A guats Neus?

Vorarlberg / 04.01.2023 • 18:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Als Kind und Jugendlicher habe ich mich aufs neue Jahr immer gefreut: Übers alte Jahr nachdenken: Was ist alles passiert? Was war gut, was ist nicht so toll gelungen?

Das neue Jahr anwünschen gehen! Miteinander über das reden, was wohl kommen mag. Einander Glück wünschen und mir Gedanken machen: Was bringt das neue Jahr für mich, für meine Familie und Freunde, was möchte ich heuer erreichen?

Das war für mich lange Zeit individuell geprägt. Es ging bei diesen Gedanken um mich und was ich machen möchte. Was ich erreichen will.

Mittlerweile sehe ich das ganz anders. Durch die rasant fortschreitende Klimakrise sind wir als Kollektiv gefragt: Was bringt das neue Jahr für uns?

Also nicht nur die durch die Klimakrise immer wahrscheinlicher auftretenden („Natur-“)Katastrophen, sondern vor allem die Taten, die wir als Gesellschaft setzen, um eine für uns Menschen und unsere Umwelt katastrophale Entwicklung zu vermeiden!

Der Präsident des Verfassungsgerichtshofes, Christoph Grabenwarter, hat gerade in den letzten Tagen im Interview in den VN klargemacht: Wir haben eine repräsentative Demokratie. Also ist die gewählte Politik gefragt, ja geradezu verpflichtet, die richtigen Schritte zu setzen.

Es geht also darum, wie wir die Klimakatastrophe noch verhindern können! Und zwar nicht nur als Einzelne und als Einzelner, sondern vor allem als Gesellschaft. Denn die Lage ist dramatisch. Die Wissenschaft ist eindeutig. Die Veränderung des Klimas wurde und wird durch uns Menschen verursacht. Unsere Freiheit und unser Leben wird durch die Klimakrise immer mehr und immer massiver eingeschränkt und gefährdet.

Wie können wir also alle eine lebenswerte Zukunft haben? Diese Frage beschäftigt offensichtlich immer mehr, vor allem Jugendliche und Aktivistinnen und Aktivisten. Denn die Klimakatastrophe trifft uns zwar alle, aber unsere Kinder und Jugendlichen besonders lange. Und daher ist ihr Protest besonders glaubwürdig. Ihr Protest wird aber leider nicht so gehört, wie es nötig wäre. Die Beharrungskräfte des Status quo sind (noch) zu groß.

Und daher wird dieser Protest jetzt nerviger, aber er muss dabei immer gewaltfrei bleiben. Und zwar beides notwendigerweise. Weil eben nicht mehr einige Jahre Zeit ist, bis gehandelt werden kann. Sondern die Politik muss jetzt sofort beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel drastische und radikale Schritte setzen. Ich verstehe das. Ich hoffe, Sie auch. Dann wird es trotzdem noch ein gutes neues Jahr 2023!

„Denn die Klimakatastrophe trifft uns zwar alle, aber Kinder und Jugendliche besonders lange. “

Simon Tschannett

simon.tschannett@vn.at

Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.

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