Im Dienst, während andere feiern

Vorarlberg / 23.12.2022 • 18:00 Uhr / 11 Minuten Lesezeit
Viele Menschen müssen auch an Heiligabend arbeiten.
Viele Menschen müssen auch an Heiligabend arbeiten.

Zahlreiche Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sind auch am Heiligen Abend fleißig und für andere da.

Schwarzach Während sich viele am Heiligen Abend zum gemeinsamen Essen treffen oder “Stille Nacht” anstimmen, geht es an manch anderem Ort bedeutend weniger idyllisch zu. Und so manche oder manchen ruft der Dienst.

Barbara Moser-Natter ist stellvertretende Leiterin der Telefonseelsorge. <span class="copyright">VN/Fetz</span>
Barbara Moser-Natter ist stellvertretende Leiterin der Telefonseelsorge. VN/Fetz

Unter anderem sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge auch während der Feiertage rund um die Uhr für Menschen da, die Trost benötigen oder ein offenes Ohr suchen. “Oft verdichten sich die Themen gerade an Weihnachten. Es ist ein Fest der Familie, das Menschen manchmal Druck macht”, sagt Barbara Moser-Natter, stellvertretende Leiterin der Telefonseelsorge. Beim “Pannendienst für die Seele” geht es dann oft darum, Situationen zu entschärfen, Ängste zu nehmen oder einfach zuzuhören.

Telefonseelsorge

– Notrufnummer 142 rund um die Uhr

– Chatberatung täglich von 16-23 Uhr

– Mailberatung – Antwort innerhalb 48 Stunden

Weitere Infos unter: www.telefonseelsorge.at

Insgesamt 90 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich in Vorarlberg im Stillen bei der Telefonseelsorge und machen eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit möglich. Unter den Anrufern sind immer wieder sehr einsame Menschen, erzählt eine der Helferinnen, die schon seit Jahren für Menschen in Not im Einsatz ist und schon öfter am Heiligen Abend im Dienst war. Weihnachten sei für manche auch eine Zeit, um Danke zu sagen und mitzuteilen, dass es ihnen wieder gut geht. “Wir bekommen sehr viel positives Feedback.”

Weil Weihnachten nicht für alle ein Fest der Freude und Familie ist, sind auch Mitarbeiter der Caritas für Menschen in Not da. “Manche werden gerade in diesen Tagen merken, dass sie Unterstützung benötigen”, sagt Caritasdirektor Walter Schmolly. Deshalb ist die Caritas an den Feiertagen für jene Menschen da, die kurzfristig Hilfe und Unterstützung suchen.

Caritas an den Feiertagen

Für allgemeine Anfragen und Notfälle ist die Caritas per E-Mail (kontakt@caritas.at) an den Feiertagen erreichbar. 

Die Beratungsstelle Existenz&Wohnen in Feldkirch (Reichsstraße 173; Zugang Ecke Reichsstraße/Wohlwendstraße) hat an allen Werktagen von Montag bis Freitag, jeweils von 8 bis 12 Uhr geöffnet.

Eine erste Beratung und womöglich eine finanzielle Überbrückungshilfe schaffen Entlastung und nehmen den Druck aus der Situation. Es ist selbstverständlich möglich, auch telefonisch mit der Beratungsstelle Kontakt aufzunehmen (T 05522-200 1700) oder über eine Online-Sozialberatung.

Unter der Internet-Adresse www.caritas-wegweiser.at können Hilfesuchende die richtige Stelle für ihre Notlage finden.

Die Notschlafstelle in Feldkirch (Jahnplatz 4, T 05522-200 1200) bietet am Samstag, 24. Dezember, und an allen Sonntagen und Feiertagen rund um die Uhr eine Unterkunft und Übernachtungsmöglichkeit, an den Werktagen ist sie von 16.30 bis 11 Uhr des Folgetages geöffnet.

Das Caritas Café in Feldkirch (Wohlwendstr. 1, T 05522-200 1570, cafe@caritas.at ) hat am Heiligen Abend, 24. Dezember, sowie an den Werktagen von 8.30 bis 14 Uhr für die Besucher*innen geöffnet. Am Heiligen Abend findet auch eine Weihnachtsfeier statt, zu der ganz besonders Menschen, die an den Rändern der Gesellschaft leben, willkommen sind. An Silvester, 31. Dezember, hat das Caritas Café von 8.30 bis 12 Uhr geöffnet.

