Hohe Viruslast, aber wenige Fälle

Vorarlberg / 06.01.2023 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In den USA ist der Anteil von XBB.1.5 unter den Neuinfektionen groß. APA/DPA/STRATENSCHULTE
In den USA ist der Anteil von XBB.1.5 unter den Neuinfektionen groß. APA/DPA/STRATENSCHULTE

XBB.1.5 greift in den USA um sich. In Österreich und Vorarlberg gibt es nur wenige Fälle.

SCHWARZACH Eine neue Corona-Variante ist auf der Bildfläche erschienen. In den USA geht ein großer Teil der Neuinfektionen auf XBB.1.5 zurück. Es handle sich um einen Omikron-Zweig, erklärt die Virologin Dorothee von Laer von der Medizinischen Universität Innsbruck.

Sie dürfte ansteckender sein und die Immunantwort besser umgehen – das zeige sich zumindest in den USA. In Österreich sei die Variante schon aufgetaucht, spiele aber bis dato noch keine große Rolle. Dies spiegelt sich auch in den aktuellen Erkenntnissen aus der Vorarlberger Abwasseranalyse wider.

Respiratorische Infekte im Umlauf

Die US-Gesundheitsbehörde CDC schätzte, dass XBB.1.5 vor dem Jahreswechsel für rund 40,5 Prozent aller Neuansteckungen verantwortlich ist. Virologin von Laer schildert im VN-Gespräch, dass es sich um eine neue Omikron-Untervariante handle, und zwar um eine Rekombination von zwei Subtypen. Nach den bisherigen Erkenntnissen breitet sich die Variante rascher aus. „Das kann zwei Gründe haben. So umgeht sie erstens die Immun­antwort in den USA ein bisschen besser. Ob das bei uns so ist, bleibt unklar.“ Das könne sich je nach Population unterscheiden und hänge von der Verbreitung der jeweiligen Varianten ab, erklärt von Laer. „Zweitens dürfte XBB.1.5 tatsächlich ansteckender sein.“

In Österreich machten die nachgewiesenen Fälle derzeit weniger als ein Prozent aus, sagt die Expertin. Noch sei auch absolut unklar, ob die Entwicklung ähnlich sein werde wie in den USA. Zudem verweist sie darauf, dass eine höhere Übertragbarkeit nicht mit schwereren Verläufen einhergehen müsse. Neben den Antikörpern gebe es einen zweiten Arm in der Immunitätsantwort, nämlich die T-Zellen, die davor schützten. „Auch wenn eine neue Variante starke Wellen hervorrufen sollte, heißt das nicht, dass die Krankenhäuser und die Intensivstationen wieder stark belegt sein müssen.“ Bisher gebe es jedenfalls keinen Hinweis auf schwerere Verläufe durch XBB.1.5. Die Virologin gibt in diesem Zusammenhang aber zu bedenken, dass sich aktuell wieder mehr respiratorische Infekte stark ausbreiten, nicht nur Corona. Die Influenzawelle sei so hoch wie lange nicht mehr, ebenso sind RS-Viren im Umlauf. „Es gibt eine Überlastung durch verschiedene Erreger.“

Einzelfälle der Untervariante

In der Vorarlberger Abwasseranalyse ist XBB.1.5 noch kein großes Thema. Wie Christoph Scheffknecht, Leiter des Umweltinstituts, auf VN-Anfrage mitteilt, lässt sich zwar die Hauptabstammungslinie XBB nachweisen. Doch bei XBB.1.5, also jener Variante, die in den USA derzeit stark um sich greift, seien es nur Einzelfälle. „In Vorarlberg dominieren nach wie vor die Subvarianten BA.5 und BA.2.“

Testpflicht für China-Reisende

Auffällig ist Scheffknecht zufolge ein anderer Aspekt: Die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner pro sieben Tage, bilde das Infektionsgeschehen nicht mehr ab. Sie habe sich im Zeitverlauf kaum geändert. Im Gegenzug seien die „Viruslasten im Abwasser im Einzugsgebiet der untersuchten sechs Kläranlagen in Vorarlberg derzeit erhöht.“ Diesen Effekt sehe man etwa in Bregenz deutlich. Auch von Laer verweist darauf, dass die Anzahl der Neuinfektionen wohl deutlich höher sein dürfte, als offiziell bekannt.

Unterdessen steigt europaweit die Sorge, dass in China nach dem Ende der strikten Zero-Covid-Politik neue Mutationen entstehen können. Insbesondere die Abschaffung der Quarantäne für Reiserückkehrer steht im Fokus. „Neue Varianten müssen engmaschig beobachtet werden“, sagt die Virologin. Ein europaweites Testen von Reisenden aus China mache Sinn. Auf eine Testpflicht für Reisende aus China konnten sich die EU-Staaten nicht einigen. Stattdessen wurde empfohlen, vor der Abreise einen negativen Corona-Test vorzuschreiben. Österreich folgt dieser Empfehlung wie einige andere Länder. Die Testpflicht für Reisende aus China soll am Samstag in Kraft, teilte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) am Freitag mit. VN-RAM

„Die Viruslast im Abwasser der sechs untersuchten Kläranlagen ist derzeit erhöht.“

Hohe Viruslast, aber wenige Fälle

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