Ein Leben lang mit Herzblut sozial engagiert

Vorarlberg / 09.12.2022 • 08:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Günther Lutz lädt am 18. Dezember zu seinem 50. Benefizkonzert ins Kulturhaus in Dornbirn. <span class="copyright">Wolfgang Efferl</span>
Günther Lutz lädt am 18. Dezember zu seinem 50. Benefizkonzert ins Kulturhaus in Dornbirn. Wolfgang Efferl

Günther Lutz (78): “Ich weinte mit allen mit”.

Dornbirn Seit seiner Kindheit spielt Günther Lutz (78) Mundharmonika. Der Sohn eines Fabrikarbeiters aus Dornbirn fing auf der Alpe zu musizieren an. Günther erzählt, wie er zum Älpler und Musikanten wurde: „Als Bub half ich gerne bei Bauern aus. Ich wollte unbedingt auf die Alpe. Als ich acht war, ließen meine Eltern mich gehen.“ Sieben Sommer verbrachte der Kleinhirte in den Bergen. „Wenn ich mit dem Vieh auf der Weide war, übte ich mit der Mundharmonika Lieder ein.“ Damals wusste er noch nicht, dass er künftig mit diesem Instrument und seinem Gesang vielen Menschen eine Freude bereiten würde. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre zum Raumausstatter. Günther war es wichtig, „dass ich Geld verdienen kann für Mama“. Schon als Älpler gab er seinen Zahltag an seine Mutter ab, weil er sie unterstützen wollte. „Das Geld abzugeben war meine größte Freude. Mama weinte vor Rührung.“

“Ich musste mitweinen”

Als Geselle führte ihn die Arbeit einmal zum Polizeichef von Bregenz. Dieser sagte zu ihm: „Als großer und freundlicher Mann wären Sie prädestiniert für den Polizeiberuf.“ Intuitiv sprang Günther auf diesen Zug auf und machte eine Ausbildung zum Polizisten. Diesen Schritt bereute er nie. Denn der Polizeiberuf erfüllte ihn. „Ich konnte den Menschen helfen, auch mit meinem Wissen über Gesetze.“ Er gab sein Wissen in seiner Freizeit weiter, machte Schulungen für Senioren, Bergretter und Feuerwehr- und Rettungsleute, vorwiegend zum Thema „Verhalten im Straßenverkehr“.

Das Bild zeigt Günther als Erstkommunikanten.
Das Bild zeigt Günther als Erstkommunikanten.

Als Polizist war er auch mit Verkehrsunfällen konfrontiert. „Das Schwerste ist es, einer Mama zu sagen, dass ihr Kind auf der Straße tödlich verunglückt ist. Da schreit auch dein Herz vor Schmerz. Ich habe mit allen mitgeweint.“ Jedes Opfer, das der Straßenverkehr forderte, war für Günther eines zu viel. „Ich dachte mir: ,Dagegen muss man etwas tun. Man muss aufklären.“‘ In der Folge baute er in Dornbirn mit Herzblut die Verkehrserziehung auf. Günther besuchte Schulen und Kindergärten und ging mit den Kleinen und mit seiner Mundharmonika auf die Straße und zeigte ihnen spielerisch die Gefahren des Straßenverkehrs. Dieses Engagement setzte er in seiner Freizeit bis weit nach seiner Pensionierung im Jahr 2001 fort.

Der Polizist zeigte vielen Kindern die Gefahren, die auf der Straße lauern.
Der Polizist zeigte vielen Kindern die Gefahren, die auf der Straße lauern.

Ende der Siebzigerjahre machte er in Innsbruck eine Ausbildung zum Sport- und Rodeltrainer. Dazu bewog ihn sein Sohn Markus, der ein großes Rodeltalent war. Die Aufenthalte in Innsbruck waren für Günther die Initialzündung für seinen Einsatz für kranke Menschen. Der Familienvater besuchte auf der Onkologie der Kinderklinik ein Mädchen, das er kannte und das an Leukämie erkrankt war. Der Anblick der Kinder auf der Station schockierte ihn. „Ich dachte mir: ,Da musst du Leben reinbringen.‘“ Er griff zu seiner Mundharmonika und spielte den Kindern Lieder vor. Mit seiner Musik brachte Günther die Kinderaugen schlagartig zum Leuchten. Je öfter er auf Besuch kam, umso mehr wuchsen ihm die kleinen Patienten ans Herz. Bei einem seiner letzten Besuche vermisste er das Bübchen aus Südtirol. „Ich fragte ein Mädchen, wo der Simon ist. Da sagte es zu mir: ,Weißt du Günther, der Simon kommt nicht mehr, der ist gestorben. Wir müssen alle einmal sterben.‘“

Als Rodeltrainer trainierte Günther Lutz viele Kinder.
Als Rodeltrainer trainierte Günther Lutz viele Kinder.

Das schwere Schicksal der krebskranken Kinder spornte Günther an, sich für die Krebshilfe zu engagieren. „Den Krebs konnte ich nicht heilen, aber das Leid konnte ich lindern.“ 1991 organisierte er in der Dornbirner Stadthalle sein erstes Benefizkonzert für die Vorarlberger Krebshilfe. Mit den Kastelruther Spatzen brachte er 2000 Menschen in die Halle. „Im Endeffekt konnten mehrere Tausend Euro an die Krebshilfe überwiesen werden“, erinnert er sich an den Beginn seiner Eventarbeit. Heute, mehr als 30 Jahre später, kann Günther auf 50 Benefizkonzerte zurückblicken, deren Erlös sozialen Einrichtungen und Familien in Not zugutekam.

Günther Lutz auf der Bühne, unter anderem mit der deutschen Volksmusiksängerin Margot Hellwig und den Feierabendsängern.
Günther Lutz auf der Bühne, unter anderem mit der deutschen Volksmusiksängerin Margot Hellwig und den Feierabendsängern.

Die Not seiner Mitmenschen ließ ihn nie kalt. Sein Mitgefühl mit leidenden Menschen wurde im Laufe seines Lebens immer noch größer. Vielleicht lag das daran, dass er selbst auch nicht von Schicksalsschlägen verschont geblieben war. 1974 starb seine einjährige Tochter Elke am plötzlichen Kindstod. Der schwerste Gang seines Leben war bei der Beerdigung. “Als ich den kleinen weißen Sarg von der Kirche zum Friedhof trug, zerriss es mir das Herz.” Auch die Scheidung traf ihn schwer. Aus diesem Loch holten ihn die Kinder, denen er die Gefahren der Straße zeigte und das Singen beim Chor der Feierabendsänger. “Das baute mich auf und gab mir die Lebensfreude zurück.” Heute freut es ihn, wenn er Menschen mit seiner Musik eine Freude machen kann, manchmal sogar eine letzte. Er besucht öfters Menschen, die im Sterben liegen. Aus Erfahrung weiß er: “Die Mundharmonika berührt ihr Innerstes.”

Der 78-Jährige blickt zufrieden auf sein Leben zurück: "Ich habe das Richtige gemacht."
Der 78-Jährige blickt zufrieden auf sein Leben zurück: "Ich habe das Richtige gemacht."

Günther Lutz präsentiert am 18. Dezember im Kulturhaus in Dornbirn das 50. Benefizkonzert (von 15 bis 18 Uhr). Kartenvorverkauf bei ihm unter Tel. 0664/3416489. 

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.