Studie zeigt: Die Spitäler hängen am Tropf

Vorarlberg / 06.12.2022 • 18:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Rund 5000 Beschäftigte der Landeskrankenhäuser wurden für die Studie "Zfrieda schaffa im Krankahus" kontaktiert. <span class="copyright">KHBG</span>
Rund 5000 Beschäftigte der Landeskrankenhäuser wurden für die Studie "Zfrieda schaffa im Krankahus" kontaktiert. KHBG

Beschäftigte in Vorarlbergs Landeskrankenhäusern brauchen verbesserte Rahmenbedingungen.

feldkirch Zum dritten Mal hat die AK Vorarlberg gemeinsam mit der Krankenhaus-Betriebsgesellschaft und dem Zentralbetriebsrat die Arbeitszufriedenheit in den Landesspitälern erfragt. Die letzte Erhebung liegt vier Jahre zurück. Zwischen 2018 und 2022 wütete die Coronapandemie mit all ihren Belastungen. Die Mitarbeiter im Gesundheitswesen haben in den Monaten der Pandemie durchgehalten.

Jetzt zeigt die neueste Befragung, dass immer mehr Beschäftigte in den Landeskrankenhäusern erschöpft sind. AK-Präsident Bernhard Heinzle ortet “dringenden Handlungsbedarf, wenn wir das System der gesundheitlichen Versorgung in den Krankenhäusern nicht gefährden wollen”.

“Von der Pflegeausbildung über Arbeitsplatzgestaltung bis hin zu altersgemäßen und familientauglichen Rahmenbedingungen werden die Landeskrankenhäuser auch in Zukunft wichtige zusätzliche Maßnahmen setzen müssen”, betont der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft, Gerald Fleisch.

Herausfordernde Altersstruktur

Fast 5000 Frauen und Männer arbeiten in den Landeskrankenhäusern, 21 Prozent haben an der Befragung teilgenommen. “Die Personalstruktur zeichnet ein Bild der Überalterung. Im Jahr 2032 werden über 50 Prozent der Beschäftigten über 45 Jahre alt sein”, hält Arbeitswissenschaftler Heinrich Geissler fest. Er hat die Befragung geleitet und ausgewertet.

“In zehn Jahren scheiden über 16 Prozent der Belegschaft aus”, ergänzt AK-Präsident Heinzle. In den nächsten 20 Jahren werden mehr als zwei von fünf der heute Beschäftigten nicht mehr im Dienst sein. “Das schreit förmlich nach einem Generationenmanagement”, betont der Arbeitswissenschaftler Geissler.

In den Augen von AK-Präsident Heinzle unterstreicht das den dringenden Bedarf an Maßnahmen zur Entlastung der Berufsgruppen. Etwa durch Betreuungsangebote für Kinder und übernommene Pflegeverantwortungen sowie verlässliche Dienstpläne sollen Berufe im Gesundheitswesen attraktiver werden.

Bernhard Heinzle: Es herrscht dringender Handlungsbedarf. <span class="copyright">AKV/Hagen</span>
Bernhard Heinzle: Es herrscht dringender Handlungsbedarf. AKV/Hagen

Anwesenheitszwang

Fast die Hälfte der Befragen, 43 Prozent, geht öfter krank zur Arbeit. Der sogenannte Präsentismus – ein Anwesenheitszwang – gilt laut Heinrich Geissler als Gesundheitsrisiko: “Mehr als fünf Tage Anwesenheit trotz Krankheit erhöhen das Risiko von mehr als 30 Tagen Krankenstand.” Die Zahlen der Befragung sind auch für AK-Vizepräsidentin Manuela Auer erschreckend. “Das Personal in den Spitälern ist ausgebrannt, die Motivation am Boden. Nur ihr Engagement und ihr Pflichtbewusstsein den Kollegen und Patienten gegenüber lässt die meisten weitermachen. Immer mehr werfen aber mangels Wertschätzung und Unterstützung das Handtuch”, warnt Auer.

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