Zelte, Hallen oder Ställe?

Vorarlberg / 28.12.2022 • 22:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zelte, Hallen oder Ställe?

Auch heuer wird die Weihnachtszeit wieder von Herbergssuche geprägt. Während wir in der Kirche die Geschichte von der Geburt im Stall von Bethlehem hören, diskutiert die Politik lieber darüber, wie man jene loswerden kann, die auf der Suche nach einer Unterkunft in Europa sind.

Politiker verschiedener Couleur hantieren da gerne mit alarmierenden Zahlen. 100.000 seien es schon. Und wenn das nicht reicht, um die Bevölkerung in Kindberg oder sonstwo auf die Barrikaden gegen die nächste Asylunterkunft zu treiben, dann reisen Leute wie Herbert Kickl auch gerne persönlich an, um Stimmung zu machen.

Da die Stimmung im Lande eben so ist, wie sie ist, haben die meisten auch gar nicht vor, in Österreich zu bleiben.

Die meisten Flüchtlinge kommen nach wie vor aus Afghanistan und aus Syrien. Also aus Ländern, in denen für jeden sichtbare Fluchtgründe aller Art existieren. Und deshalb werden auch die meisten ihrer Asylanträge angenommen, ganz anders, als die jener Menschen, die wohl in erster Linie hierherkommen, um Arbeit zu finden, ob aus dem Kosovo oder aus Indien. Die könnte der österreichische Arbeitsmarkt zwar gut gebrauchen, aber da Österreich wider alle Vernunft keine ernsthafte Einwanderungspolitik betreibt, versuchen sie es eben auf anderem Wege. Und da die Stimmung im Lande eben so ist, wie sie ist, haben die meisten auch gar nicht vor, in Österreich zu bleiben und sich hier nützlich zu machen, sondern wandern weiter. Wirklich belastbare Zahlen darüber, wie viele Menschen tatsächlich gekommen und geblieben sind, gibt es nicht. Sie würden für populistische Demagogie wohl auch nicht taugen. Die Zahl der Menschen, die als Asylwerber*innen eine Grundversorgung durch den österreichischen Staat erhalten ist dieses Jahr tatsächlich nur um etwa 4000 auf ca. 21.000 gestiegen, gegenüber 27.000 vor wenigen Jahren. Als der auch damals schon knurrende Innenminister übrigens noch Herbert Kickl hieß.

Die meisten, die heute von uns allen gemeinsam unterstützt werden sind allerdings Flüchtlinge aus der Ukraine, die ohne Asylverfahren hierbleiben dürfen. Und das ja auch zu Recht, denn die Solidarität mit ihnen ist tatsächlich zum Lackmustest für die Europäische Union geworden. Während die EU die größte Herausforderung seit ihrer Gründung zu bestehen hat, scheint das einzige europäische Projekt, das die meisten österreichischen Politiker interessiert, allerdings der Bau einer Mauer rund um die Festung Europas zu sein. Wirtschaftlich hätte Europa damit immerhin eine Zukunft – als gut gesichertes Museum für chinesische Touristen.

Hanno Loewy

hanno.loewy@vn.at

Hanno Loewy ist Direktor des ­Jüdischen Museums in Hohenems.

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