Den Nachbarn mit der Axt bedroht

Vorarlberg / 22.12.2022 • 22:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte scheint von einer leicht reizbaren Natur zu sein. vn/hartmann
Der Angeklagte scheint von einer leicht reizbaren Natur zu sein. vn/hartmann

In Koblach hängt der Haussegen unter zwei Nachbarn schon seit längerer Zeit schief.

Feldkirch Seit etwa 20 Jahren wohnt der Angeklagte in seinem Eigenheim in Koblach. Am Landesgericht Feldkirch wird dem 45-jährigen Beschuldigten nun vorgeworfen, im April einen Angestellten seiner Nachbarsfamilie mit einer Axt verfolgt und bedroht zu haben. Zudem soll er im Juni von seiner Terrasse einen Stein auf einen der Söhne des Nachbarn geworfen und ihn am Knie erwischt haben.

Provoziert gefühlt

Doch was war die Ursache für diesen Zwist? Im April, so erklärt der Angeklagte vor Gericht, habe er ein Handbeil aus dem Schuppen holen wollen, um Buchenholz zum Räuchern zu zerkleinern. Dabei sah er seinen Nachbarn mit einem Fremden auf der anderen Straßenseite. Was ihn offenbar provozierte, wie der Beschuldigte erklärt: „Die sind dagestanden mit einem Werkzeug in der Hand und haben mir zugerufen. Ich dachte, die wollen Stress machen.“ Nach einem anfänglichen Wortgefecht sei er aber gleich ins Haus gegangen. Außer Beschimpfungen sei an jenem Tag nichts passiert, beteuert er.

Das sieht sein damaliger 29-jähriger Kontrahent und nunmehriger Zeuge vor Gericht aber anders: „Das stimmt nicht. Er ist mit der Axt in der Hand meinem Angestellten nachgerannt“, schildert er den Vorfall. Er habe gesehen, wie der Beschuldigte das Handbeil aus dem Schuppen holte und auf den Kollegen losgegangen sei. „Geräuchert hat er auch nicht, das hätte ich mitbekommen. Da war kein Rauch“, erinnert sich der 29-Jährige zurück. Bezüglich des Vorwurfs mit dem angeblichen Steinwurf im Juni versucht der Angeklagte deutlich zu machen, dass seine Nachbarn wohl zuerst Steine auf seine Terrasse geworfen hätten. „Woher sollte ich denn sonst an einen Stein gekommen sein? Und es war bestimmt auch nicht der Stein auf dem Foto der Polizei. Er war deutlich kleiner“, behauptet der 45-jährige Beschuldigte.

Begonnen habe alles, und da sind sich sämtliche Beteiligten einig, wegen des angeblich widerrechtlichen Abstellens eines Anhängers durch die Zeugen auf dem Grundstück des Angeklagten. „Ich habe den Beschuldigten am Morgen dabei beobachtet, wie er unseren Anhänger wieder verschiebt. Also bin ich runter gegangen und habe den Wagen wieder zurückgestellt“, erklärt ein Zeuge die damalige Situation aus seiner Sicht.

Aussage gegen Aussage

Das habe der Beschuldigte gesehen und sei auf ihn zugegangen. Nach einem kurzen Handgemenge, bei dem niemand zu Schaden gekommen sein soll, habe sich der 45-Jährige in sein Haus zurückgezogen. Als der 29-jährige Zeuge anschließend unter der Terrasse des Beschuldigten vorbeischlenderte, habe dieser gezielt einen etwa acht Zentimeter großen Stein heruntergeworfen und ihn am Knie erwischt, sodass er eine Platzwunde erlitt.

Aktuell steht Aussage gegen Aussage. Ein Urteil kann Richter Theo Rümmele noch nicht fällen, da für die Befragung weiterer Zeugen ein Dolmetscher fehlt. Die Verhandlung wird Ende Januar/Anfang Februar fortgeführt. VN-SAH

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