Hilfe für Enkeltrickopfer

Vorarlberg / 18.12.2022 • 21:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stefan Denifl verspricht unbürokratische Hilfe. VN/Steurer
Stefan Denifl verspricht unbürokratische Hilfe. VN/Steurer

Weißer Ring greift Betrogenen wenigstens ein bisschen unter die Arme.

DORNBIRN Er ist zugegebener Weise nicht ganz neu, dennoch fallen vor allem betagte Menschen immer wieder drauf hinein. Wenn sie es erkennen ist die Scham oft groß, man fürchtet als „dumm“ und „naiv“ abgestempelt zu werden. Lieber verschweigt man den finanziellen Schaden.

Das weiß auch Rechtsanwalt Stefan Denifl, der zwei solcher Opfer in seiner Kanzlei beriet. Die Opferschutzeinrichtung „Weißer Ring“ hält nun zumindest ein kleines Trostpflaster für Geschädigte bereit. Mit dem Regelersatzbetrag von 400 Euro erhalten Betroffene zumindest eine kleine Entschädigung.

Oft suchen Täter im Telefonbuch nach hochbetagten Menschen. Vornamen wie Aloisia oder Ambrosius deuten auf Zeiten hin, in denen derartige Namen „modern“ waren. Auch eine 84-jährige Unterländerin wurde Opfer eines hinterhältigen Betrügers. Er rief sie mehrmals an, gaukelte vor, ihr Bruder hätte einen schweren Unfall gehabt und müsse nun eine Kaution von 40.000 Euro bezahlen. Er setzte die Rentnerin unter Druck. Die Frau, die tatsächlich einen Bruder hat, bekam Angst und wollte ihrem Verwandten helfen. Sie wurde angewiesen, mit niemandem darüber zu sprechen, weil die Probleme sonst noch ernster würden. „Sie hob das Geld von ihrer Bank ab und übergab es noch am selben Tag vereinbarungsgemäß einem Mann, der vor ihrem Haus auf die Übergabe wartete. Ist das Geld bereits übergeben, ist es so gut wie aussichtslos, es zurück zu bekommen“, so Rechtsanwalt Denifl. Auch ein zweites Opfer suchte bei Denifl Hilfe. Dieselbe Masche, der Betrag: 4000 Euro.

Kleine Hilfe

Für derartige Fälle und andere Vermögensdelikte gibt es für Senioren einen eigenen Hilfsfond beim „Weißen Ring“, über welchen zumindest ein Teilbetrag an die Geschädigte finanziert werden kann, spendet Denifl Betroffenen ein wenig Trost. Es gibt allerdings Voraussetzungen, erklärt der Dornbirner Anwalt: „Der Betroffene muss über 55 Jahre alt sein. Zudem finanziell bedürftig, es muss sich um Vermögensdelikte handeln. Außerdem ist der Betrag in der Regel mit 400 Euro begrenzt, wobei in Ausnahmefällen auch ein höherer Betrag gewährt werden kann“.

Anzeige wichtig

Denifl rät Betroffenen, derartige Betrügereien auf alle Fälle bei der Polizei zu melden. Beratung kann man sich auch beim „Weißen Ring“ holen. Einmal mehr weißt die Opferschutzeinrichtung darauf hin, sich gar nicht erst auf Gespräche, bei denen es um finanzielle Forderungen geht, einzulassen. Und auf alle Fälle jenen Verwandten zu kontaktieren, der angeblich in Not steckt. Die Möglichkeit, über den „Weißen Ring“ zumindest eine kleine Entschädigung zu erhalten, ist neu und soll Opfern Mut machen, ihre Scham zu überwinden. EC

Immer wieder werden gerade ältere Menschen zum Ziel von Betrügern. Diese geben sich meist per Kurznachricht als Angehörige aus. APA/dpa
Immer wieder werden gerade ältere Menschen zum Ziel von Betrügern. Diese geben sich meist per Kurznachricht als Angehörige aus. APA/dpa

Hilfe unter: office@weisser-ring.at , www.weisser-ring.at; Telefon: 017121405

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