„Da ist schon noch einiges zu tun“

Vorarlberg / 01.12.2022 • 22:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
pflege zu hause Viele Angehörige seien erschöpft und suchten zu spät Hilfe.

pflege zu hause Viele Angehörige seien erschöpft und suchten zu spät Hilfe.

Wiesflecker über Quartierssuche, Engagement und Pflege.

schwarzach Auch für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge fehlt es an Unterkünften. 78 befänden sich derzeit in Vorarlberg. Zwei davon seien noch unmündig, also Kinder unter 14 Jahren. Das teilte Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) am Donnerstag bei Vorarlberg LIVE mit. In etwa genau so viele junge Menschen sollten noch aufgenommen werden. „Wir sind gerade dabei, zwei weitere stationäre Einrichtungen auszubauen beziehungsweise zu eröffnen.“ Man sei in Gesprächen mit den Gemeindevorständen, sagte Wiesflecker. „Es geht darum, letztes Personal zu finden, letzte Umbauarbeiten zu vollziehen.“ Die Eröffnungen erfolgen wohl im ersten Vierteljahr 2023. Dann könnten noch einmal 40 Jugendliche aufgenommen werden.

Die Soziallandesrätin führte aus, dass es daneben noch andere Einrichtungen gebe, wie beispielsweise betreutes Außenwohnen oder Patenfamilien. „Aber was die stationären Wohngruppen betrifft, suche noch eine Unterkunft für zwölf Jugendliche.“ Sie wäre sehr froh, wenn sich Interessierte mit entsprechenden Möglichkeiten beim Land melden würden.

Kein Ende des Krieges

Auf die Frage, ob die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung abgenommen habe, antwortet die Grüne-Politikerin: „Unterschiedlich.“ Bei der Aufnahme von Kriegsvertriebenen aus der Ukraine in Privatquartieren sei das Engagement etwas zurückgegangen. „Weil man wahrscheinlich andere Vorstellungen hatte, wie lange sie doch bleiben.“ Der Krieg dauere an. Niemand wisse, wie lange. „Bei der Aufnahme von Asylwerberinnen und Asylwerbern nehme ich schon eine andere grundsätzliche Haltung in der Gesellschaft wahr als in den Jahren 2015, 2016, 2017.“ Möglicherweise müssten Anreize geschaffen werden. „Auch bei den Gemeinden ist das Engagement unterschiedlich.“ Manche würden bei der  Quartierssuche viel tun, andere lehnten sich eher zurück. „Da ist schon noch einiges zu tun.“

Viele Angehörige erschöpft

In dem Interview war auch die Rede von der Pflege zuhause durch Angehörige. „Etwa 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut und gepflegt“, teilte die Landesrätin mit. Auf verschiedenen Ebenen würde angesetzt, zum einen durch den Ausbau der ambulanten Dienste. „Da haben wir auch noch Luft nach oben,  also sprich Hauskrankenpflege insbesondere, auch mobile Hilfsdienste, 24-Stunden-Betreuung, Tagesstrukturen etc.“ Dies sei ihr besonders wichtig, da viele pflegende Angehörige erschöpft seien und zu spät Hilfe in Anspruch nähmen. Entlastung sei wichtig. Hilfe böte sicher auch die zusätzliche Förderung des Bundes. In Zukunft soll es einen Pflege-daheim-Bonus in der Höhe von 1500 Euro geben. Die Landesrätin fügte hinzu: „Es ist vereinbart, dass wir die Förderung der 24-Stunden-Betreuung gemeinsam erhöhen, also Bund, Länder und Gemeinden.“ Sie steige um 16 Prozent.

Bei der Aufnahme von  Asylwerbern nehme ich schon eine andere Haltung in der Gesellschaft wahr als 2015, 2016, 2017.

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