Sexueller Missbrauch: Pensionist vor Gericht

Vorarlberg / 14.12.2022 • 21:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Am Landesgericht Innsbruck wurde der Pensonist im Zweifel freigesprochen.
Am Landesgericht Innsbruck wurde der Pensonist im Zweifel freigesprochen.

Freispruch am Landesgericht Innsbruck für Feriencampleiter (74), gegen den auch in Vorarlberg ermittelt wurde.

Feldkirch, Innsbruck Im August vergangenen Jahres übernahm die Staatsanwaltschaft Feldkirch die Ermittlungen gegen einen Wiener Betreiber von Feriencamps in Vorarlberg, der Steiermark und Tirol für sieben- bis 14-jährige Kinder, der des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und der Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen verdächtigt wird. Der Grund dafür ist, dass die gravierendste Tat, die mehr als 30 Jahre zurückliegt, im Vorarlberger Unterland stattgefunden haben soll.

Es ging damals um einen acht Jahre alten Buben, der von ihm schwer missbraucht worden sein soll. Der Betroffene soll einen Nervenzusammenbruch erlitten haben, dem Vernehmen nach machte ihm das Erlebte noch Jahre später zu schaffen.

Freispruch im Zweifel

Der heute 74-jährige Tatverdächtige stand am vergangenen Dienstag wegen schweren sexuellen Missbrauchs Unmündiger als Angeklagter am Landesgericht Innsbruck. Dem nicht geständigen Pensionisten Mann wurde konkret vorgeworfen, im Sommer 2009 als Feriencamp-Leiter am Achensee einen neunjährigen Buben missbraucht und sich damit zusätzlich des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses schuldig gemacht haben. Er wurde freigesprochen, das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

Es handle sich um einen „Freispruch im Zweifel“, sagte Richter Norbert Hofer in seiner Urteilsbegründung. Es bleibe jedoch ein schaler Nachgeschmack, so der Richter. Im Endeffekt sei das Verfahren wegen „massiver Interventionen“, etwa von Seiten eines Kinderschutz-Vereins, „kaputt gemacht worden“, erklärte Hofer.

Der Verein habe Einfluss auf das mutmaßliche Opfer genommen und dadurch das Verfahren „massiv beeinträchtigt“, hielt der Richter in der Urteilsbegründung fest. Dadurch könne es sein, dass die Erinnerung des heute 22-jährigen Opfers „konstruiert“ worden sei.

„Schwammige Erinnerungen“

In seinem Schlussplädoyer hatte der Staatsanwalt dagegen davon gesprochen, dass die Aussagen des mutmaßlichen Opfers „linear“ gewesen seien. „Widersprüchliche Aussagen gab es aus meiner Sicht jedenfalls nicht“, so der öffentliche Ankläger, der für den Angeklagten einen Schuldspruch im Sinne der Anklage verlangte. Das sah dessen Verteidigerin anders: „Die Erinnerungen sind zum Teil schwammig“. Das mutmaßliche Opfer habe „sicher etwas Unrechtes erlebt“, jedoch „nicht am Achensee und nicht mit dem Angeklagten“.

Der 74-jährige Angeklagte am Dienstag bei der Verhandlung am Landesgericht Innsbruck. Apa/markus Stegmayr
Der 74-jährige Angeklagte am Dienstag bei der Verhandlung am Landesgericht Innsbruck. Apa/markus Stegmayr

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