Im Todeskampf mit dem Krebs

Vorarlberg / 23.12.2022 • 18:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sabrina Kaufmann kann wieder lachen. Dr. Bernd Hartmann, ihr Arzt und Leiter der Krebshilfe, freut sich mit ihr. VN/Steurer
Sabrina Kaufmann kann wieder lachen. Dr. Bernd Hartmann, ihr Arzt und Leiter der Krebshilfe, freut sich mit ihr. VN/Steurer

Sabrina Kaufmanns Martyrium. Leukämie zwang sie in die Knie, aber nicht auf den Boden.

Frastanz In der Wohnung weihnachtet es. Geschmackvolle Dekorationen, Sternlein und Lichtlein. „Sabrina hatte heuer wieder die Kraft, all das zu machen“, erzählt Mama Helene freudig.

Sabrina Kaufmann sitzt auf der Eckbank. Was der Blutkrebs und die Stammzellenbehandlung angerichtet haben, ist deutlich sichtbar. Ihre Haut hat es zersetzt und geschält, eine Klappe bedeckt ihr rechtes Auge. „Da sehe ich gar nichts mehr, und die Sehkraft des linken Auges ist ebenfalls eingeschränkt. Dem muss ich permanent Flüssigkeit zufügen.“

Fast schon aufgegeben

Und dennoch: Sabrina macht einen glücklichen Eindruck. Selbst der anwesende Leiter der Krebshilfe, Dr. Bernd Hartmann, sekundiert: „Sie hat schon viel schlimmer ausgesehen.“

Die gelernte Einzelhandelskauffrau hat ein Martyrium hinter sich. Zwischen jenem Moment 2019, als der Internist bei einer Gesundenuntersuchung feststellte, dass mit dem Blut etwas nicht stimmt, und der Gegenwart liegt für die 33-Jährige eine Reise gepflastert mit langen Phasen lebensbedrohlicher Zustände und kurzen Hoffnungsschimmern. „Man fand einen Knochenmarkspender. Ich erhielt Spenden, die wiederholt in heftigen Abstoßreaktionen endeten“, beschreibt Sabrina ihren Leidensweg. Sie verlor nicht nur das rechte Auge, sie hatte Wasser in den Lungenflügeln, ihre rechte Körperhälfte wurde stark beeinträchtigt, Arm und Fuß schwollen an und wurden schwarz.

Ein Teufelskreis

Schwächten sich die Abstoßreaktionen ab, kam die Leukämie mit voller Kraft zurück. Ein Teufelskreis. „Ich war am Aufgeben.“ Auch Dr. Hartmann bemerkt: „Die Aussicht, dass man alles noch in den Griff bekommt, war sehr gering.“ Sabrina litt unter extremen Schmerzen. „Sie hatte eine Pumpe mit Schmerzmittel bei sich. Anders hätte sie es gar nicht ausgehalten.“

Und als der Kampf schon verloren schien, kam die Wende. Ein neues Medikament, eine neue Spende führten zu einer unerwarteten Verbesserung von Sabrinas Zustand. Die Leukämie verschwand wieder. „Sie ist derzeit krebszellenfrei. Die Spenderzellen ringen mit dem Körper. Doch vom fast hoffnungslosen Zustand, in dem sich Sabrina noch vor kurzer Zeit befand, ist sie weit weg“, attestiert der Arzt.

Dr. Hartmann kann nicht nur als Mediziner helfen, sondern auch in seiner Funktion als Leiter der Krebshilfe. „,Ma hilft‘ hat dabei unsere Möglichkeiten beträchtlich erweitert. Wir werden Sabrina neben der mediznischen Therapie bald auch psychologische Hilfe außerhalb des Krankenhauses anbieten können“, freut sich der Internist.

Sabrinas Weihnachtswunder

Sabrina freut sich indes auf Weihnachten. Zum Festmal hat sie sich Käsknöpfle gewünscht. Diese wird ihr Mann Günter zubereiten. Sie ist guter Dinge, bald auch wieder an einem gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Sabrina hat ihre Krankheit zwar noch nicht endgültig besiegt, doch die Hoffnung auf ein Leben ohne Krebs und Schmerzen ist wieder da. Ein Weihnachtswunder nur für sie. VN-HK

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