„60 Prozent meines Gehaltes ­würden für die Miete draufgehen“

Vorarlberg / 01.12.2022 • 18:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dominik Brunauer geht davon aus, dass die Mieten steigen werden.
Dominik Brunauer geht davon aus, dass die Mieten steigen werden.

Sebastian Muxel lebt in einer WG, weil es sonst nicht möglich wäre, es sich allein zu leisten.

DORNBIRN Mietpreise sind immer ein Thema. Obwohl sie gefühlt gestiegen sind, versichert der Geschäftsführer der SREAL Immobilien, Dominik Brunauer, dass die Preise in den letzten zwei Jahren konstant geblieben sind. Jedoch auf eine Zeitspanne von zehn Jahren beobachtet, ist ein Anstieg zu verzeichnen.

Konstante Preise

„Wenn man sich anschaut, was derzeit alles passiert, vor allem mit der Inflation, kann ich es mir nicht vorstellen, dass sie sinken werden“, sagt Brunauer. Im Gegenteil: Der Experte geht eher davon aus, dass sie eventuell sogar steigen werden. „Die Mietpreise werden immer dem Index angepasst.“ Auch Nachfrage und Angebot spielen hierbei eine wesentliche Rolle. „Viele warten aufgrund der Kosten mit den Bauprojekten. Der Zuzug nach Vorarlberg ist da, dann müsste man auf vorhandene Wohnungen zurückgreifen. Wenn es davon wenig Angebot gibt, ist es logisch, dass die Preise steigen werden“, erklärt er. Die Mietpreise einzudämmen, so dass sie nicht mehr steigen, sei nur mit einem Universalmietrecht möglich.

Herausforderungen

„Das ist schon lange ein Thema. Dabei wird festgelegt, wie viel zum Beispiel eine Altbauwohnung pro Quadratmeter kosten darf. Somit müsste ein Gesetz verabschiedet werden, damit das umsetzbar gemacht werden kann“, skizziert Dominik Brunauer die Situation. Seit die Kreditrichtlinien im Sommer geändert wurden, gibt es eine hohe Nachfrage nach Mietwohnungen. Aber gerade junge Menschen stellen die Kosten vor extreme Herausforderungen.in Dornbirn etwa teilt sich Sebastian Muxel mit zwei Kollegen eine Mietwohnung. „Es war hauptsächlich eine Geldfrage. Hätte ich mich allein durchgeschlagen und das finanzieren müssen, wäre es sehr schwierig“, sagt der gebürtige Bregenzerwälder, der seit mittlerweile zwei Jahren in Dornbirn wohnt. Dorthin zog es ihn vor allem aus beruflichen Gründen. „Sonst hätte ich zehn Stunden in der Woche im Bus verbracht. Ich habe immer 50 Minuten zur Arbeitsstelle hin und 50 Minuten retour nach Bezau gebraucht.“ Manchmal musste er sogar eineinhalb Stunden fahren.

Theoretisch wäre es machbar, allein zu wohnen, das würde aber viele Einschränkungen mit sich bringen, meint der 20-Jährige. „Es gab mal einen Mitbewohner-Wechsel in der Wohngemeinschaft. Da waren wir eine Zeit lang nur zu zweit und da hatten wir schon einigen Stress, immer die Miete beieinander zu haben“, schildert er. Der junge Mann kennt es auch aus dem Freundeskreis, dass viele mit dem Partner oder der Partnerin zusammenziehen, weil es sich sonst finanziell nicht ausgehen würde. Für junge Menschen sei es generell schwer, diesen Schritt in die Eigenständigkeit zu gehen, nicht nur aufgrund der hohen Mietkosten, sondern auch wegen des niedrigen Einstiegsgehaltes und weil Vermieter meist skeptisch ihnen gegenüber seien. „Vom Gefühl her und laut meiner Umgebung, was ich mitbekommen habe, sind die Preise schon extrem hoch.“ Er ist froh, dass er in einer WG ist: „Wenn wir nicht zu dritt zusammen wohnen könnten, würden 60 Prozent meines Gehalts allein nur für die Miete draufgehen.“ VN-PEM

„Hätte ich mich allein durchgeschlagen und das finanzieren müssen, wäre es sehr schwierig.“

Viele junge Menschen können sich heutzutage allein eine Wohnung kaum noch leisten. VN/steurer
Viele junge Menschen können sich heutzutage allein eine Wohnung kaum noch leisten. VN/steurer

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