Harald Walser

Kommentar

Harald Walser

Genug der Worte!

Vorarlberg / 01.01.2023 • 18:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Beginnen wir das neue Jahr mit einer guten Nachricht: Der Weltklimarat hält die Erreichung der Klimaziele − vor allem die Beschränkung des globalen Temperaturanstiegs auf maximal 1,5 Grad − noch immer für machbar. Die Voraussetzung dafür: politische Wille und jenen Mut, den wir den Verantwortlichen als Neujahrswunsch wünschen. Immerhin ging in Österreich im vergangenen Jahr einiges in die richtige Richtung: Klimaticket, Fördermaßnahmen für alternative Energiegewinnung, E-Mobilität oder Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

Doch das alles ist bei weitem nicht ausreichend. Im VN-Interview hat kürzlich Renate Christ, viele Jahre Leiterin des UN-Weltklimarats und für die UNO in Nairobi tätig, darauf hingewiesen.

Leider auch „Bad News“

Damit wären wir dann leider bei den schlechten Nachrichten, denn jahrzehntelang wurde ein Umsteuern in der Energiepolitik verabsäumt. Das rächt sich jetzt massiv. Jene, die für die Abhängigkeit von ausländischen Energielieferanten verantwortlich sind, erklären uns heute, dass konsequente Maßnahmen zwar notwendig seien, aber − leider, leider − gerade jetzt nicht machbar.

Sie betreiben daher ein „weiter so wie bisher“. Ein Beispiel dafür ist die massive Erhöhung der Pendlerpauschale im letzten Jahr. Natürlich muss jenen, die täglich zum Arbeitsplatzt pendeln müssen und nicht auf Öffis umsteigen können, geholfen werden. Aber das bitte mit einem kilometerabhängigen Zuschuss. Von der jetzigen Maßnahme aber profitieren jene mit spritfressenden SUVs viel stärker. Da werden auch Temperaturen an die 20 Grad zum Jahreswechsel nicht viel Einsicht bringen.

Und Vorarlberg?

Wer an der völlig überdimensionierten Feldkircher Tunnelspinne oder für die S18 an der CP-Variante festhält, hat nichts gelernt. Dort müssen wir vor den nachfolgenden Generationen für eine kurze Strecke mit 25 Hektar den größtmöglichen Bodenverbrauch verantworten, von den gigantischen Kosten gar nicht zu reden. Zudem sind schnelle Lösungen für die verkehrsgeplagte Bevölkerung im Raum Lustenau-Höchst-Bregenz nicht in Sicht, etwa eine kurze „Tunnel-Variante“ oder viele rasch umsetzbare kleine Maßnahmen. Die CP-Variante wäre ja laut offiziellen Angaben erst in 20 Jahren verwirklicht.

Wer Verantwortung für Kinder und Enkel wahrnimmt, braucht den Mut, neue Wege zu beschreiten. Das wären wirklich nachhaltig gute Nachrichten für das Klima! Wer den bedrohten Planeten retten will, sollte außenpolitisch zudem bedenken, dass das ohne Russland und China nicht möglich sein wird.

Statt jugendliche Aktivisten, die in ihrer Verzweiflung über die Untätigkeit in Sachen Klimaschutz zu radikalen Mitteln wie dem Festkleben auf Straßen greifen, allen Ernstes mit Terroristen zu vergleichen, sollte man ihr berechtigtes Anliegen ernst nehmen. Den politisch Verantwortlichen sei es mit Johann Wolfgang von Goethe ins Stammbuch geschrieben: „Der Worte sind genug gewechselt, lasst (uns) auch endlich Taten sehn!“

„Wer Verantwortung für Kinder und Enkel wahrnimmt, braucht den Mut, neue Wege zu beschreiten.“

Harald Walser

harald.walser@vn.at

Harald Walser ist Historiker, ­ehemaliger Abgeordneter zum ­Nationalrat und AHS-Direktor.

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