Lebensrettendes Zusammenspiel

Vorarlberg / 04.12.2022 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Erste Hilfe-Kursen wird versucht, Teilnehmern die Angst vor Defis zu nehmen. <span class="copyright">RK</span>
In Erste Hilfe-Kursen wird versucht, Teilnehmern die Angst vor Defis zu nehmen. RK

Landeswarnzentrale will möglichst viele Laien-Defibrillatoren zugänglich machen.

Feldkirch Defibrillatoren, die im Notfall auch von Laien bedient werden können, gibt es seit gut 20 Jahren im Land. Anfangs war die Defi-Landschaft noch vergleichsweise dünn besiedelt. Inzwischen wird die Zahl der verfügbaren kleinen Lebensretter auf rund 1000 geschätzt. Sie hängen in Unternehmen, öffentlichen Gebäuden, Einkaufszentren, Bahnhöfen und bei Liftstationen.

Wichtig für Ersthelfer sind vor allem Defibrillatoren an jederzeit zugänglichen Plätzen. Davon gibt es inzwischen zwar auch viele, aber lediglich 250 verfügen über die erforderliche Zertifizierung. Weitere 180 sind im Defi-Netzwerk eingemeldet, jedoch nicht mittels grünem Logo und gelbem Stern freigeschaltet. Der Rest scheint gar nirgends auf. „Wir hätten aber gerne möglichst viele in der Liste“, sagt Mario Mathies von der Landeswarnzentrale.

Immer mehr Defibrillatoren sind im öffentlichen Raum zu finden.
Immer mehr Defibrillatoren sind im öffentlichen Raum zu finden.

Geht in der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL) ein entsprechender Notruf ein, wird dem Ersthelfer nämlich sofort der nächste Defi-Standort bekanntgegeben. „Ziel ist es, Ersthelfer und Defi so schnell wie möglich zum Patienten zu bringen“, erklärt Rotkreuz-Ausbildungsleiter Andreas Enne. Das erhöht die Chance auf ein Überleben nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand deutlich. Die Rettungskräfte brauchen im Durchschnitt knapp acht Minuten, bis sie vor Ort sind.

Kein Falsch

Fast 13 Prozent der Patienten können laut Enne dank Ersthelfer und Defi-Intervention ins Leben zurückgeholt werden. Allerdings gibt es zwei Hürden. Zum einen würden die Leute oft nicht daran denken, dass ein Defibrillator in der Nähe sein könnte, zum anderen hätten Menschen oft Angst, mit dem Gerät etwas falsch zu machen. Doch das Gegenteil ist der Fall. „Falsch wäre es, nichts zu tun“, wiederholt Andreas Enne, was im Zusammenhang mit Erster Hilfe immer noch und wieder betont werden muss.

Ersthelfer werden nach Alarmierung nicht nur von RFL-Mitarbeitenden über das Telefon angeleitet, auch der Laien-Defi selbst gibt Anweisungen. „Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist Zeit ein sehr wichtiger Faktor“, betont Enne. Mit jeder Minute, in der nicht aktiv am Herzen mittels Druckmassage und Defi interveniert wird, verringert sich die Aussicht, den Zwischenfall einigermaßen gut zu überstehen, um zehn Prozent. Im Rettungsdienst müssen alljährlich rund 250 Wiederbelebungen durchgeführt werden. Knapp 32 Prozent der Patienten kommen noch lebend ins Krankenhaus und haben eine positive Prognose. „Ein guter Wert“, konstatiert Andreas Enne. So wie Mario Mathies hätte aber auch er gerne mehr anerkannte Laien-Defibrillatoren zur Hand.

Infos in RFL-Datenbank

Einer, der sich in diesem Metier ebenfalls auskennt, ist Jürgen Tschenett. Er betreut über 800 Defibrillatoren, die in Betrieben, Gemeinden und immer häufiger an öffentlichen Orten montiert sind. Er arbeitet mit der Landeswarnzentrale auch bei der Erfassung der Defibrillatoren zusammen, um im Einsatz- oder Bedarfsfall den Ersthelfern den nächstgelegenen Defibrillator nennen und zugänglich machen zu können. „Die Standortdaten der Defibrillatoren werden von der Landeswarnzentrale oder mir verifiziert und dann in die RFL-Datenbank eingespielt“, erläutert er. Wird ein Defibrillator verwendet, müssen die Elektroden erneuert werden. Dies zu melden ist Aufgabe des Betreibers. Probleme damit gibt es nicht. „Das funktioniert bestens“, spricht Jürgen Tschenett von einem guten Zusammenspiel.

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