Extremrasern wird Auto künftig sofort entzogen

Vorarlberg / 05.12.2022 • 19:04 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gewessler will gegen Extremraser härter vorgehen.APA
Gewessler will gegen Extremraser härter vorgehen.APA

Raserei ist oft Unfallursache, Experten begrüßen Verschärfungen.

Wien, Bregenz „Österreich ist ein Land der Raser“, sagt Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheitsforschung im Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). Bis 4. Dezember diesen Jahres war in Österreich die Hauptunfallursache mit 30 Prozent „Ablenkung“ und auf dem zweiten Platz mit 22 Prozent „nichtangepasste Geschwindigkeit“, sprich Raserei. Konkret gab es in Vorarlberg im Vorjahr laut KFV 169 Unfälle aufgrund von „nichtangepasster Geschwindigkeit“, 210 Menschen wurden verletzt und fünf Personen starben. Österreichweit gab es deswegen 106 Tote, informiert Robatsch.

Geht es nach Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne), soll sich das bald ändern. Bereits vor zwei Jahren hatte sie angekündigt, Autos von extremen Rasern beschlagnahmen zu wollen. Nun ist es soweit. Eine Gesetzesnovelle soll den „Verfall des Fahrzeugs bei rücksichtlosen und gefährlichen Geschwindigkeitsüberschreitungen“ bringen. Das Auto soll also künftig an Ort und Stelle beschlagnahmt werden können, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz.

Sechs Wochen Begutachtung

Im Detail sieht die Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) und des Führerscheingesetzes (FSG) vor, dass Raser, die im Ortsgebiet um mehr als 60 km/h oder außerhalb des Ortsgebiets um mehr als 70 km/h zu schnell fahren, ihr Fahrzeug von der Polizei künftig an Ort und Stelle abgenommen werden kann. Im Anschluss wird durch die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde innerhalb von zwei Wochen entschieden, ob das Auto endgültig entzogen wird. Das Fahrzeug verfällt bei extremen Überschreitungen und Wiederholungstätern sofort. Bei Geschwindigkeitsübertretungen von mehr als 80 km/h innerorts oder 90 km/h außerhalb des Ortsgebiets sollen Lenker bereits beim ersten Vergehen das Fahrzeug verlieren können. Man müsse Extremrasern „die Tatwaffe aus der Hand nehmen, zum Schutz von uns allen“, sagte die Verkehrsministerin. Die Novelle geht nun in eine sechswöchige Begutachtung.

„Sinnvolle Maßnahme“

Robatsch unterstreicht im VN-Gespräch, dass es notwendig ist, strengere Maßnahmen gegen Raser zu setzen. „Wir haben in diesem Bereich in Österreich 41 Getötete pro eine Million Einwohner. Der EU-Durchschnitt liegt bei 45. Deutschland hat 33 und die Schweiz nur 22.“ Der Experte ergänzt: „Mit Geld allein wird man dem Problem nicht Herr.“

Lob und Kritik kommt vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Es handle sich um einen wichtigen Schritt. VCÖ-Experte Michael Schwendinger kritisiert aber die Grenzwerte: „80 km/h zu schnell bedeutet Autobahntempo von 130 km/h im Ortsgebiet. Auch 100 km/h im Ortsgebiet sind derart unverantwortlich, dass eine Beschlagnahme möglich sein sollte.“ VN-jus

Rasen wird in Österreich noch oft als Kavaliersdelikt angesehen. Dabei ist es Unfallursache Nummer zwei.APA
Rasen wird in Österreich noch oft als Kavaliersdelikt angesehen. Dabei ist es Unfallursache Nummer zwei.APA

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