Vorarlbergs Wälder unter Druck

Vorarlberg / 18.12.2022 • 18:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Trockenheit und Borkenkäfer machen der Fichte in Vorarlberg schwer zu schaffen.VN/Serra
Trockenheit und Borkenkäfer machen der Fichte in Vorarlberg schwer zu schaffen.VN/Serra

Klimawandel setzt der Fichte zu: Experte Lexer warnt vor enormen Schäden.

SCHWARZACH Für den Laien mag es zunächst sogar erfreulich klingen, was da mit dem Klimawandel einhergeht: Es wird wärmer und damit verlängert sich auch die sogenannte Vegetationsperiode. Sie setzt sich aus Tagen zusammen, an denen es in der Regel mindestens fünf Grad Celsius hat und die meisten Pflanzen unter diesen Bedingungen gedeihen.

Ende des vergangenen Jahrhunderts war diese Periode in Vorarlberg im Schnitt gut sechs Monate lang. Ende des laufenden Jahrhunderts könnte es sich um sieben oder gar acht Monate handeln. Davon gehen Klimaszenarien je nach Entwicklung der globalen Treibhausgasemissionen aus.

Stressige Phase

Das Problem ist, dass es in dieser Zeit für sehr viele Pflanzen zunehmend stressig werden könnte. Zum Beispiel in heißen Sommer, die noch dazu durch anhaltende Trockenheit gekennzeichnet sind. Das wird auch den Wäldern zusetzen, die gerade hierzulande eine wichtige Schutzfunktion haben.

Wenn es gelingen würde, die Emissionen global zu reduzieren, könnten sich die Veränderungen in Grenzen halten. Im günstigsten Fall würden sie Laien dann kaum auffallen, meint Manfred Josef Lexer, der sich als Professor an der Wiener Universität für Bodenkultur mit dem Wald im Klimawandel befasst. Allein: Die bisherige Entwicklung der Emissionen lasse eher ein Szenario erwarten, bei dem die Veränderungen unübersehbar sind.

„Dann wird es etwa immer wieder Schübe von Baummortalität geben“, so Lexer: „Einerseits wird die Fichte, die heute dominante Baumart, durch Trockenheit zunehmend geschwächt, andererseits können Borkenkäfer-Populationen rasch sehr stark anwachsen. Aktuell kann man zum Beispiel im Oberen Mölltal in Kärnten sehen, was dann passiert: Man sieht große Flächen mit abgestorbenen Fichten oder, wenn sie entfernt worden sind, Kahlflächen.“

Schutz vor Naturgefahren

Wälder schützen vor Naturgefahren wie Erosion, Steinschlag und Lawinen. In Kahlflächen sei dies nicht mehr gegeben. Wenn hier keine Wiederaufforstung gelinge, müsse man verstärkt zu technischen Maßnahmen, wie Lawinenverbauung, greifen, warnt Lexer: „Das kann enorme Ausmaße erreichen, die finanziell selbst Coronahilfen übersteigen. Österreichweit haben wir hunderttausende Hektar Objektschutzwald.“

Ausreichend Niederschlag

Die Gefahr, dass es zu mediterranen Verhältnissen oder einer Versteppung kommt, sieht Lexer nicht für Vorarlberg. Das hat unter anderem damit zusammen, dass die Niederschlagsmengen zumindest übers gesamte Jahr gerechnet groß genug bleiben dürften. Vor diesem Hintergrund erwartet Lexer, dass Regionen, die heute fichtendomminiert sind, „sehr viel bunter und diverser“ werden: „Es wird mehr Laubbäume wie die Buche und Ahorn geben.“ Wobei dieser Wandel auch von Wildtieren und dem Umgang damit abhänge. „Hirsche und Rehe haben einen starken Einfluss auf die Waldentwicklung.“ Stichwort Wildverbiss. joh

„In heute fichtendominierten Regionen wird es viel bunter und diverser werden.“

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