100 Millionen Euro für Selbstbestimmtheit

Vorarlberg / 06.12.2022 • 19:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Persönliche Assistenz unterstützt Menschen mit Behinderung auch in der Freizeit.APA
Persönliche Assistenz unterstützt Menschen mit Behinderung auch in der Freizeit.APA

Die Persönliche Assistenz für Menschen mit Behinderungen wird vereinheitlicht und ausgeweitet.

Wien, Bregenz Es handelt sich um einen wichtigen Schritt, um Menschen mit Behinderungen bei einem selbstbestimmten Leben zu unterstützen: Die Persönliche Assistenz soll vereinheitlicht werden. Bislang sahen sich Betroffene mit einem Fleckerlteppich an Regelungen konfrontiert. Das soll sich nun ändern, wie Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) am Montag verkündete. Dafür sollen in den kommenden beiden Jahren 100 Millionen Euro in die Hand genommen werden. Vorarlberg ist eines jener drei Bundesländer, die ab dem Frühjahr das Pilotprojekt umsetzen werden.

Neue Förderrichtlinie

Die Persönliche Assistenz ist eine ambulante Dienstleistung. Dabei werden Menschen mit Behinderung bei Tätigkeiten begleitet und unterstützt, die sie aufgrund ihrer Behinderung nicht selbst oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand allein ausführen können. „Das ist ein richtungsweisendes Angebot, damit Menschen mit Behinderung gesellschaftlich eingebunden bleiben“, sagt Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP). Vorarlberg habe an der Entwicklung der neuen Kriterien für die Förderung des Unterstützungsfonds für Menschen mit Behinderungen intensiv mitgewirkt, so Rüscher. Das Pilotprojekt wird nun gemeinsam mit Salzburg und Tirol umgesetzt.

Die Persönliche Assistenz sei „essenziell, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können“, betont Rauch. Das System sei aber bislang relativ kompliziert, räumte der Minister ein. Der Bund ist derzeit für die persönliche Assistenz am Arbeitsplatz zuständig, die österreichweit rund 600 Personen in Anspruch nehmen, die Länder für jene in der Freizeit, die mehr als 2000 Menschen in Anspruch nehmen. Auch innerhalb der Bundesländer gibt es unterschiedliche Regelungen. Nun soll eine gemeinsame Anlaufstelle entstehen. Rauch will damit das System mittels einheitlicher Regelungen für Beruf und Freizeit vereinfachen. Voraussetzung sei eine neue Förderrichtlinie, damit die Bundesländer ihre Systeme anpassen können.

Die Nachfrage ist in Vorarlberg jedenfalls größer als die vorhandene Arbeitskraft, berichtet Hannelore Peter. Sie leitetet die Koordination des Vereins Persönliche Assistenz Vorarlberg, die 2010 von Betroffenen ins Leben gerufen wurde. Ziel war es, einen Assistentenpool für vier Bereiche aufzubauen: Alltägliche Grundbedürfnisse, Haushalt, Freizeitaktivitäten und Organisation. 

Dringend notwendig ist neben der einheitlichen Regelung und Ausweiterung auf alle Arten der Behinderung auch eine personelle Aufstockung. 2020 wurden vom Verein 30.313 und im Vorjahr 31.120 Assistenzstunden vermittelt. Für 2022 rechnet Peter mit rund 36.000 Stunden. Diese Zeitangaben spiegeln aber nicht den realen Bedarf wider. „Wir haben momentan etwa 60 offene Anfragen, die wir einfach nicht abdecken können“, sagt Peter. „2021 haben wir 210 persönliche Assistenten im Pool, 2022 nur noch 158. Demgegenüber haben 2021 173 Personen Assistenz in Anspruch genommen und 2022 bereits 205“, sagt Peter. Anfrage und Arbeitskraft driften also auch in Vorarlberg weiter auseinander.  

Assistenten gesucht

Das habe mehrere Gründe. Ein wichtiger Schritt sei jedenfalls, dass die Persönlichen Assistenten im Pilotprojekt künftig arbeits- und sozialversicherungsrechtlich abgesichert werden. Das ermöglicht nun ordentliche Arbeitsverträge. Sehr begrüßenswert ist aus Sicht der Persönlichen Assistenz Vorarlberg zudem, dass der Kreis an Anspruchsberechtigen erweitert wird, und zwar um Menschen mit intellektuellen oder psychischen Beeinträchtigungen. In diesem Bereich wird es notwendig sein, Kriterien zu erarbeiten, um den spezifischeren Anforderungen gerecht zu werden.

„Die Persönliche Assistenz ist für Menschen mit Behinderung essenziell, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.”

Hannelore Peter arbeitet bei der Persön­lichen Assistenz Vorarlberg. PAV
Hannelore Peter arbeitet bei der Persön­lichen Assistenz Vorarlberg. PAV

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