Grüne Flur und weiße Trassen in Vorarlberg

Vorarlberg / 27.12.2022 • 20:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Bergbahnen müssen derzeit die Wintersportler durch grüner Täler auf den weißen Berg ziehen. VN/Haller, werner
Die Bergbahnen müssen derzeit die Wintersportler durch grüner Täler auf den weißen Berg ziehen. VN/Haller, werner

Das Weihnachtsgeschäft ist wichtig für die Vorarlberger Skigebiete. Petrus meint es jedoch nur bedingt gut mit den Seilbahnern.

Schwarzach, Schruns 2020 ist bereits jetzt das drittwärmste Jahr in der 255-jährigen österreichischen Messgeschichte. Blickt man nur auf die Berge, entscheiden die nächsten Tage, ob 2022 das wärmste oder nach 2020 das zweitwärmste Jahr wird. Die spürbare Konsequenz ist der Mangel an Schnee in den Skigebieten.

Besonders drastisch bis skurril zeigt sich dies in den Talabfahrten. So zieht sich am Hochjoch kilometerweit ein weißes Band ins Montafon hinab. Abseits hoch gelegener Bergdörfer liegen die Talstationen jedoch inmitten grüner Wiesen, Skilifte schweben über die grüne Flur in die weiße Höhe hinauf. Alles andere als das Bild, das der Tourismus bieten will.

Genug Schnee

Wenig verwunderlich konzentrieren sich die werbewirksamen Webcams auf die Bergstationen, die auf über 2000 Metern in schneeweiß überzeugen können. Alarmstimmung herrscht im Montafon jedoch keine. „Alle Talabfahrten sind offen“, betont Thomas Ettenberger, Marketingleiter der Silvretta Montafon.

Betten sind gut ausgelastet

Der Silvretta Montafon spielt in die Karten, dass das Skigebiet sich bis weit über 2000 Höhenmeter hinauf erstreckt, dies sichert den Betrieb. „Natürlich würde man lügen, wenn man sagen würde, wir haben massig Schnee“, ist er sich der Situation in den tieferen Lagen bewusst. Bislang könne man den Skibetrieb bis ins Tal sichern. Und die Betten im Montafon sind gut ausgelastet, entsprechend positiv seien die Besucherzahlen im Skigebiet. Den Vorarlberger Seilbahnen hilft zumindest, dass diese Woche mit keinen weiteren Niederschlägen zu rechnen ist. Denn Regen setzt dem natürlichen wie auch dem Kunstschnee zu und greift damit die Pisten an. Im selbst ernannten Naturschnee-Skigebiet im Bregenzerwald, am Diedamskopf, endet die Talfahrt ebenfalls im Grünen.

Etwas optimistisch ist man am Sonnenkopf im Klostertal. In dem auf Naturschnee angewiesenen Skigebiet war bislang kein Wintersport möglich. „Es ist bei uns derzeit so, dass wir einen kleinen Teil der Saisoniers bei der Zubringerbahn einsetzen werden, zusätzlich zur Stammmannschaft“, erklärt Bernd Weitgasser, der Betriebsleiter der Klostertaler Bergbahnen. In der Wartung und Erhaltung wurde einiges vorgezogen, glücklicherweise springe ihm das Saisonpersonal nicht ab. Immerhin hat sich die Schneelage am Sonnenkopf etwas verbessert, eventuell lasse sich in absehbarer Zeit doch noch ein Skibetrieb ermöglichen. „Das Weihnachtsgeschäft kann man nicht mehr aufholen“, weiß Weitgasser jedoch.

Als Naturschnee-Skigebiet ist die Situation nicht neu, dass der Betrieb erst mit Jänner beginnen kann. „Es gibt bei uns auch schon Überlegungen einer Beschneiung“, verweist er auf Versuche von vor etwa zehn Jahren. Doch bereits damals gab es Zweifel, ob Kunstschnee unter 2000 Metern langfristig funktionieren würde. Dies würde außerdem derzeit kaum helfen, bei den Temperaturen funktioniert die Beschneiung oft nur eingeschränkt.

Trocken, aber warm

Die Großwetterlage verändert sich in den kommenden Tagen wenig, vor allem bleibt es für die Jahreszeit viel zu mild. Die Temperaturen erreichen bis zu 14 Grad, hieß es am Sonntag in der Prognose der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). VN-RAU

„Es ist nicht das erste Jahr so. Vor zehn Jahren gab es schon Überlegungen einer Beschneiung.“

Skipiste zieht sich am Montag, 26. Dezember 2022, als weißes Band durch die grüne frühlingshafte Landschaft in Schruns. APA/HUBER
Skipiste zieht sich am Montag, 26. Dezember 2022, als weißes Band durch die grüne frühlingshafte Landschaft in Schruns. APA/HUBER
Grüne Flur und weiße Trassen in Vorarlberg

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