Die Dinge beim Namen nennen

Vorarlberg / 10.01.2023 • 19:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Schnurstracks auf dem Weg der guten Vorsätzen und in wilder Entschlossenheit zur ersten sportlichen Betätigung des Jahres fällt der Blick auf eine Werbepostille. Und erhellt sich. Angepriesen werden „Wellness Frankfurter“ und „Bio Wellnessschinken“. Da denkt man sich: Jetzt noch etwas Geduld üben, und sie bringen einen Aktiv-Leberkäs auf den Markt und die Abnehm-Currywurst mit Mayo. Und 2023 wird ein Hit.

Glaubt das wer? Wirkt das nicht wie der verzweifelte Versuch von Tofu, der als Hamburger getarnt im Regal herumlümmelt? Woher nur diese Lust am Etikettenschwindel? Und wäre das nicht schön, wenn der Hohlraum zwischen den beiden Ohrwascheln dann und wann von Aktivität widerhallt und nicht jede kreative Verirrung der Werbebranche mit Einkäufen belohnt wird?

Gewiss, die erste Hälfte des Wortkonstrukts „Wellness“ stammt von „wellbeing“, also „sich wohl fühlen“. Und natürlich steigert so ein Würstel – zumal mit Kren und Senf und einem reschen Pärle serviert – das Wohlbefinden ungemein. Wenn ein kleines Bierchen dazu gezapft wird, nachgerade ins Unermessliche… Aber dann hat in den 1950er Jahren ein findiger Kopf der englischen „Fitness“ das „ness“ entwendet und dem „well“ beigefügt und aus war’s mit der Gemütlichkeit. Wellness erfordert Bewegung, und Würstel macht man aus Fleisch und Speck. Umtaufen ändert das auch nicht.

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