„Die Not wird immer größer“

Vorarlberg / 18.12.2022 • 17:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Mutter von drei Kindern ist immer mit dem Rad unterwegs, auch im Winter. HRJ
Die Mutter von drei Kindern ist immer mit dem Rad unterwegs, auch im Winter. HRJ

Alexandra Hefel hilft Menschen in Notlagen. Denn sie weiß, wie sich Armut anfühlt.

BREGENZ Alexandra Hefel ist da, wenn man sie braucht. Menschen in Not zu helfen, ist für die 41-jährige Bregenzerin nicht nur selbstverständlich, sondern auch ein Bedürfnis. Denn sie weiß wie es ist, wenn es einem schlecht geht.

Jetzt sitzt sie da, legt ihr Handy auf den Tisch, nippt an einem Glas Wasser und beginnt, aus ihrem aufreibenden Alltag zu erzählen, den sie als berufstätige alleinerziehende Mutter von drei Kindern und ehrenamtliche Helferin meistert.

Talentierte Musiker

Alexandra kommt am 26. August 1980 zur Welt und wächst zwischen zwei Brüdern und einer Schwester im Elternhaus in Lauterach auf. Ihre Musikalität fällt schon früh auf – als Fünfjährige lernt sie Cello spielen – und wird dann in der Musikhauptschule intensiv gefördert. Ihr weiterer Bildungsweg führt sie indes in die Wirtschaft. Nach drei Jahren Handelsakademie arbeitet sie als Versicherungskauffrau.

Ab der Geburt ihres ersten Kindes nimmt Alexandra, die inzwischen in Bregenz wohnt, den Mutterschutz in Anspruch. Sohn Jerome kommt 2010 zur Welt, Sohn Raphael 2012, Tochter Jessica 2013. „Alle drei entwickeln sich prächtig“, sagt Alexandra voller Stolz. „Alle drei sind talentierte Musiker.“ Der Älteste spielt Querflöte und Klavier. Raphael hat sich der Gitarre verschrieben, Jessica der Querflöte und dem Saxophon. Jerome und Jessica lernen zudem Musical-Gesang an der Musikschule.

Dabei ist es alles andere als einfach, ihren Kindern all das zu ermöglichen. Insbesondere in der Phase nach der Trennung von deren Vater hat Alexandra mit finanziellen Problemen gekämpft. „Ich hatte nicht einmal genug, um uns mit den nötigen Lebensmitteln zu versorgen.“ Der jungen Mutter blieb damals keine andere Wahl, als sich bei Tischlein deck dich anzustellen. „Das hat mich viel Überwindung gekostet. Ich schämte mich wegen meiner Armut.“

Von Unterstützung seitens des Landes weiß sie zu jenem Zeitpunkt noch nichts. „Dass ich zum Beispiel Anspruch auf Familienzuschuss habe, erfuhr ich erst, als Jessica geboren wurde.“ Dadurch, und seit sie einen Teilzeitjob gefunden hat, ist Alexandra einen Riesenhaufen Sorgen los.

Da gibt es noch die Vorarlberger Hilfsorganisation „Stunde des Herzens“, welche der Alleinerzieherin in der Not zur Seite gestanden ist. „So bin ich jetzt für ‚Stunde des Herzens‘ im Einsatz, indem ich Lebensmittel, Gutscheine und Geld sammle.“

Mittlerweile wird die großherzige Frau täglich von Menschen, die Hilfe brauchen, persönlich kontaktiert. Darunter in Not geratene Mütter, die Nahrungsmittel brauchen, und von Altersarmut Betroffene, vor allem Pensionistinnen, die keine oder nur eine sehr geringe Pension beziehen. Empört stellt Alexandra die Frage: „Wie kann es sein, dass in unserem reichen Land Menschen so existieren müssen?“ Dazu kommt die Scham. „Darum melden sich leider viele Bedürftige nicht selber bei mir, sondern Nachbarn oder Freunde tun das“, bedauert Alexandra, die aufgrund ihrer eigenen Erfahrung Verständnis, aber heute eine andere Einstellung dazu hat: „Nicht von Armut Betroffene müssen sich schämen, sondern jene, die helfen könnten, es aber nicht tun.“

Das größte Problem sei momentan die Energieversorgung. Am dringendsten benötigt werden Holz und Briketts. „Neulich hat eine Firma einer Pensionistin eine Palette Briketts gespendet. Und eine Mutter mit mehreren Kindern bekam von einer Tischlerei zwei Paletten Holz“, erzählt Alexandra.

Zurzeit läuft noch die Weihnachtssammelaktion, die Alexandra über soziale Medien (Facebook, Instagram) bewirbt. Dabei wird sie tatkräftig von ihren Kindern und ihrem Partner unterstützt. „Die Reaktionen sind gewaltig. Bisher wurden sehr viele Lebensmittelgutscheine und auch Bargeld gespendet!“

Noch ein Ehrenamt

Und damit der umtriebigen Frau Hefel ja nicht fad wird, hat sie auch noch ein Ehrenamt im Kinderdorf Vorarlberg übernommen. Seit sechs Jahren betreut sie an einem Wochenende pro Monat zwei Kinder aus einer Familie, die Unterstützung benötigt. „Die beiden gehören schon zu unserer Familie.“

Jetzt aber muss sie heimfahren zu den Kindern. Sagt’s, schwingt sich aufs Fahrrad, und weg ist sie.

„Ich hatte nicht einmal genug, um uns mit den nötigen Lebensmitteln zu versorgen.“

Eine Frau mit großem Herzen: Alexandra Hefel.
Eine Frau mit großem Herzen: Alexandra Hefel.

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