Die fatale sechste Rakete

Vorarlberg / 13.12.2022 • 22:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die beiden jungen Männer bekennen sich beim Prozess zu keinem der Vorwürfe schuldig. vn/gs
Die beiden jungen Männer bekennen sich beim Prozess zu keinem der Vorwürfe schuldig. vn/gs

Anklage Brandstiftung: Erste Prozessrunde nach Inferno im Kunert-Areal.

Feldkirch In der Silversternacht auf den Neujahrstag 2022 legte ein wütendes Flammeninferno mehrere Produktionshallen beim Industriepark Kunert in Rankweil in Schutt und Asche. Dem Großeinsatz von 17 Feuerwehren folgte ein Schock für die Versicherungen. Gebäude- und Inventarschäden sowie die Betriebsunterbrechung schlugen mit immensen 43 Millionen Euro zu Buche.

Wie sich schon bald herausstellte, lag die Brandursache nicht etwa in einem technischen Defekt. Denn es existiert Videomaterial, auf dem zwei junge Männer zu sehen sind, wie sie vor Ort damals mit Silvesterraketen herumhantierten.

Aus den Männern wurden Tatverdächtige. Die Staatsanwaltschaft Feldkirch konstruierte gegen die beiden österreichischen Staatsbürger im Alter von 20 und 21 Jahren die schwerwiegende Anklage des Verbrechens der vorsätzlichen Brandstiftung. Hinzu kam der Vorwurf der vorsätzlichen Gefährdung von Personen.

Rakete gegen Personen

Staatsanwältin Konstanze Manhart begründet die zweite Anklage bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch wie folgt: „Die beiden Beschuldigten trafen sich und hatten zunächst beim nahegelegenen Kreuzungsbereich vier Raketen auf die Fahrbahn gelegt und sie abgefeuert. Der vierte der Feuerwerkskörper prallte an einer Spurrille ab und hätte dann beinahe eine Personengruppe getroffen.“

Anschließend, so die Staatsanwältin, hätten die beiden noch zwei weitere Raketen abgefeuert, und zwar beim Eingangsbereich des Kunert-Industrieparks.

Nicht geständig

„Die fatale sechste Rakete entzündete schließlich Lagermaterial, was dann zum Großbrand führte“, führt Manhart weiter aus. Die beiden Angeklagten, vertreten von den Rechtsanwälten Alexander Wirth und Martin Brunner, betonen gegenüber Richter Richard Gschwendter: „Nicht schuldig!“ Das mit der „ausgebüxten“ Rakete räumen sie zwar ein, doch habe dabei keinerlei Absicht dahintergesteckt. Die restlichen beiden Silvestergeschosse, von denen eines zum Inferno führte, wollen sie erst gar nicht abgefeuert haben. „Ich habe die Raketen in einen Busch geworfen“, beteuert der Erstangeklagte. Während der eine der beiden versichert, damals vollkommen nüchtern gewesen zu sein, war der andere zu jenem Zeitpunkt zumindest etwas angeheitert. „Mit Whisky, Wodka und Bier“, erinnert er sich. Wo sie die Raketen denn aufgetrieben hätten, will der Richter nun wissen. „Die Raketen sind von meiner elfjährigen Schwester, die sie von den Eltern bekommen hat“, antwortet ein Angeklagter.

Prozess vertagt

Die Verhandlung endet nicht mit einem Urteil. Noch nicht. Die Verteidiger stellten weitere Beweisanträge. Unter anderem muss ein brandschutztechnischer Gutachter geladen werden, worauf der Prozess vertagt wurde.

Nach dem Brand im Kunert Areal zu Neujahr in Rankweil stehen nun zwei Angeklagte vor Gericht. D. Mathis
Nach dem Brand im Kunert Areal zu Neujahr in Rankweil stehen nun zwei Angeklagte vor Gericht. D. Mathis

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