„19 Grad ist auf Dauer unerträglich kalt“

Vorarlberg / 20.12.2022 • 17:45 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„19 Grad ist auf Dauer unerträglich kalt“
Die Heizung in Landesgebäuden wird wieder aufgedreht.VN/Hartmann, VN/Paulitsch, AK/Gorbach

Das Land dreht die Heizung wieder auf. Wie Gemeinden und andere Einrichtungen damit umgehen.

Bregenz, Feldkirch, Frastanz Eigentlich wollte die Vorarlberger Landesverwaltung beim Energiesparen mit gutem Beispiel vorangehen. So wurde die Heizung in den Gebäuden auf 19 Grad heruntergedreht. Die Beschwerden über zu kalte Büros im Landhaus ließen allerdings nicht lange auf sich warten und zeigten schließlich auch Wirkung: Die 19-Grad-Verordnung wurde wieder zurück genommen, die Temperaturen sollen fortan „der Witterung entsprechend nach oben angepasst werden“, wie es in dem neuen Beschluss heißt.

Hubert Diem, Obmann der Personalvertretung, dürfte somit um einige weniger Beschwerdemails bekommen. “Im Herbst wärmte die Sonne noch und hat somit das ein oder andere Büro gewärmt. Damals war außerdem noch von einem Energieengpass die Rede”, erinnert Diem.

Das Thermometer im Landhaus zeigte am Dienstag noch 18 Grad an. Es sollte aber in den kommenden Tagen wieder wärmer werden.
Das Thermometer im Landhaus zeigte am Dienstag noch 18 Grad an. Es sollte aber in den kommenden Tagen wieder wärmer werden.

Seitdem die Temperaturen aber im Minusbereich liegen, habe sich das Problem verschärft. Das Personal sehe nicht ein, warum es in kälteren Räumen arbeiten soll, wenn es ohnehin genug Energie gebe. “In manchen Räumlichkeiten hatte es dann teilweise nur noch 16 Grad”, so Diem. Den Mitarbeitenden des Landhauses wurden neben der frohen Botschaft vor Weihnachten zusätzlich noch einige Energiespartipps an die Hand gegeben. So sollen alle Räume mit einem Thermometer bekommen, um ein Bewusstsein zu schaffen. Der Energieverbrauch soll darüber hinaus über weitere Photovoltaikanlagen kompensiert werden.

Im Landhaus muss man bald nicht mehr bibbern. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Im Landhaus muss man bald nicht mehr bibbern. VN/Paulitsch

In den Gemeinden bleibt es vorerst kühl

Auch für die Gemeinden gab es im Herbst vom Gemeindeverband Handlungsempfehlungen, um in den Gebäuden der öffentlichen Verwaltung Energie einzusparen. Mit Ausnahme der Kinderbetreuungs- und Pflegeeinrichtungen sollten die Büros auf lediglich 19 Grad Celsius geheizt werden.

In Frastanz zum Beispiel beträgt die Temperatur im Gemeindeamt zwischen 19 und 21 Grad. “Wir wollen weiterhin dabei bleiben und drehen die Heizung nicht weiter auf”, sagt Bürgermeister Walter Gohm auf VN-Anfrage.

Walter Gohm, Bürgermeister von Frastanz.<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Walter Gohm, Bürgermeister von Frastanz. VN/Paulitsch

Auch in der Stadt Feldkirch wurden die Regler mit Anfang der Wintersaison auf 19 Grad gestellt. „Die Gebäude reagieren aber unterschiedlich. In manchen hat es wirklich 19 Grad und in anderen 20 oder 21 Grad“, erläutert Christina Connert von der Stadt Feldkirch. Im Gegensatz zum Landhaus sollen die Temperaturen aber auch hier vorerst nicht hochgeschraubt werden. „Wir haben die Einstellung nicht geändert und haben es nicht vor.“

Christina Connert von der Stadt Feldkirch.
Christina Connert von der Stadt Feldkirch.