Straßen sicher machen

Manfred Küng arbeitet seit 16 Jahren bei der Asfinag. <span class="copyright">ASFINAG</span>
Manfred Küng arbeitet seit 16 Jahren bei der Asfinag. ASFINAG

Wenn es an Heiligabend anfängt, zu schneien, steht der Winterdienst schon bereit. Manfred Küng (49), der bereits 16 Jahre bei der Asfinag arbeitet, hat schon oft zu Weihnachten Dienst gehabt. „Ich habe kein Problem damit. Wir müssen dann familiär zusammen mit der Frau den Weihnachtsplan etwas umstellen“, erzählt Küng. Heuer ist er am 24. 12. von 14 bis 22 Uhr auf der A 14 unterwegs. Er erzählt, dass er sich an die Winterdienste angepasst hat. „Ich habe ein Mal Personen, die unterwegs waren, genau am 24. 12. auf der Autobahn abgesichert. Dadurch habe ich ihre Weihnachtsfeier gerettet“, schildert er. Die Menschen haben sich daraufhin via Facebook bei ihm bedankt und ihn als orangen Engel bezeichnet. „Das berührt einen sehr, da weiß man, warum man unterwegs ist. An solchen Tagen und generell in diesem Job, merkt man, dass das, was wir tun, Sinn macht“, betont der 49-Jährige.

Ohne ÖPNV geht es auch nicht

David Grozner (32) übernimmt gerne den Dienst für seine Kollegen. <span class="copyright">VN/PEM</span>
David Grozner (32) übernimmt gerne den Dienst für seine Kollegen. VN/PEM

David Grozner (32) tritt heuer am Heiligabend seinen zweiten Dienst als Busfahrer bei NIGGBUS an. „Ich habe mich freiwillig gemeldet, an dem Tag zu arbeiten“, erzählt er. Seine Familie ist nicht da und da wollte der 32-Jährige seinen Kollegen und Kolleginnen, die Kinder haben, einen Gefallen tun. „Ich opfere mich für sie gerne.“ Er wird von acht Uhr in der Früh bis am Abend die Passagiere durch Vorarlberg fahren. „Letztes Jahr waren nur am Vormittag viele Leute. Am Nachmittag war es eher ruhig“, erinnert sich Grozner. Aber für ihn ist die Verkehrslage wichtiger, denn wenn einiges los ist auf den Straßen, kann es für den Busfahrer stressig werden, vor allem wird es dann schwierig, die Zeiten einzuhalten. „Es ist gut, dass es die Busspuren gibt, sie erleichtern einiges.“

Auf Sektorenstreife an Heiligabend

Simon Markovic arbeitet bereits zum dritten Mal freiwillig an Heiligabend. <span class="copyright">VN/SOHM</span>
Simon Markovic arbeitet bereits zum dritten Mal freiwillig an Heiligabend. VN/SOHM

Die Polizeiinspektion Dornbirn ist am Heiligen Abend mit sieben Beamten besetzt, einer von ihnen ist Simon Markovic (31). Er hat sich bereits zum dritten Mal freiwillig zu diesem Dienst eintragen lassen. „Aus Rücksicht auf die Kollegen, die mit ihrer Familie zu Hause feiern“, sagt der 31-jährige Sulner, der selbst verheiratet ist. „Aber meine Frau verbringt den Heiligen Abend währenddessen mit ihren Eltern, ich hole das Fest mit ihr am nächsten Tag nach.“ Im Übrigen verlaufe der Heilige Abend auf der Dienststelle in sehr kollegialem Rahmen. „Es gibt ein gemeinsames Essen und einen Christbaum haben wir auch im Gemeinschaftsraum“, sagt Markovic. Aus Erfahrung weiß er, dass die Ruhe in der Weihnachtsnacht eine relative ist. „Zu Einsätzen kommt es vor allem wegen psychischer Probleme mancher Bürger. Wir selbst sind während der Nacht mit drei bis vier Streifen zur Sicherheit unterwegs.“

Rettung ist immer da

Sarah Wurzinger tritt ihren dritten Dienst an Heiligabend an. <span class="copyright">Stiplovsek Dietmar</span>
Sarah Wurzinger tritt ihren dritten Dienst an Heiligabend an. Stiplovsek Dietmar

