweg zum BORG Schoren erlebt. „Ich war eine Dreiviertelstunde unterwegs, im Bus musste ich stehen“, erklärt der Götzner in seiner Mittagspause. Von der Sägerbrücke zur Schule ging er dann zu Fuß und kam zu spät. „Mit dem Zug schaffe ich die Strecke in 14 Minuten“, vergleicht er. Für den Heimweg am Abend hat er zumindest eine Mitfahrgelegenheit. „Ich konnte mit dem Bus fahren, mit dem Zug wär ich halt schneller gewesen“, hatte es Chadi Abubakarova (18) neben ihm vergleichsweise einfach, die Fahrt vom Bahnhof Hatlerdorf zum Bahnhof Schoren zu kompensieren.

Auto statt Zug

Eva-Maria Düringer fuhr früh genug mit dem Auto in Bregenz los, um rechtzeitig in Feldkirch zu sein. <span class="copyright"><span class="copyright"></span>Düringer</span>
Eva-Maria Düringer fuhr früh genug mit dem Auto in Bregenz los, um rechtzeitig in Feldkirch zu sein. Düringer

Schüler und Eltern waren natürlich nicht die Einzigen, die sich am Montag anders organisieren mussten. „Wie üblich bin ich sehr früh aufgestanden, dann mit dem Kfz nach Feldkirch“, erklärt Eva-Maria Düringer von der Arbeiterkammer Vorarlberg. Abfahrt war um 05.45 Uhr. „Ich ging deshalb so früh, da ich nicht wusste, wie sich der Verkehr entwickelt und ob ich überhaupt einen Parkplatz finde“, erklärt die Steuerrechtsexpertin. Sie fand dann einen beim Bahnhof. Den Streik spürt sie auch bei den Beratungsterminen, da wurden einige aufs Telefon verlegt. „Auf jeden Fall freue ich mich morgen wieder auf die Zugfahrt, auch wenn der Zug immer sehr voll ist.“

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Beim Land Vorarlberg wurden für den Streikmontag zwar mehr Homeoffice-Tätige angemeldet, aber im überschaubaren Rahmen. So haben diesen Montag 221 Personen im Landesdienst Home Office angemeldet. Vergangenen Montag waren es 186 Landesbedienstete.

Verständnis statt Ärger

Der Ärger auf die ÖBB hält sich insgesamt in Grenzen. „Es ist zum Teil schon blöd, aber ich habe Verständnis“, betont Sürmeneli. Schließlich gehe es um die Gehälter, angesichts der Inflation müsse man da um jeden Cent kämpfen. Ähnlich sieht es auch Schwörer, auch wenn die Lohnverhandlung der Eisenbahner auf hohem Niveau läuft: „Ich habe natürlich Verständnis, sonst kommt man zu nichts.“

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