Vom Profifußballer zum Personalcoach

Vorarlberg / 08.01.2023 • 17:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tomasz Pekala coacht seine Klienten in seinem Büro im Co-Working-Space „Loft“ in Lochau. HRJ
Tomasz Pekala coacht seine Klienten in seinem Büro im Co-Working-Space „Loft“ in Lochau. HRJ

Tomasz Pekala fühlt sich sowohl hier als auch in seinem Herkunftsland daheim.

Lochau Einst war der Fußballplatz seine Welt. Heute coacht er gestresste Väter. Dazwischen ist viel passiert im Leben von Tomasz Pekala. Nach Phasen des Ausprobierens und Veränderns ist der 38-Jährige in erster Linie ein Familienmensch geworden, der sowohl in seinem Herkunftsland Polen als auch hier in Österreich ein Zuhause hat.

Trotz der politischen Unruhen in Polen erinnert sich Tomasz Pekala an „eine wunderschöne Kindheit in Wroclaw“, jener schlesischen Stadt, in der er am 5. Mai 1984 zur Welt gekommen ist. In Wroclaw (Breslau) ist in den 1980er Jahren die Bürgerbewegung Solidarnosc entstanden, die sich gegen das damalige Regime auflehnte. Der Anführer von Solidarnosc, Lech Walewsa, wurde im Dezember 1990 zu Polens Präsidenten ernannt. Aber zu dem Zeitpunkt war die Familie Pekala schon ein paar Monate in Österreich.

Tomasz ist gerade mal sechs Jahre alt, als er mit seinen Eltern und dem älteren Bruder Wroclaw verlässt und nach Bregenz zieht. Sein Vater, der damals international bekannte Profifußballer Miroslaw Pekala, ist vom Fußballverein Viktoria Bregenz engagiert worden.

Tomasz wird in der Volksschule Augasse eingeschult. „Ich habe in der ersten Zeit gar nichts verstanden“, erinnert er sich. „Deutsch zu lernen war am Anfang mühsam, aber dann ging es ganz schnell.“ Soziale Anpassungsschwierigkeiten habe er nie gehabt: „Die österreichische und die polnische Kultur sind ja ähnlich.“ Auch wenn die Pekalas jede Ferien in Polen verbringen, haben sie sich in ihrer neuen, zweiten Heimat gleich daheim gefühlt.

Nach der Volksschule absolviert Tomasz die Handelsschule, danach den Aufbaulehrgang der Handelsakademie. Mitten unterm Schuljahr – Tomasz ist 17 geworden – beschließt er, Profifußballer zu werden. Nachdem er schon seit Kindestagen kickt, schafft er es bald in die 1. Liga von Schwarz-Weiß Bregenz. „Mit 25 musste ich mich entscheiden, ob ich noch Profifußballer bleibe oder eine andere Berufslaufbahn einschlage“, erklärt er. Die Entscheidung fällt auf Letzteres, und er wird Croupier im Casino Bregenz. Die Arbeit gefällt ihm: „Sie war spannend und interessant.“ Dabei entwickelt er besonderes Interesse für Psychologie: „An den Spieltischen beobachtete ich, wie sich Menschen in Extremsituationen – bei vermeintlichem Erfolg und Misserfolg – verhalten. Da spielten sich vor meinen Augen ganze Leben im Minutentakt ab.“

Der Croupier-Job gewährt Tomasz viel Freizeit, und die nutzt er großteils, um mit Sara, die damals noch seine Freundin ist, die Welt zu bereisen. Auf einer seiner Reisen hat das Paar geheiratet. Das war 2011 auf den Fidschi-Inseln. 2016 wird Tochter Olivia geboren, Sohn Henry ist seit 2021 da. „Als ich zum ersten Mal Vater wurde, hörte ich auf als Croupier zu arbeiten“, erzählt Tomasz. „Ich wollte meiner kleinen Tochter andere Werte vermitteln.“ Er wird selbstständiger Personalcoach. Die Ausbildung dazu hat er bereits absolviert.

Slawische Gelassenheit

Die Klienten coacht er in seinem Büro im Co-Working-Space Loft in Lochau. Seine Zielgruppe sind Männer zwischen 25 und 45, die Väter sind beziehungsweise werden. Vater zu sein, beschreibt Tomasz als „eine intensive Lebensphase, die mitunter stressig ist. Es ist meine Herzensangelegenheit, speziell Vätern zu helfen, ihr Leben so zu meistern, dass sie stolz auf sich selber sein können“. Dabei kommt ihm als Personalcoach die genetisch bedingte slawische Gelassenheit zugute. So wie die Eltern und der Bruder, ist auch Tomasz Pekala in Vorarlberg geblieben, er wohnt mit Sara und den Kindern weiterhin in Bregenz. „Ich bin hier und in Polen daheim. Auch, wenn ich in Polen als Österreicher gelte, und in Österreich als Pole“, betont er und lacht. Unterschiede gibt es schon zwischen den beiden Ländern: „Zum Beispiel ist hier mehr Ordnung, mehr Klarheit. Dafür herrscht in Polen eine extrem komplizierte Bürokratie. Hier ist ein Ja ein Ja und ein Nein ein Nein. Dort gibt es nur jein oder vielleicht.“ Die Menschen in Polen seien wärmer und weniger distanziert als hier, fügt er hinzu. „Hier dauert es länger, bis man akzeptiert wird.“

Heimweh? „Ja schon. Ab und zu wäre ich gerne in Wroclaw, bei meinen Angehörigen und Freunden.“ Zuletzt war er dort, bevor Corona ausgebrochen ist. Das ist nun fast drei Jahre her. „In diesem Jahr fahre ich nach Polen“, stellt er klar. „Wann? Mal sehen.“

„An den Spieltischen beobachtete ich, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten.“

Als Profifußballer hat es Tomasz Pekala mit Schwarz-Weiß Bregenz in die 1. Liga geschafft.
Als Profifußballer hat es Tomasz Pekala mit Schwarz-Weiß Bregenz in die 1. Liga geschafft.

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