Wann Schnee zur Seltenheit wird

Vorarlberg / 04.12.2022 • 22:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schneesicherheit hat sich von 1000 Meter auf 1500 Meter Seehöhe verschoben.VN/Steurer
Schneesicherheit hat sich von 1000 Meter auf 1500 Meter Seehöhe verschoben.VN/Steurer

Im Rheintal wird es eher zu warm, damit sich eine weiße Pracht länger halten kann.

SCHWARZACH Der Klimawandel findet statt: „In allen Höhenlagen ist die mittlere Jahrestemperatur bereits um ca. zwei Grad gestiegen“, erklärt Susanne Drechsel von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Innsbruck: „Im Sommer fiel die Erwärmung stärker, im Winter etwas schwächer aus.“ Bemerkbar macht sich das dadurch, dass es einerseits immer mehr Tage mit mehr als 30 Grad und andererseits immer weniger Tage gibt, an denen das Thermometer unter null Grad fällt; das sind sogenannte Frosttage. Prognosen zufolge wird sich der Trend in den kommenden Jahren fortsetzen. Was sich naturgemäß auch negativ auf die Schneeverhältnisse auswirken wird.

Randzeiten

Zunächst aber noch einmal zu den Veränderungen, die bereits feststellbar sind. Nicht nur in den Niederungen, also etwa im Rheintal. Sondern auch in den Bergen. „Im meteorologischen Winter von Dezember bis Februar hat sich in größeren Höhenlagen bis jetzt wenig verändert, weil es überwiegend noch kalt genug ist“, sagt ZAMG-Experte Johannes Vergeiner: „In den Randzeiten November bzw. März und April ist es hingegen schon zu deutlichen Rückgängen der Schneedeckendauer und -höhe gekommen.“ Im Mittel komme heute zum Beispiel in Zürs insgesamt um einen halben Meter weniger Schnee zusammen in einem Winter als vor 60 Jahren, wie Drechsel weiter ausführt: Die Anzahl der Tage mit einer signifikanten Schneedecke sei um zehn zurückgegangen. Habe man früher auf rund 1000 Metern Seehöhe eine relativ große Schneesicherheit gehabt, so habe sich die Grenze gegen 1500 Meter verschoben.

Seltener Schnee in Tallagen

Die zukünftige Entwicklung hängt stark von den globalen Treibhausgasemissionen ab, betont Vergeiner: „Wenn wir so weitermachen wie bisher, könnte in Vorarlberg in Tallagen bis zur Mitte des Jahrhunderts um ein Drittel seltener Schnee liegen und bis zum Ende des Jahrhunderts um 90 Prozent seltener. Das bedeutet, dass es dann kaum noch weiß wäre. In Höhenlagen über 1500 Metern würde der Rückgang ein Zehntel bis zur Mitte und ein Viertel bis zum Ende des Jahrhunderts betragen.“ Es müsste schon gelingen, die Emissionen massiv zu reduzieren, damit die Rückgänge deutlich kleiner ausfallen; bis jetzt sind sie global aber noch nicht zurückgegangen.

Abweichungen sind die Regel

Die Rede ist hier immer von Durchschnittswerten. Abweichungen sind die Regel. Hat es einmal viel Schnee, ist das kein Widerspruch zum Klimawandel. Im Gegenteil: „In Zukunft könnte es etwa mehr und vor allem stärkere Winterniederschläge geben, aufgrund höherer Temperaturen aber öfter in Form von Regen als Schnee“, so Vergeiner. Ist es einmal kalt genug, könnten laut Drechsel „in kurzer Zeit noch größere Schneemengen zusammenkommen“.

Schwieriger werden könnte aufgrund der Erwärmung auch die Kunstschnee-Produktion. „Für das Montafon haben wir das untersucht“, berichtet Vergeiner. In Tallagen von 600 bis 800 Metern ist demnach selbst im Hochwinter mit einem Rückgang potenzieller Beschneistunden um 15 Prozent bis zur Mitte des Jahrhunderts zu rechnen. Lediglich in höheren Lagen könnten sie stabil bleiben. JOH

„In allen Höhenlagen ist die mittlere Jahrestemperatur bereits um ca. zwei Grad gestiegen.“

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