Mit 120 km/h durchs Ried geflüchtet

Vorarlberg / 30.11.2022 • 22:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte hatte sich vor Gericht für eine Menge von Delikten zu verantworten. Eckert
Der Angeklagte hatte sich vor Gericht für eine Menge von Delikten zu verantworten. Eckert

Lustenauer, der Polizisten im Oktober eine wilde Verfolgungsjagd lieferte, wurde nun verurteilt.

Feldkirch Der 29-jährige am Landesgericht Feldkirch angeklagte Arbeiter hat bereits zwei Vorstrafen, doch die liegen lange zurück. Er ist ein tüchtiger Mitarbeiter einer Firma, allerdings hat er keinen Führerschein.

Dennoch ist er ab und zu mit dem Auto unterwegs. Zuletzt mit zwei verschiedenen, angeblich gefundenen Kennzeichen, wie er behauptet. Den tatsächlichen Besitzern waren sie jedenfalls gestohlen worden. Die Polizei griff ihn auf und stellte ihn auf der Polizeiinspektion Loch­au zur Rede. Anfangs kooperativ, zeigte sich der Befragte zunehmend kratzbürstig, es kam zu einer Rangelei mit den Beamten. Dem Mann mussten Handschellen angelegt werden.

Eine verletzte Beamtin bekommt für ihren Muskelfaserriss und eine aufgeplatzte Lippe vom Gericht 500 Euro zugesprochen. Verteidiger Alexander Wirth betont, dass sein Mandant geistig eingeschränkt sei.

Beeinträchtigt

Als sechsjähriges Kind habe sein Klient einen schweren Unfall gehabt. Mit Kopfverletzungen, die er nur knapp überlebte. Dadurch sei eine gewisse Einschränkung vorhanden, so der Anwalt.

Der junge Mann bekommt nun einen Erwachsenenvertreter, der ihm hilft, den Alltag zu meistern. Im Oktober kam es erneut zu einem Vorfall. Der Lustenauer war wieder ohne Führerschein unterwegs, sein Auto nicht zum Verkehr zugelassen, als zufällig wieder ein Polizeifahrzeug auf ihn aufmerksam wurde. Der junge Mann gab Gas und raste mit teils 120 km/h durchs Ried. Mehrere Dienstfahrzeuge waren im Einsatz, schlussendlich stellte sich eines davon quer. Der wildgewordene Autofahrer erwischte noch das Heck des Polizeiwagens. Dafür wird ihm unter anderem versuchte schwere Körperverletzung vorgeworfen, weil Polizisten in dem Fahrzeug saßen.

Der Beschuldigte hat durch seine Aktionen eine ganze Reihe von Delikten zu verantworten: versuchter Widerstand gegen die Staatsgewalt, schwere Körperverletzung, weil Beamte verletzt wurden, Urkundenunterdrückung und schwere Sachbeschädigung. Aufgrund der beiden bereits vorhandenen Vorstrafen wird eine bedingte Haftstrafe von zehn Monaten verhängt. Dazu 5460 Euro unbedingte Geldstrafe. Außerdem 500 Euro Schmerzengeld für die Beamtin. Und die Polizei wird sich die knapp 13.000 Euro für den Schaden am Dienstfahrzeug auch zurückholen.

Bewährungshelfer angeordnet

Eine Menge Kosten, die nun auf den Arbeiter zukommen. Zur Unterstützung wird Bewährungshilfe angeordnet. Verteidiger Wirth erbittet sich Bedenkzeit, er muss die Sache noch mit seinem Mandanten genau besprechen. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. EC

VN-Bericht vom 17. Oktober 2022.
VN-Bericht vom 17. Oktober 2022.

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