Ehen halten immer besser

Vorarlberg / 11.12.2022 • 20:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bund fürs Leben: Höheres Heiratsalter zeitigt offenbar auch mehr Stabilität. Fotolia/Oberfrank
Bund fürs Leben: Höheres Heiratsalter zeitigt offenbar auch mehr Stabilität. Fotolia/Oberfrank

Expertin sieht in belastenden Zeiten eine Sehnsucht nach Konstanz und Sicherheit.

SCHWARZACH Mitte der 2000er- Jahre wurde in Österreich jede zweite Ehe geschieden. Das waren so viele wie noch nie. Seither halten sie wieder besser, kommt es zu immer weniger Scheidungen. Auch in Vorarlberg ist diese Entwicklung erkennbar. Wobei bemerkenswert ist, dass sie sich trotz all der Turbulenzen seit Beginn der Coronapandemie fortsetzt. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres gab es um elf Prozent weniger Scheidungen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Schlussendlich könnte es auf eine so niedrige Zahl wie seit Jahrzehnten nicht mehr hinauslaufen. „Gerade in belastenden Zeiten sehnen wir Menschen uns nach Konstanz und Sicherheit“, erklärt Veronika Burtscher-Kiene vom Ehe- und Familienzentrum der Diözese Feldkirch.

Das gebe Schutz und sei eine wichtige Ressource, um Herausforderungen bewältigen zu können. Partnerschaften würden einen solchen Schutzraum bilden. Außerdem ortet Burtscher-Kiene „immer mehr Bereitschaft, sich in Krisenzeiten miteinander auseinanderzusetzen“. Man gehe weniger oft den vermeintlich einfachen Weg und trenne sich; „vermeintlich einfach“, weil eine Trennung stets schmerzlich sei.

Für Rudolf Schipfer vom Institut für Familienforschung der Universität Wien ist es noch zu früh für eine fundierte Einschätzung der jüngsten Entwicklung. Er verweist aber auf Untersuchungen, die darüber hinaus erhellend sind. Eine Ursache dafür, dass der Bund fürs Leben verstärkt wieder wirklich für ein solches geschlossen wird, ist demnach das gestiegene Heiratsalter.

Heiratsalter steigt

Einer Langzeitstudie aus den USA zufolge sinkt das Scheidungsrisiko mit jedem Jahr, das die Braut später heiratet, um 0,6 Prozent. Dieser Zusammenhang liege auch für Österreich nahe, wo das Heiratsalter kontinuierlich zunimmt. Betrug es hierzulande 1970 noch eher Anfang 20, so geht es heute Richtung 30 und darüber hinaus. Außerdem bestätigen Untersuchungen, dass die, die sich binden, das immer bewusster tun. Motto: Wenn, dann muss es passen.

Mehr Eheschließungen

Die Zahl der Eheschließungen, die von der Statistik Austria für Vorarlberg ausgewiesen wird, dürfte heuer wieder mehr als 2000 betragen. Bis 2014 war sie deutlich niedriger. Dafür gibt es einen schlichten Grund, wie Schipfer betont: Bis dahin seien nur Eheschließungen in Österreich erfasst worden. „Seit dem Jahr 2015 werden auch Eheschließungen von Personen mit einem Wohnsitz in Österreich einbezogen, die im Ausland stattgefunden haben.“

Ein tieferer Blick in die Datenbank zeigt, dass dies offenbar unabhängig von der Staatsbürgerschaft gerne praktiziert wird. Auch bei Eheschließungen, bei denen beide Partner Österreicher sind, ist die Zahl seit 2015 jedenfalls deutlich höher als bis dahin. JOH

„Partnerschaften können in herausfordernden Zeiten ein wichtiger Schutzraum sein.“

Ehen halten immer besser

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