Seit vier Jahren arbeitet Sarah Wurzinger (32) hauptberuflich beim Roten Kreuz, und schon das dritte Mal schiebt sie an Heiligabend Dienst in der Rettungsabteilung Dornbirn. Als die Frage kam, wer am 24. und 31. Dezember arbeiten würde, meldete sich die Hohenemserin freiwillig. „. Für uns ist es ein normaler Arbeitstag“, sagt sie und ergänzt: „Er dauert für mich bis 19 Uhr. Danach kann ich immer noch feiern.“ Sarah Wurzinger mag diesen Dienst: „Es ist insgesamt ruhiger und irgendwie auch ein bisschen feierlich.“

Auch die Dankbarkeit der Menschen, die an diesem Tag ihre Hilfe brauchen, sei spürbarer. Die junge Frau ist heute, Samstag, im Krankenhaus Dornbirn in Bereitschaft, gemeinsam mit einem Notarzt und einem Diplompfleger. Am Vormittag wird noch eine Musikkapelle im Eingangsbereich des Spitals aufspielen. Auch darauf freut sich Sarah Wurzinger, weil die Klänge einen Hauch von Weihnachten vermitteln. Morgen, Sonntag, schiebt sie Bereitschaftsdienst Gesamt sind über die Weihnachtsfeiertage 473 Sanitäter im Einsatz, 383 davon sind Ehrenamtliche. Grundsätzlich verlaufe der Heiligabend ruhiger, die Feiertage indes sind durch den Wintertourismus mit hohen Einsatzzahlen verbunden.

Für Patienten da

Patrick Klamminger ist Krankenpfleger im LKH Rankweil. <span class="copyright">VN/MOHR</span>
Patrick Klamminger ist Krankenpfleger im LKH Rankweil. VN/MOHR

Vor einem Jahr trat Patrick Klamminger (25) seine Stelle als Gesundheits- und Krankenpfleger auf der neurologischen Überwachungsstation des Landeskrankenhauses Rankweil an. Damals ging der Kelch des Weihnachtsdienstes noch an ihm vorüber. Diesmal ist das anders, denn heute, Samstag, heißt es für den Brazer antreten. Zumindest im Tagdienst. „Das ist bei uns gut über ein Punktesystem geregelt“, sagt er. Dennoch würde man sich unter der Kollegenschaft auch absprechen. Ihm ist Dienst an Weihnachten ohnehin lieber. „Dafür habe ich dann an Silvester frei und kann ins neue Jahr feiern“, quittiert der junge Mann diesen für ihn erfreulichen Umstand mit einem fröhlichen Lachen.

Der Dienst an Heiligabend ist ein sogenannter langer Dienst. Das heißt, er dauert bis 19 Uhr. Nach Feierabend wird Patrick Klamminger zu Hause mit seiner Familie das Weihnachtsfest feiern. Am nächsten Tag, dem Christtag, steht ihm ein Nachtdienst ins Haus, beides kein Problem. Meistens senkt sich an solchen Tagen sogar über die Spitäler so etwas wie Weihnachtsruhe.

Fahrer sind gefragt

Alexander Höfer mit seinem Truck. <span class="copyright">VN/Höfer</span>
Alexander Höfer mit seinem Truck. VN/Höfer

Für Alexander Höfer (37) ist über die Weihnachtsfeiertage Arbeit angesagt. Für den Berufskraftfahrer bei Bischof Transporte in Feldkirch ist es ein Wochenende wie jedes andere auch. „Ein Großteil der Lkw zieht seit Montag in Richtung Heimat, nicht aber in der Lebensmittellogistik. Denn wir sorgen dafür, dass die Menschen über die Feiertage wie gewohnt frische Lebensmittel einkaufen können.“

Einen Unterschied gebe es dennoch, sagt Höfer: „Jetzt beginnen für mich die drei schönsten Wochen im Jahr auf der Autobahn, ohne Parkplatzgedränge und Stau und mit kaum Berufsverkehr.“

Wichtig ist es dem Berufskraftfahrer zu betonen, dass Lkw keine Störenfriede sind. „Wenn die Menschen am Dienstag wieder den Kühlschrank auffüllen, sollten sie vielleicht daran denken, wie all die Lebensmittel in die Regale gekommen sind“, so sein Weihnachtswunsch. „Wir bringen, was jeder täglich zum Leben braucht.“

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