Erleichterung, aber auch Skepsis

Vorarlberg / 16.12.2022 • 20:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im Personalwohnheim neben dem Landeskrankenhaus Bregenz soll die neue Praxis entstehen. VOL.AT/RAUCH
Im Personalwohnheim neben dem Landeskrankenhaus Bregenz soll die neue Praxis entstehen. VOL.AT/RAUCH

Neuer Standort in Bregenz: Abtreibungsarzt Hostenkamp sieht „großes Fragezeichen“. Bannmeile brauche es.

SCHWARZACH Derzeit führt nur ein Arzt in Vorarlberg Schwangerschaftsabbrüche im Rahmen der Fristenregelung durch. Benedikt-Johannes Hostenkamp hat seine Praxis in Bregenz, will aber im Laufe des kommenden Jahres in Pension gehen. Eine Nachfolgelösung ist dem Land zufolge nun gefunden: Ein neuer Standort soll im Personalwohnheim neben dem Krankenhaus Bregenz entstehen, die VN berichteten. Die Krankenhausbetriebsgesellschaft KHBG vermietet die Räumlichkeiten, betreiben soll sie der Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) als neutraler Anbieter. Während sich die einen zufrieden zeigen, kritisiert Hostenkamp die Vorgangsweise.

Logischer Schritt

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) zufolge haben sich 15 Ärztinnen und Ärzte beim Land gemeldet. Nun würden aks und KHBG auf die Personen zugehen, um ein Konzept auf die Beine zu stellen. „In Zukunft soll eine gynäkologische Praxis entstehen, die Abbrüche vornimmt.“ Eine wichtige Rolle kommt nun also dem aks zu. Schon seit über 50 Jahren unterstütze die aks gesundheit GmbH Kranke in Rehabilitation, Versorgung und Prävention, hielt Geschäftsführer Georg Posch fest. “Seit mehr als zwei Jahren bauen wir Gesundheitszentren da auf, wo Ärztinnen und Ärzte in Vorarlberg fehlen.” Daher sei es ein “logischer Schritt” gewesen, für die Konzeption einer gynäkologischen Ordination in Bregenz angefragt zu werden. Wesentlich sei nun, neutral und nicht wertend, diese Aufgabe zur Umsetzung des geltenden Rechts der Fristenlösung wahrzunehmen. “Wir rechnen mit einem zeitgerechten Start Mitte 2023.”

Wichtig sei, dass es nun ein Angebot im Land gibt – zwar nicht im Spital, aber in der Nähe, betont KHBG-Geschäftsführer Gerald Fleisch. „Betroffene dürfen sich nicht dazu gezwungen sehen, ins Ausland zu gehen.“ Die KHBG stelle die Räumlichkeiten zu Verfügung. Auf die Frage, warum Abbrüche weiterhin nicht in den Krankenhäusern stattfinden, verweist Fleisch auf verschiedene Herangehensweisen. „Im Klinikbetrieb ist es aber sehr schwierig, auch betriebsorganisatorisch.“ Seiner Ansicht nach könne die Anonymität der Betroffenen in einer ausgelagerten Einheit auch besser gewahrt werden.

Lob gab es von den Neos. Die Nachfolge von Hostenkamp sei gesichert, und Frauen hätten weiterhin eine Anlaufstelle für Beratung und medizinische Versorgung im Falle einer ungewollten Schwangerschaft; das sei die Hauptsache, sagt der Abgeordnete Johannes Gasser. Auch Elke Zimmermann (SPÖ) begrüßt die Entwicklung: „Der Kampf für das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und die Frauengesundheit gehören seit jeher zu den wichtigsten Anliegen der Sozialdemokratie.“

Hostenkamp selbst ist kritisch. „Für mich ergibt sich ein großes Fragezeichen.“ Der aks sei laut Satzung nämlich eine präventive Vereinigung. Zudem kritisiert er den Standort bei Babyklappe und Stillcafé. „Dann müssen die Patientinnen etwa an stillenden Müttern vorbeilaufen?“ Zwar ist der Arzt nach wie bereit, bei der Übergabe zu helfen. Doch die Lösung müsse Sinn machen. Hostenkamp verweist auf seine bestehende Praxis. „Man hätte ausgetretene Pfade.“ Dies wäre wohl auch die kostengünstigste Variante gewesen, vermutet er.

Die Ausführungen Rüschers, wonach es auch künftig keine Bannmeile brauche, kann der Arzt ebenfalls nicht nachvollziehen. Sie hatte erklärt, dass die KHBG, die den Standort vom Land gemietet habe, eine Schutzpflicht gegenüber Patienten, Besuchern und Mitarbeitern zukomme. Das Hausrecht eröffne die Möglichkeit, Aktionen von radikalen Abtreibungsgegnern zu untersagen. „Das Hausrecht haben wir auch. Dann stehen die Personen eben auf der Straße davor“, sagt Hostenkamp. „Sie belästigen Patientinnen, verfolgen sie, geben Flyer aus, beschimpfen sie.“ Das Personal habe auch „unschöne Szenen“ erlebt. Um eine Bannmeile komme man nicht, wolle man dies einschränken.

Fristenregelung in Österreich

In Österreich gilt die Fristenregelung. Grundsätzlich besteht auf eine Abtreibung eine Freiheits- oder Geldstrafe, außer sie erfolgt innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft. Später ist es erlaubt, wenn eine ernste Gefahr für die Schwangere besteht, sie jünger als 14 Jahre alt ist oder eine schwere geistige oder körperliche Behinderung des Kindes zu erwarten ist. Kosten werden von der Sozialversicherung übernommen, wenn der Abbruch aus medizinischen Gründen nötig ist.

„Wir rechnen mit einem zeitgerechten Start Mitte des nächsten Jahres.“

Erleichterung, aber auch Skepsis

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