Über Wünsche und Probleme in Nüziders

Vorarlberg / 08.01.2023 • 19:47 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Junge Nüziger beteiligten sich an der Gemeindeentwicklung und schrieben ihre Wünsche auf. VN/JUN
Junge Nüziger beteiligten sich an der Gemeindeentwicklung und schrieben ihre Wünsche auf. VN/JUN

Gemeinde Nüziders lud zur Bürgerveranstaltung, bei der es um das REP und Straßen- und Wegekonzept ging.

Nüziders Was wünschen sich die Nüziger für die Zukunft? Was gefällt ihnen und wo ist noch Verbesserungsbedarf? Darum ging es in der Bürgerveranstaltung zum REP. Alexander Kuhn vom Büro Besch&Partner und Alfred Eichberger vom Büro stadtland stellten die jeweiligen Konzepte vor – das Straßen- und Wegekonzept sowie den Räumlichen Entwicklungsplan (REP). 2015 durfte das Büro stadtland schon einmal ein REP für die Gemeinde Nüziders ausarbeiten, also sind sie bereits bestens über die Gegebenheiten vor Ort informiert.

Das REP, wozu die Gemeinden verpflichtet sind, dieses zu verordnen, ermöglicht eine mittelfristige bis langfristige Vorschau der Gemeindeentwicklung. Die entwickelten Grundlagen werden alle zehn Jahre erneut überprüft und gegebenenfalls abgeändert. Das Straßen- und Wegekonzept (SWK) wird in diesem Zuge gleich mitgemacht. Alexander Kuhn erklärt, dass beim SWK der nicht motorisierte Verkehr attraktiver werden soll, zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Kinder oder Senioren. Möglichst viele Wege sollen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Beim SWK werden weder die Autofahrer oder das Parken noch der ÖPNV berücksichtigt, sondern wie man beispielsweise sicher und am schnellsten zur nächsten Bushaltestelle kommt. Die Bedingungen sollen sich für Radfahrer und Fußgänger verbessern, nicht für Autofahrer. Ein Problem seien laut Kuhn zum Beispiel Schleichwege, sogenannte Erschließungsstraßen, die gerne von Autofahrern als Abkürzung genutzt werden.

Viele Problemfelder

Die Bürger konnten im Anschluss an die Präsentation ihre Wünsche und Anregungen auf bunten Zetteln schreiben und diese an die mobilen Tafeln hängen. Bernhard Dressel würde sich mehr Elektromobilität in der Gemeinde wünschen, dass zum Beispiel Gemeindeautos elektrisch betrieben werden und bemängelt darüber hinaus ein fehlendes Konzept im Falle eines Blackouts. Auch das Thema Energieversorgung blieb nicht kommentarlos. Patrick Zimmermann findet, dass es mehr PV-Anlagen auf gemeindeeigenen Gebäuden geben sollte. Momentan hätte nur die Schule eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Für Daniel Luger fehlen Veranstaltungsräume und ein Festplatz. Dann schrieb Patrick Zimmermann einen weiteren Punkt auf einen der bunten Zettel: Familienfreundliche Spazierwege fehlen. Der schön angelegte Fuß- und Radweg endet beim Hängenden Stein, im Industriegebiet. Einen Weiterweg zurück ins Ortszentrum, einen Rundweg, gebe es aber nicht.

Auch die Wohnproblematik, dass Investoren Wohnungen gekauft haben und jetzt leer stehen lassen, verkennen die Freunde nicht. Bei der Gestaltung von Fassaden hat zum Beispiel Bernhard Dressel klare Vorstellungen: Er würde mehr Holz statt Beton verbauen. Darüber hinaus fehlen klassische Treffpunkte, konkret „ein Stüble zum Bierletrinken“, so Daniel Luger. Immerhin tut sich in Sachen Gasthaus künftig etwas, denn das alte Gasthaus Krone wurde von der Primus Immobilien GmbH gekauft. Laut Beatus Fleisch, Geschäftsführender Gesellschafter der Primus Immobilien, soll das alte Gasthaus abgerissen und ein neues gebaut werden. „Wir sind mitten in der Planungsphase“, verrät Beatus Fleisch noch nicht allzu viel. Nur so viel: Über dem neuen Restaurant mit gutbürgerlicher Küche sollen Wohnungen entstehen.

Obstgärten sollen erhalten bleiben

Andreas Radl setzt sich für mehr Obstgärten und deren Erhalt ein. Nüziders hat eine große Abfindungsbrenner-Lobby. Dementsprechend groß ist der Wunsch, dass der Bongert mitten im Ortsgebiet erhalten bleibt, Grünflächen freigehalten werden und man Obstbäume gemeinschaftlich nutzen kann. Isabella Stecher wünscht sich einen Beachvolleyballplatz, am besten neben dem Bildungscampus. Ihre Argumentation: „Einen Beachvolleyballplatz kann eine große Altersgruppe nutzen.“ Auch Kinderspielplätze könnten aufgewertet werden. Ein öffentliches WC im Ortszentrum, Lastenräder, die man mieten kann, Fahrradstraßen und die Attraktivierung der Ruine Sonnenberg zu einem Freizeit- und Erholungsplatz wurden angebracht.

Sonnenbergstraße problematisch

Beim Stand der SWK wurde vor allem die Sonnenbergstraße kritisiert. Dort herrsche zu viel Verkehr, ein Nadelöhr wäre vor allem die Stelle beim Postamt. Eine Einbahnstraße wurde von den Bürgern diskutiert. Sarah Schallert findet darüber hinaus die Gehwege zu holprig. Eine Begegnungszone würde sich Georg Günz wünschen. Alexander Schallert stützt diesen Wunsch: Er würde eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf nur noch 25km/h begrüßen. „Dann ist man mit dem E-Bike gleich schnell“, schmunzelt er. Alle sind sich einig, dass die stärkeren Verkehrsteilnehmer auf die schwächeren Rücksicht nehmen müssen. Georg Günz könnte sich sogar im ganzen Ort eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30km/h vorstellen. Und Alexander Schallert ergänzte: „Eine Geschwindigkeitskontrolle muss her!“

Nun werden alle Rückmeldungen gesammelt und dokumentiert. Die Zusammenfassung des Workshops findet sich im Anschluss auf der Homepage der Gemeinde. Ein zweiter Bevölkerungsworkshop ist für Sommer 2023 geplant. Bürgermeister Peter Neier sagte abschließend: „Nüziders ist ein lebenswertes Dorf und das soll auch so bleiben.“ VN-JUN

Alfred Eichberger vom Büro stadtland stellte die Eckpunkte des REP vor.
Alfred Eichberger vom Büro stadtland stellte die Eckpunkte des REP vor.

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