Schloss Wolfurt war einst Sommerresidenz der Äbte

Vorarlberg / 08.01.2023 • 19:47 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Schloss Wolfurt war einst Sommerresidenz der Äbte

Sagenumwoben thront das Schloss, das um 1217 erstmals urkundlich erwähnt wurde, über der Marktgemeinde.

Wolfurt Dort, wo bald Events stattfinden werden, residierten einst die Herren Wolfurt. Das Adels- und Rittergeschlecht hatte vom 13. bis ins 15. Jahrhundert Einfluss im Südschwarzwald, in Vorarlberg und in der Schweiz. Ihr Stammsitz war die Burg Wolfurt. Das Geschlecht taucht erstmals um 1226 auf. Nach einer Überlieferung soll im 13. Jahrhundert die Familie McDewx the Wolf in ihrer Heimat verfolgt worden, und aus Schottland nach Italien und Deutschland ausgewandert sein, wo der Name in Wolfesford und dann in Wolfurt überging. Um 1530 starb das Geschlecht der Herren von Wolfurt im Rheintal aus.

Ein Kommen und Gehen im Schloss

Seit vermutlich unter Kaiser Barbarossa um 1180 auf diesem Hügel eine Burg errichtet wurde, lebten hier zahlreiche Besitzer. Zwei Jahrhunderte lang erwarb das Geschlecht großes Ansehen, bevor es zu Beginn des 15. Jahrhunderts zerfiel und mit dem Verkauf von Gütern begann.

1402 erwarb das Kloster Mehrerau die Hälfte der Burg von den Wolfurtern. Die Burg wurde ein Sommersitz der Äbte. 1451 fiel es an Österreich und wurde seitdem als Lehen an verschiedene Bregenzer Patrizierfamilien vergeben. Im Jahr 1530 kaufte der Abt des Klosters St. Gallen, Kilian Germann, das Schloss Wolfurt und flüchtete von St. Gallen hierher. 1696 wurde Benedikt Reichart aus Bregenz mit Wolfurt belehnt. Er veranlasste um 1707 den barocken Umbau im Inneren.

In bürgerlichem Besitz

Nachdem 1750 Joseph Xaver Tröndlin von Greiffenegg den Bau erworben hatte, gelangte er zwei Jahre später in bäuerlichen und danach in bürgerlichen Besitz. Unter ihnen war auch die Familie Leber von Wolfurt. Die Enkel Leber wurden von Kaiser Maximilian I. 1515 in den Adelsstand erhoben. Schließlich durften alle Mitglieder der Familie Leber den Namen „von Wolfurt“ tragen. Nach 150 Jahren Schlossbesitz starb die Familie 1653 aus.

1856 wurde Schloss Wolfurt an die Familie Jakob Huter aus Bregenz verkauft. Sie waren Vorfahren des Bürgermeisters Josef Huter von Bregenz. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebäude in sehr schlechtem Zustand, denn wichtiger als die Erhaltung des Schlosses war den Lehensherren stets, einen wohlklingenden Adelstitel zu erhalten.

Umbauten unter Schindler

1936 erwarb der Industrielle Fritz Schindler das Anwesen. Er ließ das Bergfried mit einem Zinnenkranz aufstocken und den Palas ausbauen. Friedrich-Peter (Fritz) Schindler, der 1969 verstarb, war der Sohn des Erfinders Friedrich Wilhelm Schindler, ein Pionier im Bereich der Elektrizitätswirtschaft und Elektrotechnik. Er gründete die Elektra Bregenz und erfand die erste vollelektronische Küche. 1908 baute er in Andelsbuch das größte Wasserwerk in Österreich-Ungarn. Diese waren der Beginn der heutigen VKW.

Von 1945 bis 1953 war das Schloss Wohnsitz der französischen Militärregierung. Danach wurde es an die Familie Schindler zurückgegeben und blieb bis 2017 in Familienbesitz. Im März 2017 beschloss die Wolfurter Gemeindevertretung, das Schloss Wolfurt zum Preis von 4,1 Millionen Euro zu erwerben, um dieses in das Eigentum der öffentlichen Hand zu bringen. Viele Bürger wünschten sich schon lange, dass das Schloss belebt und öffentlich zugänglich wird.

Aufbau nach Bränden

Genau wie seine Besitzer änderte auch das Gebäude während Jahrhunderten seine Funktionen und Ausstattung. Aufgrund von zwei Bränden blieb von der ursprünglichen Bausubstanz aus dem Mittelalter nur wenig erhalten. Nach dem ersten Brand 1706 wurde das Hauptgebäude fast gänzlich neu aufgebaut. 1939 brannte das Gebäude wieder, war aber ein Jahr später nach Plänen von Johann Anton Tscharner wieder aufgebaut. Zu den ältesten Teilen der Burganlage gehören das Keller- und Erdgeschoss des Turms. Diese können in das erste Viertel des 13. Jahrhunderts zurückdatiert werden.

Geheime Räume

2003 wurde das Schloss unter Denkmalschutz gestellt. Deshalb müssen die Umbauarbeiten behutsam durchgeführt werden. Nichtsdestotrotz brachten die bauhistorischen Untersuchungen auch Geheimnisse ans Licht. Es gibt mehrere Räume im Schloss, die zugemauert und damit nicht zugänglich sind. Vermutlich dienten diese Räume als Geheimversteck für Wertgegenstände. Ab März soll das Schloss Wolfurt als Eventlocation für 50 bis 100 Gäste genutzt werden können. Von außen bleibt es jedoch immer das Schloss, das das Bild von Wolfurt seit nun 800 Jahren prägt.

Das Schloss Wolfurt wird auch für Veranstaltungen genutzt.VN/Paulitsch
Das Schloss Wolfurt wird auch für Veranstaltungen genutzt.VN/Paulitsch
Genau wie seine jeweiligen Besitzer änderte auch das Gebäude während Jahrhunderten seine Funktionen und Ausstattung. mg Wolfurt
Genau wie seine jeweiligen Besitzer änderte auch das Gebäude während Jahrhunderten seine Funktionen und Ausstattung. mg Wolfurt
Schloss Wolfurt war einst Sommerresidenz der Äbte

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