Gewalt vor allem in der Partnerschaft

Vorarlberg / 09.12.2022 • 22:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jede dritte Frau in Österreich ist von Gewalt betroffen. APA/Techt
Jede dritte Frau in Österreich ist von Gewalt betroffen. APA/Techt

IfS erwartet Zunahme bei Betretungs- und Annäherungsverboten.

Schwarzach Alle elf Minuten stirbt eine Frau oder ein Mädchen durch die Hand eines Partners oder eines Familienmitglieds. Darauf haben die Vereinten Nationen vor dem Start der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ aufmerksam gemacht. Diese findet am Tag der Menschenrechte heute, am Samstag, ihr Ende. In Österreich hat jede dritte Frau ab dem Alter von 15 Jahren laut einer Befragung der Statistik Austria schon einmal körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Im schlimmsten Fall bezahlt sie mit dem Leben: Heuer zählten die Autonomen Österreichischen Frauenhäuser AÖF bereits 28 Femizide. 

Partner oder Ex-Partner

Die Polizei kann ein Betretungs- und Annäherungsverbot gegen Gefährder aussprechen, wenn ein Angriff auf Leben, Gesundheit oder Freiheit droht oder bereits stattgefunden hat. In Vorarlberg ist das heuer mit Stand 5. Dezember 469 Mal passiert. Das teilt Angelika Wehinger von der Gewaltschutzstelle des Instituts für Sozialdienste (IfS) auf VN-Anfrage mit. Insgesamt sei im Vergleich zum Vorjahr von einer Zunahme der Betretungs- und Annäherungsverbote auszugehen, erklärt Wehinger. Von 1. Jänner bis 31. Dezember 2021 sind den Angaben zufolge nämlich nur unwesentlich mehr, nämlich 475 verhängt worden. „Insgesamt werden im Kontext von häuslicher Gewalt überwiegend Frauen Opfer“, sagt die designierte Leiterin der Gewaltschutzstelle. Sie nennt als Täter vor allem aktuelle Partner oder Ex-Partner. Dazu käme in gewissem Ausmaß auch „Gewalt zwischen den Generationen“, wie Vater gegen Tochter beziehungsweise Sohn gegen Mutter. Das zeigten Zahlen aus dem Vorjahr.

Wird ein Betretungs- und Annäherungsverbot verhängt, muss der Gefährder seit September letzten Jahres eine Gewaltpräventionsberatung absolvieren. Die verpflichtende Täterberatung umfasst sechs Stunden. Mario Enzinger leitet die Gewaltprävention und -beratung beim IfS. Er nennt im Zeitraum vom 1. September 2021 bis 31. August 2022 397 gemeldete Gefährder in Vorarlberg: 253 hätten die Beratung positiv absolviert, in 110 Fällen kam es zu einer Meldung wegen nicht aktiver Teilnahme. 34 seien noch offen gewesen oder der Akt wurde an ein anderes Bundesland abgetreten. Das kommt in Frage, wenn der Gefährder beispielsweise in Tirol seinen Lebensmittelpunkt hat. Auch Enzinger hält fest: „Das Gros der Klienten sind Männer, zu rund 90 Prozent.“

Freiwillige weitere Leistungen

Er hebt von den genannten 397 Personen insbesondere jene 63 hervor, welche sich dazu entschieden hätten, nach dem Pflichtprogramm von sechs Stunden weitere freiwillige Beratungsleistungen in Anspruch zu nehmen. „Vorarlberg nimmt da auch eine Vorreiterrolle ein“, sagt er. Das liege wohl daran, dass das IfS sowohl die vom Bund vorgegebene Beratungsstelle für Gewaltprävention sei als auch den Landesauftrag für Gewaltberatung wahrnehme. Somit muss beispielsweise eine Person, welche die verpflichtenden Gespräche absolviert hat und danach freiwillig weitermachen will, nicht extra den Berater oder die Beraterin wechseln. „Das ist an einer Stelle verortet.“ Das freiwillige weiterführende Angebot kann auf Basis eines Selbstbehalts ermöglicht werden. Ist der Klient etwa wegen Arbeitslosigkeit unfähig zu bezahlen, ist eine Aussetzung möglich. Auf die Frage, ob die sechs Stunden der verpflichtenden Beratung für Gefährder ausreichend seien, meint der Leiter von Gewaltprävention und -beratung, dass sich zumindest jedes Thema ansprechen lasse. „Es ist aber ganz wichtig, dass es ein niederschwelliges Anschlussangebot gibt, für Menschen die freiwillig weitere Beratung in Anspruch nehmen möchten.“ VN-RAM

„Rund 90 Prozent der Klienten bei der verpflichtenden Täterberatung sind Männer.“

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