Was es mit dem Barbershop-Boom im Land auf sich hat

Vorarlberg / 05.12.2022 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bahtiyar Altuntas hat seinen Barbershop mitten in der Coronakrise eröffnet. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Bahtiyar Altuntas hat seinen Barbershop mitten in der Coronakrise eröffnet. VN/Steurer

Bahtiyar Altuntas hat vor zwei Jahren einen Barbershop eröffnet. Das Geschäft läuft. Nicht selten stehen die Herrensalons aber auch in der Kritik.

Feldkirch Es ist kurz vor 9 Uhr. Maximilian Simma aus Rankweil hat bereits auf einem der beiden braunen Ledersessel Platz genommen, während Bahtiyar Altuntas Schere und Haartrimmer bereitlegt und den Friseurumhang um Simmas Schultern legt. “Wie immer, lieber Max?”, fragt Altuntas freundlich. “Ja, wie immer bitte.” Der Immobilienmakler ist Stammkunde in Bahtis Barbershop am Feldkircher Schlossgraben und lässt sich alle zwei Wochen einen Haarschnitt verpassen oder den Bart rasieren. “Wenn ich hierherkomme, weiß ich, dass ich am Ende zufrieden bin und die Verläufe gut aussehen. Hier bekomme ich keine 0/8/15-Frisur”, erzählt der 25-Jährige.

Maximilian Simma aus Rankweil ist Stammkunde. Er lässt sich im Barbershop alle zwei Wochen einen Haarschnitt verpassen.
Maximilian Simma aus Rankweil ist Stammkunde. Er lässt sich im Barbershop alle zwei Wochen einen Haarschnitt verpassen.

Barbershops erleben seit geraumer Zeit einen regelrechten Boom. Friseur-Innungsmeister Günther Plaickner schätzt die Zahl der Barbershops im Land auf rund 40, Tendenz steigend. Anders als herkömmliche Friseure sind diese ganz auf die Bedürfnisse von Männern ausgerichtet. “Neben meinem Barbershop gibt es in Feldkirch inzwischen noch fünf andere”, berichtet Bahtiyar Altuntas. An der Konkurrenz stört er sich nicht. Seinen Shop hat er vor rund zwei Jahren mitten in der Coronakrise eröffnet. “Das Geschäft lief trotz lockdownbedingter Schließungen von Beginn an sehr gut. Ich bin froh, dass ich meinen Laden behalten konnte”, freut sich der Feldkircher mit türkischen Wurzeln. Inzwischen beschäftigt er noch einen weiteren Mitarbeiter. Zusammen bedienen sie zwischen 15 und 20 Kunden am Tag.

Auch in Bahti's Barbershop dreht sich die rot-weiß-blaue Stange. Der Barbierpfosten ist das Erkennungszeichen der Barbershops.
Auch in Bahti's Barbershop dreht sich die rot-weiß-blaue Stange. Der Barbierpfosten ist das Erkennungszeichen der Barbershops.

Die Leidenschaft für Haare begleitet Bahtiyar Altuntas schon seit seiner Kindheit. “Als ich bei meiner Mutter auf den Schultern gesessen bin, habe ich mit ihren Haaren gespielt”, erinnert er sich mit einem Schmunzeln. Er sei der Einzige in seiner Familie, der diesen Beruf ergriffen habe. “Alle anderen sind Metzger”, fügt er lachend hinzu.

Bahti nimmt sich für jeden Kunden genügend Zeit.
Bahti nimmt sich für jeden Kunden genügend Zeit.

Nach der Schule entschied er sich für eine Friseurlehre. Viereinhalb Jahre war der 28-Jährige im Barbershop von Gülti Weltfriseure in Dornbirn tätig, bevor er sich mit seinem eigenen Herrensalon selbstständig gemacht hat. Dort bietet er neben Trockenhaarschnitten auch Gesichtshaarentfernung mit Harz und die klassische Nassrasur mit heißer und kalter Kompresse an. “Ich habe Fortbildungen und Friseurmessen in Turin, Düsseldorf, Mailand und London besucht und ein Seminar beim berühmten Barberexperten Josh Lamonaca besucht “, zählt er auf. “Es ist mir wichtig, dass ich immer auf dem neuesten Stand bin und die Trends bei meinen Kunden umsetzen kann.”

"Die Kunden sollen sich bei mir wie zuhause fühlen", sagt der gelernte Friseur.
"Die Kunden sollen sich bei mir wie zuhause fühlen", sagt der gelernte Friseur.

In den vergangenen Jahren habe er zahlreiche Stammkunden gewonnen. “Es kommt aber auch viel Laufkundschaft.” Nicht selten stehen Barbershops aber auch in der Kritik. Die Innung der Friseure kritisiert etwa, dass bei einem Teil der Betriebe Männerhaarschnitte zu sehr geringen Preisen angeboten und dadurch ein fairer Wettbewerb verhindert wird. “Ich verstehe die Kritik”, betont der Friseur, der sich dazu entschlossen hat, keine Dumpingpreise anzubieten. “Wir liegen im mittleren Preissegment. Ich möchte Qualität und einen guten Service bieten. Die Kunden sollen sich bei mir wie zuhause fühlen. Massenabfertigung wie bei manch anderen Barbershops gibt es bei mir nicht”, betont er.

In den vergangenen Jahren habe er zahlreiche Stammkunden gewonnen. "Es kommt aber auch viel Laufkundschaft", erzählt Bahti.
In den vergangenen Jahren habe er zahlreiche Stammkunden gewonnen. "Es kommt aber auch viel Laufkundschaft", erzählt Bahti.

Eine dreiviertel Stunde später ist Maximilian Simmas Haarschnitt fertig, dann wird gewaschen, geföhnt und zum Schluss gestylt. “Ich bin zufrieden, wie immer”, kommentiert der Kunde das Ergebnis und vereinbart am Tresen gleich einen neuen Termin. “In zwei Wochen wieder, Bro?”, fragt Bahti. “Bis in zwei Wochen”.

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