Immer mehr Übergewichtige

Vorarlberg / 02.01.2023 • 21:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
19,6 Prozent der jungen Männer galten zuletzt als übergewichtig.Symbol/APA
19,6 Prozent der jungen Männer galten zuletzt als übergewichtig.Symbol/APA

Bei Stellungspflichtigen zeigt sich Pandemiefolge: Arzt sieht Verhältnisse wie in den USA.

SCHWARZACH Auf den ersten Blick wirken die Daten zum „Gesundheitszustand“ Stellungspflichtiger, die die Statistik Austria unter diesem Titel führt und gerade aktualisiert hat, erfreulich. Der Raucheranteil geht zurück. Nur noch eine Minderheit der jungen Männer aus Vorarlberg greift zur Zigarette. Etwas anderes ist jedoch alarmierend: Das durchschnittliche Körpergewicht ist in zwei Jahren um rund zwei Kilogramm gestiegen. Ein Zusammenhang mit der Coronapandemie ist naheliegend.

Raucher

Vor 20 Jahren hat noch gut die Hälfte der Stellungspflichtigen geraucht. Das hat das Bundesheer im Rahmen der Musterung festgestellt. Beim jüngsten Geburtsjahrgang, der an der Reihe war (2003), handelte es sich nur noch um 17,7 Prozent. „Das ist eine Folge gesetzter Maßnahmen“, meint der Dornbirner Kinderarzt Harald Geiger: „Es könnten noch weniger sein, ist aber ein schöner Erfolg.“ Maßnahmen wie das Rauchverbot in der Gastronomie wirken ganz offensichtlich: Es gibt weniger Gelegenheiten, und es wird daher auch weniger geraucht. Nicht zuletzt an den Schulen: „Als ich noch Schüler war, hat man auf dem Schulplatz noch rauchen dürfen“, erinnert sich Landesschularzt Tobias Lingenhöle: „Das geht jetzt nicht mehr.“ Im Übrigen habe sich das Image des Rauchens verschlechtert, so Lingenhöle. Daraus zu schließen, dass Junge gesünder leben, würde jedoch zu weit gehen, wie er bestätigt. Verbreitet seien Alternativen wie Tabakbeutel.

Gewichtszunahme

Außerdem gibt es vermehrt Gewichtsprobleme: Bei einer mehr oder weniger unveränderten Körpergröße von rund 178 Zentimetern ist das durchschnittliche Gewicht Stellungspflichtiger stark gestiegen. Vor 20 Jahren belief es sich auf rund 70 Kilogramm. Beim jüngsten „durchgemusterten“ Geburtsjahrgang waren es 75,7. Allein über zwei Jahrgänge hinweg hat es damit um rund zwei Kilogramm zugenommen. 19,6 Prozent der jungen Männer galten zuletzt als übergewichtig. Für 11,9 Prozent wurde Adipositas ausgewiesen, also Fettleibigkeit.

„Gerade infolge von Coronapandemie, Lockdowns und Schulschließungen nehmen Gewichtsprobleme noch stärker zu als sie das schon bisher getan haben“, berichtet Geiger: „Hier ist es zu Verhältnissen gekommen, die ich bisher nur aus den USA gekannt habe. Das ist auch eine Folge struktureller Gewalt, die gegen Kinder ausgeübt worden ist. Man kann nur hoffen, dass aus Fehlern gelernt wird und sich das nicht wiederholt.“ Junge sind vermehrt zu Hause und vor dem Computer gesessen; zu oft ist ihnen nichts anderes übriggeblieben.

Handlungsbedarf

Geiger sieht grundsätzlichen Handlungsbedarf. Im Kindergarten und an den Volksschulen gebe es noch wenig Gewichtsprobleme: „Danach schießen die Zahlen in die Höhe: Kinder sind zum Sitzen verdonnert. Das muss sich ändern. Da geht es nicht nur um eine tägliche Sportstunde. Man muss die Gesundheit umfassend mitdenken und auch die Ernährung mit einbeziehen. Es ist nicht so, dass diesbezüglich nichts geschieht. Aber es ist zu wenig. Wir hinken den Entwicklungen hinterher.“ JOH

„Gerade infolge der Coronapandemie nehmen Gewichtsprobleme noch stärker zu.“

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