Mit dem CareTable im Alter die Welt wieder neu entdecken

Vorarlberg / 26.12.2022 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dieses Weihnachtsgeschenk bescherte Bettina und Helmut schon viel Abwechslung. VN/Steurer
Dieses Weihnachtsgeschenk bescherte Bettina und Helmut schon viel Abwechslung. VN/Steurer

Erster digitaler Aktivitätstisch für Senioren im Sozialzentrum Wolfurt.

Wolfurt Das war im besten Sinne des Wortes eine wirklich schöne Bescherung. Rechtzeitig zum Weihnachtsfest fand sich ein sogenannter CareTable unter dem Christbaum des Sozialzentrums Wolfurt. „Trotz des knappen Bestelltermins wurde er noch zugestellt“, freut sich Pflegedienstleiterin Wiltrud Oberhofer (54).

Die Begeisterung über die digitale Errungenschaft ist nicht nur bei ihr groß. Auch einige Bewohner haben sich mit dem XXL-Pad bereits angefreundet. „Ein super Gerät“, befindet etwa Helmut Schatz (67). Auch der 21-jährigen Bettina gefällt, was damit möglich ist, nämlich unbegrenzt Spiele spielen. „Das mache ich am liebsten“, verrät sie.

Premiere in Wolfurt

Es gibt aber noch eine Besonderheit. Das Sozialzentrum Wolfurt ist das österreichweit erste Pflegeheim, das sich ein solches Aktivierungstablet zugelegt hat. Bei der Finanzierung der über 8000 Euro teuren Anschaffung halfen Sponsoren. Der Tisch spielt alle Stücke. Er ist höhenverstellbar, das 43-Zoll-Touchdisplay lässt sich stufenlos neigen, und dank Rollen kann der „CareTable“ überall platziert werden.

Noch wichtiger sind jedoch die Inhalte, die er zu bieten hat. „Unsere Bewohnerinnen und Bewohner können beispielsweise die VN in Übergröße lesen oder Spiele wie ‚Mensch ärgere dich nicht‘ spielen. Es sind Gedächtnistrainings anhand von Quizspielen möglich und auch Übungen, die sich problemlos im Sitzen, also auch im Rollstuhl absolvieren lassen“, listet Wiltrud Oberhofer auf.

Was sie am CareTable noch besonders schätzt ist die Möglichkeit, die Bewohner auf Erinnerungsreisen in ihr ehemaliges Daheim mitnehmen zu können, zumal das Seniorenheim mit dem Psychobiografischen Pflegemodell nach Erwin Böhm arbeitet, das die Biografie des Menschen in den Mittelpunkt stellt. „Auf Basis solcher Erinnerungsreisen können sich gute Gespräche entwickeln“, glaubt Oberhofer.

Tablet statt Roboter

Sie ist auf Linkedin, einem sozialen Netzwerk zur Pflege bestehender Geschäftskontakte, auf das CareTable gestoßen. Längere Zeit folgte sie dort dem Gründer von Senexis, Tobias Jecht, bis sie ihn schließlich anschrieb. Die Antwort kam rasch. Ob Interesse bestehe? Wiltrud Oberhofer musste nicht lange überlegen. Sie befasst sich intensiv mit der Digitalisierung in der Pflege auch in Hinblick auf den geplanten Neubau des Pflegeheims. Im Herbst traf sie sich dann mit Jecht bei einer Pflegemesse in Wien. Dem dort ebenfalls vorgestellten Pflegeroboter konnte sie wenig abgewinnen: „Der ist nichts für uns.“

Dafür wurde das Aktivierungstablet ein Thema und blieb es. Jetzt galt es nur noch, die Finanzierung zu organisieren. Mit den Firmen Meusburger, Doppelmayr, LTW und Gebrüder Weiss sowie der Raiffeisenbank am Hofsteig stellten sich gleich fünf Sponsoren ein. Wiltrud Oberhofer ist dankbar: „Gerade in Zeiten wie diesen ist es noch erfreulicher, wenn Menschen bereit sind, für andere einzustehen.“

Einschulung geplant

Das Geschenk kommt jedenfalls an, und Bettina hat es auch schon im Griff. Flink flitzen die Finger der körperbehinderten jungen Frau über das Display. Mit Leichtigkeit holt sie sich beim Spiel einen Punkt nach dem anderen. Helmut widmet sich lieber der Zeitung, ist aber dabei, wenn ihn Bettina bei einem virtuellen Eishockeymatch herausfordert. „Der Tisch aktiviert körperlich und geistig“, erklärt Wiltrud Oberhofer. Damit alle Vorteile den Bewohnern zum Nutzen gereichen, erhalten die Mitarbeiter eine Einschulung, denn: „Sie sollen sich auskennen, um gut anleiten zu können.“ VN-MM

Auch Medien lassen sich mit dem „CareTable“ aufrufen.
Auch Medien lassen sich mit dem „CareTable“ aufrufen.

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