Vater des Wanderwegenetzes

Vorarlberg / 28.12.2022 • 17:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Helmut Tiefenthaler machte sich in hohem Maße um das Land Vorarlberg verdient.
Helmut Tiefenthaler machte sich in hohem Maße um das Land Vorarlberg verdient.

Der verstorbene Helmut Tiefenthaler (81) arbeitete in der Raumplanungsabteilung des Landes.

BREGENZ Am 4. Dezember 2022 starb der Landesbeamte i. R. Dr. Helmut Tiefenthaler (81). Er gehörte über 30 Jahre dem Team der Raumplanungsabteilung des Amtes der Vorarlberger Landesregierung an und machte sich mit seinen außergewöhnlichen fachlichen Kenntnissen, seinem Weitblick und seinem Engagement in besonderem Maße um das Land verdient.

Er darf als der Vater des Vorarlberger Wanderwegenetzes bezeichnet werden. Dieses Wanderwegekonzept umfasst das ganze Land und es wurde von ihm nicht nur konzipiert, sondern vor allem auch gemeinsam mit den Gemeinden und einschlägigen Vereinigungen realisiert. Helmut Tiefenthaler hat sich dabei von den Wegführungen angefangen um jede anstehende Einzelheit gekümmert. Die von ihm entwickelten Grundsätze und Methoden für eine einheitliche Markierung aller Wanderwege waren eine wesentliche Voraussetzung für das Zustandekommen des heute 6000 km umfassenden Wanderwegenetzes in Vorarlberg.

Helmut Tiefenthaler wurde am
4. Mai 1941 in Feldkirch geboren. Er war das ältestes Kind von vier Geschwistern. Trotz Krieg und den damit verbundenen großen Entbehrungen hatte er seine Kindheit als schön und sorglos in Erinnerung. Gerne und viel half er im Lebensmittelladen seiner Mutter.

Die anstrengendste und schwierigste Zeit kam aber nach dem Aufgeben des Ladens, dem frühen Tod des Vaters, der Schichtarbeit in der Schweiz und nebenbei den Vorbereitungen auf die Matura in der Arbeitermittelschule. Anschließend studierte Helmut Tiefenthaler an der Universität Innsbruck Geografie und Geschichte und beschrieb diese Jahre als „lernfrohe Zeit“.

Im Jahre 1972 lernte er in Innsbruck seine Helene kennen, die er 1974 heiratete. Nachdem er eine Stelle in der Raumplanungsabteilung des Amtes der Vorarlberger Landesregierung erhielt, lebten Helene und Helmut Tiefenthaler fortan in Bregenz. 1975 und 1977 kamen seine Töchter Vera und Karin zur Welt, die er als großes Geschenk in seinem Leben empfand.

In seinem Beruf warteten auf Helmut Tiefenthaler große Herausforderungen, zu deren Bewältigung seiner Ansicht nach das Beschreiten neuer Wege erforderlich war. Glücklicherweise arbeitete er in einem engagierten Team, das mutig Neues wagte. Dazu gehörten der Grünzonenplan von 1977, erste Umweltverträglichkeitsprüfungen und Konzepte für Verkehr, Tourismus und Bodenschutz. Von diesem Team konnten viele Umweltsünden verhindert werden. Wichtig war
u. a. die Bewahrung der dörflichen Strukturen im Rheintal.

Kurz vor seinem Pensionsantritt begann er noch das erste Österreichische Wanderwegekonzept und da immer mehr Gemeinden mitmachen wollten, führte er es als Pensionist weiter. Jeder Wegweiser wurde gründlich durchdacht, jede Wanderung meist mehrfach abgegangen, mit Grundbesitzern verhandelt, Zeiten gestoppt. So hat er viele Menschen kennen gelernt und oft gesagt: „Ich dachte immer, ich kenne Vorarlberg, aber immer wieder sehe ich es komplett neu.“ Daraus ergab sich dann auch seine Beschäftigung mit Pilgerwegen, dem Verfassen von Wanderbüchern und wissenschaftlichen Arbeiten. In den letzten Jahren interessierte er sich vor allem für Themen, die bisher keine allzu große Beachtung fanden, wie Friedhöfe, Klostergärten, Wildobst und Bauernhecken. Seine Interessengebiete waren breit gefächert und reichten bis in die Theologie und Spiritualität. Fast täglich besuchte er die Vorarlberger Landesbibliothek.

Sein sorgfältiges Beobachten und Nachdenken, das liebevolle Gestalten von Details und der Genuss, Kleines groß werden zu lassen, wirken weiter. EE

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