“Es gibt Leute, die sich ihr Haustier nicht mehr leisten können”

Vorarlberg / 10.12.2022 • 05:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tierpfleger Benedikt säubert täglich die Hundestation. <span class="copyright">VN/Paulitsch </span>
Tierpfleger Benedikt säubert täglich die Hundestation. VN/Paulitsch

Hohe Energiekosten und Abgabewellen machen dem Tierheim zu schaffen.

Dornbirn Das Tierschutzheim Vorarlberg in Dornbirn-Martinsruh steht derzeit vor zahlreichen Herausforderungen. Nach der Coronakrise machen dem Tierheim nun die hohen Energiekosten zu schaffen.

Marco Milohnic und Hündin Sultana beim täglichen Spaziergang.
Marco Milohnic und Hündin Sultana beim täglichen Spaziergang.

Dazu kommen steigende Futterkosten und ein starken Anstieg an abgegebenen Tieren. “In letzter Zeit bekommen wir vermehrt Anfragen zu Hunden, die abgegeben werden müssen. Wir könnten unsere Hundestation binnen kürzester Zeit zweimal füllen, wenn wir alle Hunde annehmen würden, die man bei uns abgeben möchte”, erzählt Marco Milohnic (39) vom Tierschutzheim Vorarlberg. Derzeit werden dort knapp 30 Hunde betreut, die Warteliste ist lang. Die Gründe für die Abgaben seien vielfältig. “Neben Menschen, die sich unbedacht ein Haustier aus dem Internet anschaffen, überfordert sind oder keine Zeit mehr dafür haben, gibt es auch Besitzer, die sich das Tier einfach nicht mehr leisten können.”

Die Anlage im Tierheim wird täglich gesäubert.
Die Anlage im Tierheim wird täglich gesäubert.

Die steigenden Kosten machen sich im Tierschutzheim auch im täglichen Betrieb bemerkbar. “Ein Tierheim zu betreiben ist ohnehin schon energieintensiv. Ein Tag im Tierheim kostet immerhin 1400 Euro”, informiert der Tierpflegeleiter. Der große Vorteil sei, dass man mit Erdwärme heize. “Auf der anderen Seite haben wir aber einen extremen Verbrauch von Strom und Wasser, vor allem auf der Hundeanlage, die täglich gekärchert und gesäubert werden muss.”

Erste energiesparende Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, berichtet Milohnic. “Sämtliche Beleuchtungen auf der Anlage werden nur dann eingeschaltet, wenn wir sie auch wirklich brauchen. Zudem haben wir auf energiesparende Beleuchtung umgerüstet.”

Tierpflegerin Jasmine beim täglichen Sortieren der Wäsche.
Tierpflegerin Jasmine beim täglichen Sortieren der Wäsche.

Besonders viel Energie verschlingen auch die Industrie-Waschmaschinen, die zwischen 10 und 15 Mal am Tag in Betrieb sind. “Jedes Textil wird aus Hygienegründen bei 90 Grad abgekocht. Da kommt einiges zusammen. Um Strom zu sparen, versuchen wir so viel Wäsche wie möglich zu sammeln und besser zu sortieren”, führt Milohnic aus. Auch Hundefutter wird im Tierheim aus Energiespargründen nicht mehr selbst gekocht und vorrangig auf Trockenfutter gesetzt. “Da versuchen wir mit Trockenfutter kreativ zu werden, das wir mit lauwarmem Wasser mischen.” Trotz der vielen Krisen sei die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung groß. “Wir benötigen viel medizinisches Futtermittel, das sehr teuer ist. Ohne die Unterstützung wäre das schwierig zu finanzieren.”

Die nächste Welle an abgegebenen Tieren befürchtet Marco Milohnic bereits nach den Feiertagen. Um zu verhindern, dass Tiere als unüberlegte Anschaffung unterm Weihnachtsbaum landen und womöglich wieder abgegeben werden, finden im Tierschutzheim Vorarlberg bis Anfang Jänner 2023 keine Vermittlungen statt. “Ein Haustier ist kein Weihnachtsgeschenk”, betont Milohnic.

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