Auch in Bludenz bleibt man bei den 19 bis 21 Grad. “Selbstverständlich ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden nicht frieren. Die Temperatur kann zu einem gewissen Ausmaß selbst in den Büros gesteuert werden. Das kontrollieren wir nicht, wir versuchen aber zum Energiesparen zu motivieren”, erklärt Bürgermeister Simon Tschann.

Arbeiter- und Wirtschaftskammer

Ähnliches gilt in Einrichtungen wie den Kammern. In der Arbeiterkammer (AK) Vorarlberger etwa wurde die Temperatur mit Beginn der Heizsaison um ein Grad auf 21 Grad gesenkt. „Natürlich haben wir interne Diskussionen, dass das nicht angenehm ist. Aber man kann nicht hergehen und sagen, okay, wir versuchen auch hier unseren Beitrag zu leisten und dann ist alles eitel Wonne“, betont Andreas Lampert, Leiter der Abteilung Zentrale Verwaltung. Um zu schauen, ob die Mitarbeiter das eine Grad weniger überhaupt merken, habe er die Anpassung auch nicht gleich kommuniziert. Dass die Heizung wieder raufgedreht wird, sei bei der Arbeiterkammer im Moment aber kein Thema. „Wir hatten aber auch nie 19 Grad“, ergänzt Lampert. Er habe mit seiner Frau einmal für ein paar Tage privat ausgetestet, wie ist es ist, wenn man bei 19 Grad nur sitzt und mit dem Kopf arbeitet. „Das ist unerträglich kalt auf Dauer. Eine Stunde geht es gut, dann ist fertig““, resümiert der AK-Abteilungsleiter.    

Andreas Lampert, Leiter der Abteilung Zentrale Verwaltung in der Arbeiterkammer Vorarlberg, hat die 19-Grad-Arbeitstemperatur selbst getestet. <span class="copyright">AK</span>
Andreas Lampert, Leiter der Abteilung Zentrale Verwaltung in der Arbeiterkammer Vorarlberg, hat die 19-Grad-Arbeitstemperatur selbst getestet. AK

In der Wirtschaftskammer Vorarlberg gilt laut Herbert Motter von der Presseabteilung ebenfalls die Devise Energie zu sparen. Man habe die Raumtemperatur daher an allen Standorten auf maximal 21 Grad angepasst. „Es geht, aber es ist nicht besonders prickelnd“, schildert Motter. Es gäbe aber auch Mitarbeiter, die nochmals ein Schäufelchen drauflegen wollen und die Temperatur freiwillig auf 19 Grad gesenkt hätten. „Einer der sein Büro wirklich heruntergekühlt hat, ist unser Direktor Christoph Jenny. Da sitzt du wirklich mit der Jacke drinnen“, berichtet der Leiter der Presseabteilung. Zu massiver Kritik wie bei Land sei es bei der Wirtschaftskammer seines Wissens bislang nicht gekommen. Man habe sich halt entsprechend angepasst und sich ein in bisschen wärmer angezogen, so Motter.

„19 Grad ist auf Dauer unerträglich kalt“
„Es geht, aber es ist nicht besonders prickelnd“, sagt Herbert Motter von der Wirtschaftskammer Vorarlberg über die Temperaturbeschränkungen in den Büros.

Die Raumtemperatur im Landesgericht Feldkirch befindet sich ebenfalls am unteren Ende der erlaubten Skala. Der Portier nimmt es mit Verweis auf sein Kämmerchen locker: “Zu kalt ist mir eigentlich nicht”, erklärt Marco Rick aus Übersaxen. Er muss sich aber auch wärmer anziehen und greift auf eine Mütze zurück. Es ziehe doch, wenn die Tür geöffnet wird, meint er. VN-GER, MIH, PEM, SAH

Im Eingangsbereich des Landesgerichts ist es generell immer etwas zugig, weiß Portier Marco Rick. <span class="copyright">VN/Hartmann</span>
Im Eingangsbereich des Landesgerichts ist es generell immer etwas zugig, weiß Portier Marco Rick. VN/Hartmann

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