Wie Häftlinge und Wachebeamte Weihnachten erleben

Vorarlberg / 22.12.2022 • 18:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Herr S. verbüßt derzeit eine einjährige Haftstrafe in der Justizanstalt Feldkirch. <span class="copyright">VN/Fetz</span>
Herr S. verbüßt derzeit eine einjährige Haftstrafe in der Justizanstalt Feldkirch. VN/Fetz

Über 100 Menschen aus verschiedensten Nationen müssen die Feiertage in der Justizanstalt Feldkirch hinter Gittern verbringen.

Feldkirch „Es ist nicht das erste Mal, dass ich Weihnachten hier verbringe. Diesmal fallen die Feiertage halt auf ein Wochenende“, erzählt Herr S. und guckt auf den Tisch vor ihm. Er muss wegen Einbruchs insgesamt ein Jahr Haft verbüßen. Zehn Monate hat er mittlerweile hinter sich gebracht.

Insassinnen der Justizanstalt schmückten die etwa drei Meter hohe Tanne.
Insassinnen der Justizanstalt schmückten die etwa drei Meter hohe Tanne.

„Corona war echt hart“, sagt der Mann mit der weißen Maske, den die Pandemie-Maßnahmen weit mehr beschäftigen als die anstehenden Feiertage. Gerade hatte er Ausgang und muss jetzt aufgrund der noch immer sehr strengen Corona-Regelungen, die für Gefängnisse gelten, einen Mundschutz tragen.

Wir haben Menschen aus verschiedensten Nationen hier und der Gottesdienst ist für alle offen.

Magdalena Nägele, Justizwachebeamtin

Was Weihnachten betrifft, so sei die Stimmung allgemein etwas gedrückter, meint der Gefängnisinsasse. Herr S. ist im gelockerten Vollzug und wenn er einmal zwölf Stunden Freigang hat, dann besucht er seine Familie. Mit seiner Tochter telefoniert er einmal die Woche. „Weihnachten ist für mich nicht auf einen Tag beschränkt. Das kann man ja Ende Februar dann auch noch feiern“, sagt er.

Magdalena Nägele arbeitet seit 13 Jahren in der Justizanstalt Feldkirch.
Magdalena Nägele arbeitet seit 13 Jahren in der Justizanstalt Feldkirch.

Für die Häftlinge ändert sich vom Tagesablauf her auch zu Weihnachten nichts. „Spaziergang, Essen, nach dem Mittag müssen sie in der Zelle sein, dann beginnt für uns an Wochenenden der Nachtdienst und es wird alles versperrt“, erklärt Magdalena Nägele, die seit 13 Jahren in der Justizanstalt als Wachebeamtin arbeitet und schon viele Weihnachtsdienste verrichtet hat.

In der hauseigenen Kirche findet zu Weihnachten ein Gottesdienst statt.
In der hauseigenen Kirche findet zu Weihnachten ein Gottesdienst statt.

Auf dem Programm steht in der Justizanstalt jedes Jahr vor den Feiertagen ein Weihnachtsgottesdienst mit Bischof Benno Elbs, dafür wird die hauseigene Kapelle dekoriert. „Den Baum haben wieder die Insassinnen geschmückt“, berichtet Nägele und blickt in Richtung der rund drei Meter hohen Tanne mit den blauen, weißen und goldenen Kugeln. Daneben gibt es eine Krippe mit einigen Figuren. In den Zellen ist Weihnachtsschmuck aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

Auch eine Krippe wird aufgestellt.
Auch eine Krippe wird aufgestellt.

„Wir haben Menschen aus verschiedensten Nationen hier und der Gottesdienst ist für alle offen“, erläutert die Beamtin und fügt hinzu: „Viele nützen diese Möglichkeit, um einmal mehr aus dem Haftraum herauszukommen und etwas Musik zu hören und Unterhaltung zu haben.“ Ein Geschenk gab es außerdem. Die HLW Feldkirch hat Kekse gebacken und für die Häftlinge Pakete geschnürt.

HLW-Schüler haben Kekse für die Häftlinge gebacken.
HLW-Schüler haben Kekse für die Häftlinge gebacken.

Ansonsten sind keine Geschenke für die Häftlinge erlaubt, auch keine Lebensmittel. „Zu Weihnachten dürfen sie im Geschäft hier in der Justizanstalt mehr einkaufen“, sagt Nägele. Dort gibt es etwa Wurst, Käse, Kaffee, Tee oder Zigaretten.

Besuche sind an Wochenenden nicht erlaubt. Die Pandemie hat den Gefängnisinsassen, was die Kommunikation mit der Außenwelt betrifft, aber zumindest die Möglichkeit zur Videotelefonie beschert. Vor allem Menschen mit Familien im Ausland beziehungsweise weiter Anreise nehmen diese Möglichkeit vermehrt in Anspruch, erzählt die Justizwachebeamtin. Die Gespräche werden naturgemäß genauso kontrolliert wie der Briefverkehr. Weihnachtsbegnadigung gibt es auch heuer in Vorarlberg für keinen der Insassen.

„Der Heilige Abend ist eigentlich ein Tag wie jeder andere“, sagt Nägele. Auch ein spezielles Weihnachtsmenü gibt es für die Insassen nicht. Abends gibt es traditionell eine „Kalte Platte“ für die Häftlinge und die diensthabenden Justizwachebeamten sitzen beim Raclette zusammen, das sie selbst organisieren.

Im Arbeitseinsatz

Nach den Weihnachtsfeiertagen steht auch für Herrn S. wieder arbeiten auf dem Programm. Er erledigt unter anderem Schlosser- und Malerarbeiten für Betriebe oder hilft in der Justizanstalt bei Instandhaltungsarbeiten mit. „Das hier habe alles ich gemalt“, sagt er und schaut sich im Besuchszimmer um.

„Die Zeit vergeht schon schneller beim Arbeiten“, sagt er. Jemand, der die Tage bis zur Entlassung zählt, sei er nie gewesen. „Manche werden hier drin sehr gläubig“, erzählt Herr S. im Hinblick auf das Leben hinter Gittern und dicken Betonmauern und fügt hinzu: „Ich aber nicht.“ Er sei schon mit 18 Jahren aus der Kirche ausgetreten. Die Gründe dafür behält er für sich.

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