Die Kraft der Bilder

Vorarlberg / 03.01.2023 • 18:36 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Morgen wird der Vatikan auch viele, die mit der Kirche nichts mehr anzufangen wissen, erreichen. Ein Papst begräbt einen Papst in Pension. Das gab es noch nie. Eine Premiere von welthistorischer Bedeutung. So etwas fasziniert selbst jene, die nicht trauern. Zudem wird es sein, als blickten sie eine andere Welt. Die katholische Kirche wird in ihrer reichen Formensprache verborgene Saiten anklingen lassen, weil sich viele Menschen nach dem Geheimnisvollen sehnen.

Die Kirche wird in ihrer beeindruckendsten Basilika eine prachtvolle Liturgie feiern. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet eigentlich Dienst am Volk. Man fühlt sich an die Worte erinnert, mit denen Benedikt XVI. nach seiner Wahl im April 2005 auf der Loggia des Petersdoms die Menschen begrüßte. Er sei gekommen „als einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn“. Angesichts der goldenen, verbrämten Gewänder klingt das noch heute seltsam.

Und vielleicht werden die nachhaltigsten Bilder auch diesmal gar nicht den erfahrenen Zeremonienmeistern geschuldet sein. Am Begräbnis von Johannes Paul II. nahmen mehr als 300.000 Menschen teil. Sein langes, mühseliges Sterben hatte die Welt bewegt. Jetzt schien es, als hielte sie den Atem an. In Erinnerung bleibt indes das schlichteste aller Bilder: Ein einfacher Holzsarg auf dem Petersplatz, darauf liegt ein Evangelium und der Wind blättert in den Seiten.

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